Gedanken der Woche: Schauspielkunst oder Mimikry?

Bei den vergangenen Oscar-Verleihungen gab es wohl keinen Preis, dessen Sieger so ungewiss war, wie der des besten Hauptdarstellers. Nominiert waren neben drei weiteren Kandidaten Eddie Redmayne für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ und Michael Keaton für „Birdman“. Die beiden sollten den Preis unter sich ausmachen, wurde im Vornherein gesagt. Der Sieger war am Ende bekanntermaßen Redmayne, aber auch zurecht? Was auffällig ist, ist die Tatsache, dass Keaton einen eigenen Charakter erschaffen hat, während Redmayne „nur“ die Verhaltensweisen vom querschnittsgelähmten Physiker Stephen Hawking adaptiert hat. Ist es dann Schauspiel oder einfach nur Mimikry und ist es dann wert, geehrt zu werden?

Diese Frage beschäftigt mich schon lange. Abgesehen davon, dass ich „Birdman“ als einen grandiosen Film sehe, war auch Keatons Darstellung in diesem Film einfach atemberaubend. Ich hätte es ihm wirklich unglaublich gegönnt, den Oscar zu erhalten. Nicht nur, weil er lange in der Versenkung verschwunden war und er einen einzigartigen Charakter selber geschaffen hat. Redmayne dagegen hat eben nur Verhalten adaptiert. Vielleicht hat man jetzt schon herausgelesen, welche Meinung ich vertrete: Für mich ist das Kopieren eines Menschen einfach nur Mimikry. Das kann jeder. Vielleicht nicht so schnell und detailverliebt wie Redmayne, aber man kann es schaffen.

Ich finde solche Kopien, egal wie genau sie das Original abbilden, nie so beeindruckend wie eine eigene Interpretation. Der Schauspieler ist in diesem Fall nur ein Dienstleister, der ein Produkt herstellt. Man möchte einen Film über Hawking drehen, also soll der Schauspieler so aussehen und sich so bewegen wie Hawking. Gibt es jedoch keine Vorlage, hat der Schauspieler wesentlich mehr Freiheiten und damit auch Gelegenheiten, mächtig falsch zu liegen mit dem, was er tut. Dieses Risiko hat man beim Mimikry nicht, besonders nicht, wenn das Vorbild eine „Macke“ hat. Dann konzentriert man sich eher darauf, wie diese umgesetzt ist und übersieht dabei andere Schwächen. Das soll Redmaynes Leistung überhaupt nicht schmälern, es ist einfach eine persönliche Einstellung. Für mich ist Mimikry einfach nur Warenarbeit, die keine künstlerische Freiheit erlaubt und somit auch nicht wirklich preisverdächtig ist.

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