Streitgespräch: Braucht man die Oscars noch?

Niklas: Jedes Jahr aufs Neue werden ja die Academy Awards, auch Oscars genannt, verliehen. Das ist immer ein großer Aufwand und eine große Show. Doch sind die Oscars wirklich noch notwendig? Gibt es nicht schon eine viel zu große Diskrepanz zwischen erfolgreichen und künstlerisch anspruchsvollen Filmen? Staffan und John versuchen nun in ihrer Diskussion die Antwort zu finden.

Staffan: Meiner Meinung nach brauchen wir die Oscars. Dabei geht es mir aber nicht grundsätzlich darum, dass gute Filme unbedingt diesen Preis brauchen, sondern eher darum, die Filme zu würdigen, die sich nicht den Genrekonventionen beugen. Letztes Jahr war da ein gutes Beispiel: Da waren „Birdman“ und „Whiplash“ die großen Gewinner und das zurecht. Während „Birdman“ ohne (sichtbaren) Schnitt ausgekommen ist, hat „Whiplash“ die beste Nutzung von Musik, die ich je gesehen habe. Beide Filme hätte ich nie gesehen, wenn sie nicht geehrt worden wären. Das muss ich den Oscars hoch anrechnen. Allein dafür brauchen wir die Academy Awards noch.

John: Ich bin mir ziemlich sicher, dass du „Birdman“ auch ohne Oscarehrungen gesehen hättest, schließlich erfährt man von den meisten Filmen, die man sich so ansieht, auch nicht durch etwaige überinszenierten Preisverleihungen, sondern legt sein Vertrauen in die Worte von Freunden oder bekannter Filmkritik-Plattformen. Um das einmal grundsätzlich zu klären: Eine Ehrung der Beteiligten kann ich nur befürworten. Jedoch würde es der Veranstaltung besser stehen, wenn die Bewertungsgrundlagen offener ausgelegt wären und es eine Beteiligung des Publikums gäbe. Und hierbei spreche ich nicht von den Umsätzen, die ein Film erbracht hat, nein, es sollte ein gewisser Prozentsatz der Wertung von Unabhängigen erfolgen, und auch die Liste der Nominierten sollte vergrößert werden. So wäre ein Schritt dahingehend getan, dass nicht in sämtlichen Kategorien bereits vor der Verleihung klar ist, wen wir auf der großen Bühne sehen werden.

Staffan: Also der Überraschungseffekt ist meiner Meinung nach schon vorhanden. Sicher gibt es immer Favoriten, aber man ist sich nie hundertprozentig sicher, dass jemand in einer Kategorie gewinnt. Letztes Jahr meinten ja alle, das „Boyhood“ abräumen würde. Da ist schon eine gewisse Spannung immer dabei. Bei der Transparenz der ganzen Geschichte muss ich dir aber Recht geben. Es gibt wirklich sehr oft Entscheidungen, die nur wegen der „Wichtigkeit“ eines Films fallen. Da sagen selbst Jury-Mitglieder, dass sie nicht jeden Film gesehen haben. Da sollte man wirklich eine kleine Revolution starten. Andererseits gibt es für die Öffentlichkeit ja Portale wie IMdB oder Rottentomatoes. Natürlich sind das keine großen Preise, aber meiner Meinung nach vielleicht sogar wichtiger.

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