Kritik: Waltz with Bashir

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Kritik schreiben soll, zu brisant ist das Thema und zu wenig weiß ich darüber. Doch alleine dafür, Leuten den Film näher zu bringen, habe ich mich doch dafür entschieden. Der Knackpunkt dabei ist das Thema: Der Libanon-Krieg ist zweifellos ein schreckliches Ereignis gewesen, jedoch geschah er vor meiner Zeit und bis heute hatte ich kein großes Interesse, mich in der Hinsicht zu informieren, bis heute. Denn Waltz with Bashir schafft es, in mir dieses Interesse zu entfachen und mir gleichzeitig das Gefühl zu geben, die Essenz des Krieges bereits zu verstanden haben. Doch fangen wir von vorne an.

der größte Unterschied zwischen „Waltz with Bashir“ und Kriegsfilmen im Allgemeinen ist die Art der Präsentation. Hier handelt es sich nämlich um einen Animationsfilm, der gleichzeitig als Dokumentation aufgemacht ist. Dieser Mix, den man so wahrscheinlich noch nie gesehen hat, funktioniert perfekt. Erzählt wird dabei aus der Sicht des Regisseurs Ari Folman, der jegliche Erinnerung aus der Zeit des Krieges verdrängt hat. Mit seinen 19 Jahren war er beim Massaker von Sabra und Schatila dabei, weiß jedoch nur noch durch eine Traumsequenz davon. Während des Films versucht er nun, mithilfe von Kameraden und Experten, seine Erinnerung zurück zu erhalten und diese dem Zuschauer darzustellen.

In den letzten Jahren gab es ja so viele „wichtige“ Filme. „12 Years a Slave“ war sehr wichtig und „Serena“ war es auch auf jeden Fall. Beide Filme haben Episoden der Geschichte gezeigt, auf die man nicht stolz sein darf: Die Sklaverei in Amerika und die Unterdrückung der Schwarzen. Aufgrund ihrer Thematik müssen die Filme natürlich sehr wichtig sein, aber abgesehen davon haben sie nicht viel zu bieten. „12 Years a Slave“ zeigt natürlich schonungslos die Gewalt und Brutalität, aber das wusste man bereits. Da ist es nicht wirklich so einen Film zu drehen. Mutig ist es hingegen, einen autobiografischen Film zu drehen, in dem man als Kriegsteilnehmer zu sehen ist und gleichzeitig nicht einmal seine eigene Schuld verneint. Allein deswegen ist für mich „Waltz with Bashir“ mindestens doppelt so wichtig wie die beiden anderen genannten Filme.

Und genauso wichtig ist das Thema. So wie es präsentiert wird (wie gesagt, ich bin unwissend in den Film gegangen), hat der Krieg einiges in den Ländern nachhaltig zerstört und bis heute dauern ja die Konflikte noch an. Doch auf Schuld und Unschuld wird hier kaum eingegangen, es gibt nur eine klare Botschaft: Kriege kann und darf es nicht geben. Dabei gibt es natürlich auch Szenen des Krieges, sie sind allerdings nicht so in Szene gesetzt und so glorifizierend, wie man sie doch öfter in Hollywood-FIlmen sieht. Im Krieg gibt es keine Helden, es gibt nur Opfer. Und verbunden mit der Zeichentrick-Optik wird es hier nochmals deutlicher. Alles wirkt traumhaft, es kann einfach nicht real sein. Doch wenn der Film dann mit dem Massaker endet und die schrecklichen Bilder real zeigt, wirken die Szenen nur umso heftiger und nachhaltiger.

Bevor ich mich jetzt mit meiner Unwissenheit um Kopf und Kragen schreibe, möchte ich die Kritik hier beenden. Waltz with Bashir ist das, was ich mir von den so „wichtigen“ Filmen in Hollywood wünschen würde. Man kann ernste Themen mit Kreativität und einem gelungenen Kniff auch so präsentieren, dass man gleichzeitig unterhalten und schockiert ist. Das hat der Film ohne Frage geschafft. Und genauso hat er es geschafft, mein Interesse an dem Film zu wecken, was jedoch auch daran liegt, dass der Film schon Vorwissen voraussetzt. Das ist auch die größte Kritik. Ich werde mich jetzt etwas einlesen und dem Film dann nochmals sichten. An meiner Grundaussage wird sicher aber auch nichts mehr ändern: Unbedingt anschauen!!8


Cast

  • Regisseur: Ari Folman
  • Drehbuch: Ari Folman

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 8,5/10

9


Die Filme von Ari Folman

  • Clara Hakedosha (1996)
  • Made in Israel (2001)
  • Waltz with Bashir (2008)
  • The Congress (2013)
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