Kritik: Fürst der Dämonen

Seitdem die Amerikaner herausgefunden haben, dass sich historisch angehauchte Stoffe mit Slapstick, viel Action und noch mehr Effekten kombinieren lassen, sind jetzt scheinbar auch die Russen auf den Zug aufgesprungen. Der neue russisch-ukrainische Dark-Fantasy-Film nennt sich „Fürst der Dämonen“ und wirbt damit, sich an der Horrorkurzgeschichte „Der Wij“ des Schriftstellers Nikolai Gogol zu orientieren. Allerdings werden nur wenige Elemente der Vorlage aufgegriffen.

Die Rahmenhandlung findet im 18 Jahrhundert in der Ukraine statt. Der englische Kartograph Jonathan Green (basierend auf dem französischen Kartograph De Beauplan)  möchte auf seinen Reisen die Technik der Kartographie revolutionieren und verirrt sich dabei in ein kleines ukrainisches Dorf im Wald.

Ab hier wird die Handlung wenn man nicht genügend aufpasst, schnell unüberschaubar. Der Reisende erfährt nämlich aus verschiedenen Quellen, die Geschichte eines Theologiestudenten, der den Auftrag erhalten hatte in der Kirche der Siedlung den Leichnam der ertrunkenen Tochter eines einflussreichen Dorfbewohners drei Nächte lang zu bewachen.

Die einzelnen Versionen dieser Geschichte, mit Motiven von Gogol, werden in Flashbacks gezeigt, entsprechen jedoch nicht alle oder nur zum Teil der Realität, was sich erst im Verlauf der Handlung beim aufmerksamen Betrachten herauskristallisiert. Die wirre Erzählstruktur des Films macht es jedoch selbst dem geneigten Zuschauer nicht immer einfach. Daher wirkt die Auflösung am Schluss nach all den vielen Wendungen so ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Das einzige was den Zuschauer an dem überladenen Genre Crossover noch unterhalten kann, sind die darstellerische Leistung und die Effekte von denen es nur so hagelt. Allerdings ist das verwendete CGI recht unterdurchschnittlich. Es gibt jedoch eine Szene, die durch ihre visuelle Umsetzung besticht, da eine Reihe verschiedener, wirklich gelungener Praktischer-Effekte in Kombination mit CGI eingesetzt wurde. Leider gliedert sie sich, wie viele andere Szenen nicht gut in die Handlung ein. Vielleicht sollte das Geschehen den Zwiespalt zwischen der wissenschaftlichen Logik des Kartographen und dem Aberglauben der Dorfbewohner verdeutlichen. Ein Tipp: Zu sehen sind die Ukrainer bei ihrem abendlichen Gelage und es überschneiden sich häufig, wie im gesamten Film, Komik und Horror.

Durch dieses Stilmittel und durch sein Design erinnert der Film stark an Filme wie „Sleepy Hollow“, „Pakt der Wölfe“ und „Brothers Grimm“ wobei die Gags teilweise recht derb sind. Grund dafür könnte die russische Auffassung von Humor sein. Hierbei will ich mich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, weil ich bis jetzt zu wenige russische bzw. ukrainische Produktionen gesehen habe. Die Leistung der Schauspieler ist solide, wenngleich auch nicht herausragend. Unter anderem konnte der britische Schauspieler Charles Dance für die Rolle des  Lord Dudley gewonnen werden. Die Kostüme können sich auch sehen lassen.

Ich kann nicht behaupten, dass mich der Film nicht unterhalten hätte. Seine Ausstattung, der düstere Look und die Grundidee haben mir sehr gut gefallen. Für mich war „Fürst der Dämonen“ schon alleine wegen der Tisch-Szene sehenswert. Dennoch kann ich ihn auf Grund der chaotischen Aneinanderreihungen von Ereignissen selbst an Fans des Dark-Fantasy-Genres nicht unbedingt weiter empfehlen.

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