Kritik: Bronson

Bronson ist ein schwieriger Charakter. Und „Bronson“ ist auch ein schwieriger Film. 2009 erschien diese filmische Aufbereitung der Lebensgeschichte des Strafgefangenen Michael Peterson, und ich kann durchaus nachvollziehen, dass dieser Film nicht für jeden gemacht ist. Es folgt ein grober Umriss der

Handlung

Michael Peterson (Tom Hardy) möchte sich mit dem einfachen Leben, das sich vor ihm ausbreitet, nicht zufrieden geben. Er weiß, in ihm schlummert ein Künstler, eine fleischgewordene Unterhaltungsshow. Und am einfachsten kommt er an Mitdarsteller und Publikum, wenn er ihre volle Aufmerksamkeit ungefragt mit seinen Fäusten und viel Körpereinsatz erzwingt. Eine Schlägerei als ein Training für seinen nächsten Auftritt, ein schlecht durchgeführter Raubüberfall auf ein Postgeschäft als mögliche Chance auf ein Leben in mehr Wohlstand, oder im schlechtesten Fall zumindest eine eigene Zelle im Gefängnis, wo er ungestört üben kann. So die Idee. Zu seiner großen Enttäuschung wird er jedoch in eine Nervenheilanstalt verfrachtet und unter Drogen gesetzt; Unter diesen Umständen kann Peterson natürlich nicht arbeiten, also muss er irgendwie die nächste Stufe zum Gefängnis bewältigen..

Weiter möchte ich auf den Handlungsverlauf an dieser Stelle tatsächlich nicht eingehen, da dieser, so wie ich das sehe, zweitrangig ist. Der Film lebt von der Charakterdarstellung, die uns Tom Hardy hier präsentiert. Meisterhaft verkörpert er den vielschichtigen, unberechenbaren, manischen und zugleich poetischen Charles Bronson. (Diesen Namen verdankte er im Übrigen seinem Promoter aus seiner Zeit als Bare-Knuckle-Boxer, da dieser Petersons gebürtigen Namen nicht mochte.) Hardy’s Mimikspiel zu verfolgen, wenn sein Charakter wiederum in seinen Bühnencharakter schlüpft, macht einfach großen Spaß. Darüber hinaus ist sehr spannend zu beobachten, wie man selbst die Handlungen Bronsons für sich und den erwarteten weiteren Verlauf des Films beurteilt. Denn bis zum Ende gelingt es nicht, Bronsons nächsten Schritt vorauszusehen, obgleich dieser von einem extrem rohen Pragmatismus geprägt ist, und sich durchaus ein Schema erkennen lässt. Da sich jedoch vermutlich die wenigsten Menschen darauf verstehen, sich in derartige Verhaltensmuster hineinzudenken (was sicherlich auch sehr gut ist), bleibt dieser Charakter und damit einhergehend auch der gesamte Film für viele Zuschauer wirr oder auch ungreifbar.

Dennoch möchte ich es jedem, der diesen Film noch nicht gesehen hat, nahelegen, dies bei Zeiten zu ändern und hinterher vielleicht kurz darüber nachzudenken, wo der Film überall mit der eigenen Erwartungshaltung, den Erzählstrang betreffend, gebrochen hat, und ob das dem Film wirklich schadet und ihm nicht doch vielleicht sogar eine gewisse Einzigartigkeit verleiht, die man bei gänzlich konstruierten Erzählungen im Gegensatz zu einem Biopic, wie es Bronson eins ist, oftmals vergeblich sucht.


Weitere Filme von Nicolas Winding Refn

  • Pusher (1996)
  • Bleeder (1999)
  • Fear X (2003)
  • Pusher II (2004)
  • Pusher III (2005)
  • Bronson (2008)
  • Walhalla Rising (2009)
  • Drive (2011)
  • Only God Forgives (2012)
  • The Neon Demon (2016)
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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Schön, dass Du über den Film schreibst. „Bronson“ ist einer meiner Lieblingsfilme mit einem fantastischen Tom Hardy.

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    1. 'JOHNNIE'DONNIE' sagt:

      Seh ich genauso! Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!

      Gefällt mir

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