Streitgespräch: Ist Johnny Depp noch relevant?

Niklas: Macht sich Johnny nur noch zum Depp? Sein naiver Charme und sein komödiantisches Talent, welches er in seiner Paraderolle als Captain Jack Sparrow in der „Fluch der Karibik“-Trilogie am wirkungsvollsten zu Geltung brachte, haben ihn zum Publikumsmagneten gemacht. Gleichzeitig hat er sich aber auch dadurch auf die Rolle der Ulknudel festgelegt. Ist Depps Stern gesunken, muss er sich neu erfinden oder soll er so weitermachen wie bisher?

Staffan: Seien wir doch mal ehrlich, Johnny Depp hat’s einfach nicht mehr drauf. Man kann sich ja einfach mal seine letzten Filme ansehen. „Mortdecai“ war eine lahme Komödie, die niemanden interessiert hat. „Into the Woods“ war ein Klischee bedienendes Musical ohne eigenen Einfälle. „Transcendence“ und „Lone Ranger“ wollten mit einer starken Johnny-Depp-Performance punkten und sind gnadenlos auf die Fresse gefallen. Der letzte gute Film von Depp ist meiner Meinung nach mit „Charlie und die Schokoladenfabrik“ zehn Jahre her und selbst da gab es sehr viele kritische Stimmen. Schauspielern kann er vielleicht noch, aber das Niveau eines Films kann er auf keinen Fall anheben, wie man an den letzten Jahren gesehen hat.

John: „Johnny Depp hat’s einfach nicht mehr drauf“, schon ein sehr krasser Vorwurf. Wobei ich gerne näher auf dein „nicht mehr“ eingehen möchte, da dieses ja impliziert, dass du mit älteren Johnny Depp Auftritten sehr wohl etwas anfangen konntest. Dass man die letzten Jahre mehrfach auf’s falsche Pferd gesetzt hat, als man Johnny Depp’s sehr eigene, teilweise exzentrische Art zum Mittelpunkt des Filme macht („Mortdecai“ lässt sich wirklich nicht ansehen), kann ich voll unterschreiben. Deswegen finde ich den Vorwurf, er hätte es nicht mehr drauf, aber nicht haltbar. Dafür gibt es zu viele gute Filme („Gilbert Grape“, „Fear And Lothing In Las Vegas“, „Dead Man“, uvm.), an denen man sein schauspielerisches Geschick festmachen kann. So etwas geht einem nicht verloren. Vielleicht lässt sich sagen, dass er die letzten Jahre nicht die besten Filmentscheidungen getroffen hat, jedoch würde ich das eher den Regisseuren zum Vorwurf machen, die „Fluch der Karibik“-Attitüde bis zum letzten auszureizen und als Garant für gute Unterhaltung zu verstehen.

Staffan: Natürlich ist Johnny Depp noch ein sehr guter Schauspieler und ich stelle auch nicht seine alten Filme infrage. „Selbe Hollow“ ist immerhin einer meiner absoluten Lieblingsfilme, auch wenn Depp da nicht das Hauptargument ist. Aber er macht es sich inzwischen echt leicht. Es wirkt nicht mehr so, als würde Johnny Depp eine Rolle spielen, sonder eher so, als würde Johnny Depp sich selbst spielen mit unterschiedlicher Maske. „Fluch der Karibik“, „Alice im Wunderland“, „Lone Ranger“ und „Dark Shadows“ haben alle dieselbe Figur: Johnny Depp halt. Und da kann man auch nicht den Produzenten oder Regisseuren die Schuld geben. Ein Schauspieler wie Depp kann sich seine Rollen sehr wohl aussuchen und selbst interpretieren. Da finde ich es doch sehr faul, sie immer auf dieselbe Art und Weise zu interpretieren.

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