Kritik: Battle Royale – Das (viel) bessere Hunger Games.

Ein großer japanischer Kult-Film hat nun nach jahrelanger Existenz auf dem Index nun endlich seinen Weg in den deutschen DVD-/Blu-Ray-Handel gefunden. BATTLE ROYALE kam im Jahre 2000 in Japan raus und trat sofort eine Welle von Adaptionen, Fortsetzungen und Neuverwertungen los, unter denen sich auch HUNGER GAMES . Selbst einen Takeshi Kitano, der wohl charismatischsten Figur des japanischen Action-Films, verhalf der Streifen zu einem festen Platz im kulturellen Gedächtnis aller Genre-Fans. Ob der Film wirklich seinem Ruf gerecht wird, erfahrt ihr in meiner Kritik!

Japan im Jahr 2000 wird geplagt von einer großen Welle an Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität. Schüler attackieren ihre Lehrer, schwänzen wie es ihnen lieb ist, haben also allen Respekt gegenüber ihren höher gestellten Personen verloren. Die Antwort des Staats? Eine „““““Bildungsreform““““ erlassen, die es den Lehrern erlaubt ihre Klasse auf eine Insel zu transportieren, um sie sich dort selbst töten zu lassen. Nur der letzte Überlebende unter der 40-köpfigen Klasse darf wieder den Gang nach Hause antreten.

Klingt ziemlich unoriginell. Wieso sich aber noch einmal einen Film anschauen, den man durch all seine Variationen doch im Grunde sowieso schon kennen wird? Kurz und ehrlich gesagt – weil BATTLE ROYALE einfach immer noch besser als all seine Nachmacher ist. Der Einstieg in den Film gelingt knallhart und butterweich. Eine aberwitzige Szene jagt die nächste. Hier ein kleiner Junge, der im Vorbeirennen seinem Lehrer in die Kniekehle schneidet, dort der erhängte Vater der Hauptfigur Shunya Nanahara, der kurz vor seinem Selbstmord noch ermutigende Worte an seinen Sohnemann auf Klopapier gerichtet hat, die ihm jetzt um den Hals hängt. So wird man vom Film sofort angefixt, der noch viel zu erzählen haben wird.

Denn die Stärke des Regisseurs Kinji Fukasaku ist wirklich das Pacing. Die ersten Kills kommen so plötzlich und unvermittelt, dass der Zuschauer schon einmal aufatmen darf, hier kein bockernstes Sozialdrama zur nächtlichen Unterhaltung aufgetischt zu bekommen. BATTLE ROYALE ist im Herz ein B-Movie und von seiner besten Seite schnell, krass und cool.

Dabei ist sich der Film aber auch seiner eigenen Klischeehaftigkeit bewusst. Die Figuren sind nicht einfache Abziehbildchen, sondern lassen, jeder für sich, eine lustige und interessante Pointe auf sich warten. Denn natürlich sind in dieser Klasse die ganz typischen Gruppendynamiken zu Gange, die nun in diesem Setting voll und ganz ausgespielt werden dürfen. Einfach nur köstlich ist die Nebenhandlung der einen Langstreckenläuferin Takako, die selbst auf der Insel noch ihre Ausdauer trainiert und von dem Klassenkameraden Niida in den wohl letzten Tagen ihres Lebens sexuell bedrängt wird. Nachdem sie den mutwilligen Schänder dann nach einer Runde Bodenkampf in mit einem Messerstich in die Genitalien sich selbst überlässt, stirbt sie im Licht des Sonnenuntergangs dann doch noch an der Seite ihres Schulschwarms.

Ein anderes Beispiel ist der typische Klassenstreber, der mit der Knarre in der Hand noch algebraische Sätze stammelnd, von seinen aussichtsreichen Zukunftsplänen erzählt und kurz daraufhin einfach umgelegt wird. Einfach nur schön.

Während aber noch viele versuchen ihrem jugendlichen Liebesglück zumindest für einen Moment noch zur Erfüllung zu verhelfen, leben andere geschädigte Jugendliche ihrer Tötungswut nach. Und grade wenn in solchen Zeiten die Kinder-Erwachsenen-Beziehungen erklärt werden, kommt BATTLE ROYALE wirklich noch auf eine Stärke, die nicht vielen anderen Actionfilmen verleiht werden kann. Die Hilflosigkeit beider Parteien wird deutlich; der Lehrer Kitano ist einfach nur an ein Rand der Hoffnungslosigkeit gequälter Mann und die Schüler haben einfach keine Lust mehr sich der unzuverlässigen und ungerechten Erwachsenenwelt unterzuordnen. Und ganz ehrlich: von solchen Filmen kann es nie genug geben.

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Bildmaterial mit freundlicher Unterstützung vom Verleiher capelight pictures.

Fazit: BATTLE ROYALE ist ein Gesellschaftsportrait. Aberwitzig, supermakaber und grade deswegen ein funkelnder Geheimtipp des abseitigen Films.

