Kritik: Moonrise Kingdom

Vor einiger Zeit habe ich mal in einem Artikel davon gesprochen, dass es wenige Regisseure gibt, die nur gute Filme gedreht haben. Da habe ich Namen wie Christopher Nolan und Edgar Wright genannt, auch wenn ich von beiden nicht alle Filme gesehen habe. Ebenso verhält es sich bei Wes Anderson. Seine Filmografie habe ich bei Weitem nicht komplett gesehen, jedoch konnte mich bislang jeder Film überzeugen. So auch Moonrise Kingdom, über den ich heute schreiben werde.

In den Sechziger Jahren schreiben sich die beiden 12-jährigen Kinder Suzy (Kara Hayward) und Sam (Jared Gilman) Briefe und beschließen, da sie in ihrer jeweiligen Welt gemobbt werden, zu fliehen. Das passt, da Sam mit seiner Pfadfindergruppe und dessen Chef (Edward Norton) auf die Insel kommt, auf der Suzy lebt. So treffen sich die beiden, fliehen und entwickeln eine unschuldige Liebe, die immer wieder durch den Inselpolizisten (Bruce Willis) und Suzys Eltern (Bill Murray und Frances McDormand) daran gehindert wird, sich zu entfalten.

Wenn man über einen Film von Wes Anderson spricht, muss man immer den Stil nennen. Der ist auch hier typisch eigentümlich. Viele Szenen wirken nicht wie ein heutiger Film, sondern wie aus den Sechziger Jahren mit heutiger Technik. Das ganze ist schwer zu erklären und ebenso wie die Musik gewöhnungsbedürftig. Und selbst wenn man sich daran gewöhnt hat, werden viele den Stil nicht mögen. Dafür ist er zu anders und zu ungewohnt. Wenn man es mag, dann kann man wirklich Freude an dem Film haben.

Ebenso ungewohnt ist auch der Humor, der hier gelebt wird. Auch wenn „Moonrise Kingdom“ als Komödie klassifiziert wird, ist er doch teilweise sehr ernst. Dabei wechseln sich lustige und traurige Szenen so schnell ab, dass man im einen Moment noch lacht, während einem eine Sekunde später das Lachen im Hals feststeckt. Das ist mutig, geht meiner Meinung nach aber völlig auf. Besonders wenn es um die Beziehung von Suzys Eltern geht, driftet der Film so sehr in die Melancholie und Trauer ab, dass es kaum auszuhalten ist. Schafft man es aber durch diese Szenen, so wird man wieder mit einer tollen Naturaufnahme oder einer witzigen Szene belohnt.

Wenn man sich den Cast anschaut, muss man jetzt von mir keine Meinung zu den Erwachsenen Darstellern hören. Die sind bereits bekannt und auch hier wieder super. Auch Tilda Swinton, Harvey Keitel und Jason Schwartzman in Anderson-typischen Nebenrollen spielen hervorragend. Aber besonders müssen natürlich Hayward und Gilman genannt werden, die hier ihre Figuren dermaßen sympathisch und überzeugend spielen, dass man kaum glauben würde, dass das ihr erster Film war. Normalerweise kann ich Kinder in Filmen nicht ab, aber hier funktioniert es einfach und das liegt hauptsächlich an der tollen darstellerischen Leistung.

Moonrise Kingdom ist schwer zu beschreiben. Im Gegensatz zu „Grand Budapest Hotel“ ist er doch wesentlich ernster, aber gleichzeitig auch nostalgischer. Jeder kennt doch in seinem Leben eine Zeit als Kind, wo man die erste Liebe durchlebt hat. Das fängt der Film perfekt ein und zusammen mit den Darstellern ergibt das einen rundum gelungenen Film, der vielleicht ein paar Längen hat, insgesamt aber sehr gut ist. Abschließend muss ich aber nochmal fragen: „What kind of bird are you?“

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. „Moonrise Kingdom“ war der erste Streifen von Wes Anderson den ich geschaut habe, und ist bis heute mein liebster. So wunderbar romantisch, komisch und verspielt. Ein naiver und doch gehaltvoller Traum von einem Film.

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