7


Cast

  • Regisseur: Kinji Fukasaku
  • Drehbuch: Kenta Fukasaku

Hauptdarsteller

 Darsteller Rolle
Tatsuya Fujiwara Shuya Nanahara
Aki Maede Noriko Nakagawa
Takeshi Kitano Kitano-sensei

Nebendarsteller

  • Taro Yamamoto
  • Chiaki Kuriyama
  • Sosuke Takaoka
  • Takashi Tsukamoto
  • Yukihiro Kotani

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 7,0/10

7


Die Filme von Kinji Fukasaku

  • Furaibo tantei: Akai tani no sangeki (1961)
  • Furaibo tantei: Misaki o wataru kuroi kaze (1961)
  • Funky Hat no kaidanji (1961)
  • Funky Hat no kaidanji: Niseman-en no ude (1961)
  • Hakuchu no buraikan (1961)
  • Die Herausforderung (1962)
  • Gyangu tai G-men (1962)
  • Gyangu domei (1963)
  • Jakoman to Tetsu (1964)
  • Okami to buta no ningen (1964)
  • Odoshi (1966)
  • Young Kamikaze & Co. – K.M. jagt Feuervogel (1966)
  • Hokkai no Abare-Ryu (1966)
  • Kaisan shiki (1967)
  • Kuro tokage (1968)
  • Monster aus dem All (1968)
  • Kyokatsu koso waga jinsei (1968)
  • Bakuto Kaisan-shiki (1968)
  • Kuro bara no yakata (1969)
  • Nihon boryoku-dan: Kumicho (1969)
  • Tora! Tora! Tora! (1970)
  • Kimi ga wakamono nara (1970)
  • Chi-zome no daimon (1970)
  • Bakuto gaijin butai (1971)
  • Unter dem Banner der aufgehenden Sonne (1972)
  • Gendai yakuza: hito-kiri yota (1972)
  • Hito-kiri Yota: Kyoken San-kyodai (1972)
  • Jingi naki tatakai (1973)
  • Hiroshima shito hen (1973)
  • Jingi naki tatakai: Dairi senso (1973)
  • Jingi naki tatakai: Chojo sakusen (1974)
  • Jingi naki tatakei: Kenketsu-hen (1974)
  • Shin jingi naki tatakei (1974)
  • Jingi no hakaba (1975)
  • Kenkei tai soshiki boryoku (1975)
  • Shin jingi naki tatakei: Kumicho no kubi (1975)
  • Shikingen godatsu (1975)
  • Boso panikku: Daigekitotsu (1976)
  • Shin jingi naki tatakei: Kumicho saigo no hi (1976)
  • Yakuza no hakaba: Kuchinashi no hana (1976)
  • Hokuriko dairi senso (1977)
  • Doberuman deka (1977)
  • Yagyu ichizoku no inbo (1978)
  • Sternenkrieg im Weltall (1978)
  • Ako-jo danzetsu (1978)
  • Jingi naki tatakei: Soshuhen (1980)
  • Overkill (1980)
  • Seishun no mon (1981)
  • Makai tensho (1981)
  • Dotonborigawa (1982)
  • Die Todestreppe (1982)
  • Die Legende von den acht Samurai (1983)
  • Jinsei gekijo (1983)
  • Shanhai bansukingu (1984)
  • Kataku no hito (1986)
  • Hissatsu 4: Urami harashimasu (1987)
  • Hana no ran (1988)
  • Itsuka giragirasuruhi (1992)
  • Chushingura gaiden: Yotsuya kaidan (1994)
  • Omocha (1998)
  • Battle Royale (2000)
  • Battle Royale 2 (2003)
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11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Toller Film, ich hab ihn vor Jahren auch mal gesehen.

    Gefällt 2 Personen

    1. filmgeist9 sagt:

      Ihr habt die gekürzte Version gesehen. Aber der Film ist toll. T. Kitano ist göttlich. Es gab ja auch Gerüchte, dass HUNGER GAMES sich bei BATTLE ROYALE bedient hat … tja

      Gefällt 1 Person

      1. Vielleicht war sie … inspiriert. 😉

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      2. filmgeist9 sagt:

        Die Hunger Spiele sind schon gut und filmisch die beste Dystopie- Verfilmung.

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      3. Finde ich auch. Mit Ausnahme von Teil 1 – ich war etwas enttäuscht. Diesen Teil fand ich zu brav.

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      4. filmgeist9 sagt:

        Ich habe alle 4 Teile am Stück gesehen. Teil 2 fand ich damals im Kino doof. Rückblickend aber der beste Teil.

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      5. Ich mochte #4 am liebsten. Am vergangenen Wochenende habe ich sie mir noch mal alle angeschaut …

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  2. rina.p sagt:

    Ich wusste gar nicht, dass der auf dem Index war…hm…ich fand ihn auch toll. Hab ihn auch vor paar Jahren gesehen.

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  3. donpozuelo sagt:

    Definitiv das bessere Hunger Games. Das war so einer meiner ersten asiatischen Filme. Und ich mag den nach wie vor noch. Muss mir echt mal den Film jetzt holen und eine neue Review machen. Meine basiert noch auf einer alten VHS-Sichtung bei einem guten Freund in nicht ganz so geiler Qualität 😀

    Gefällt 1 Person

    1. kuyaa sagt:

      ohh ja, dafür kommt der rerelease doch wie gerufen 🙂

      Gefällt 1 Person

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