Gedanken der Woche: Cliffhanger oder wie viel Spannung hält man aus?

Anfang der Woche ist das große Staffelfinale von „The Walking Dead“ erschienen und viele Fans waren sauer. Das Ende hat nun wohl einen der größten Cliffhanger aller Zeiten geschaffen und damit viele Zuschauer verärgert. Das hat mich zu der Frage geführt, was ich eigentlich von diesem filmischen Mittel halte und wann es doch etwas zu viel ist. Dafür werde ich wohl auf einige prominente Beispiele eingehen, sowohl aus Filmen oder auch Serien. Natürlich warne ich aber vorab, also keine Angst beim Lesen!  Doch vorab schauen wir uns doch einfach mal die Geschichte des Cliffhangers an und wo es alles angefangen hat.

Übersetzt bedeutet Cliffhanger ja Klippenhänger und genau das ist auch der Ursprung des Wortes. Bereits 1873 wurde die Praktik des offenen Ausgangs eines Films oder eines Buches genutzt. Damals erschien der Roman „A Pair of Blue Eyes“ von Thomas Hardy, an dessen Ende der Hauptdarsteller eine Klippe hinunterfällt und sich nur noch an einem Büschel Gras festhalten kann. Ob er es schafft, sich zu retten, mussten die Leser erst im folgenden Roman nachlesen. Diese Idee wurde daraufhin immer weiter aufgebaut, bis hin zu Kurzfilmen im Kino, deren Ausgang die Zuschauer eine Woche später im Kino sehen müssen, egal welcher Hauptfilm läuft. Heute sind es vor allem Serien, die damit die Zuschauer an sich binden wollen, doch auch Filme nutzen das Mittel inzwischen.

Eines muss man vor erst einmal sagen: Das Prinzip funktioniert glänzend. Serien sind beliebt wie nie und Filmreihen brechen alljährlich neue Zuschauerrekorde. Das wurde sogar wissenschaftlich belegt. Laut einer Studie aus den 1920er Jahren erinnern sich Menschen besser an unterbrochene Handlungen als an vollendete. Dieser nach Zeigarnik benannte Effekt beschert uns nun so tolle Enden, die zwar zu Diskussionen anregen, aber gleichzeitig mindestens genauso viele Hasser hervorrufen, bestes Beispiel dafür ist das kürzliche Staffelfinale von „The Walking Dead“, welches ich im folgenden Absatz bespreche – Spoilerwarnung!

In dem angesprochenen Finale zählt der Bösewicht Negan (Jeffrey Dean Morgan) die Hauptdarsteller ab, um zu entscheiden, welchen von ihnen er zu Tode prügelt. In dem Moment, in dem er seine Wahl trifft, wechselt die Ansicht zur der Sicht des Sterbenden. Man sieht durch seine Augen, wie er zu Tode geprügelt wird. Das ist an sich eine nette Idee und auch gut umgesetzt, allerdings hat sie einen Nachteil, man weiß nicht, wer gestorben ist. Und in diesem Fall ist das besonders ärgerlich. Seit Beginn der Staffel wurde auf diesen Moment hingearbeitet, jeder wusste, dass eine Hauptperson sterben muss. Es gab unzählige Diskussionen, die nun weiter gehen müssen. Das hätten sich die Macher wirklich sparen können. Anstatt Diskussionen zu entfachen, hat man sie nur verlängert, da sie ja schon längst da waren.

Das führt mich dann auch zu einem der tollen Aspekte von Cliffhanger. Sie führen unweigerlich zu Diskussionen, die unglaublich viel Spaß machen können. Bestes Beispiel dafür ist das Ende der zweiten Staffel „Sherlock“. Ich habe alleine mehrere Stunden in Foren verbracht, um mit anderen Fans Theorien über das Ende aufzustellen. Das war nicht nur spannend, sondern hat auch unfassbar Spaß gemacht. Weitere tolle Beispiele sind so gut wie alle Staffelenden von „Game of Thrones“. Andererseits ist es auch ein fauler Weg, eine Handlung noch einmal voranzutreiben. Das Ende von „Bloodline“ ist das unmotivierteste hingeklatschte Ende, was ich je gesehen habe und hat mich eher abgeschreckt, als mich für die zweite Staffel zu interessieren.

Abschließend muss ich ehrlich sagen: Ich liebe Cliffhanger. Ich liebe die Diskussionen und die entstehende Spannung. Aber man muss es auch gut machen. Einen unnötigen Cliffhanger wie bei „The Walking Dead“ oder einen Cliffhanger des Cliffhangers wegen in „Bloodline“ sollte man nicht machen. Ich habe bei beiden Serien oft genug gelesen, dass man gerade deswegen nicht weiterschauen wird. Bei „The Walking Dead“ ist die Geschichte an sich interessant genug und bei „Bloodline“ war sie um Grunde zu Ende erzählt. In solchen Fällen brauch es den Cliffhanger nicht. Doch Serien wie „Sherlock“, „Game of Thrones“ und „Breaking Bad“ haben oft genug gezeigt, dass man durchaus davon profitieren kann.

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. ivonni21 sagt:

    Bei Sherlock kann ich mitreden. Der Cliffhanger war toll. Wie geht es weiter? Jedoch macht die Qualität eines Cliffhangers auch immer dessen Auflösung aus. Und die war bei Sherlock nicht so befriedigend. Und das sage ich als Fan. Wo wir gerade dabei sind, es gab auch mal einen Film namens Cliffhangers ☺

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    1. Staffmann sagt:

      Bei „Sherlock“ ging es mir bei dem Cliffhanger mehr um das Rätseln. Das hat einfach superviel Spaß gemacht, zu lesen, was die Leute so denken. Und die Auflösung fand ich auch toll. Ist doch eine schöne Idee, das ganz nicht aufzulösen, sondern den Fan auflaufen zu lassen. Ich fand das gut. Und was den Film angeht: Ja ich weiß, aber der passt ja nicht ganz zum Thema 😉

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  2. ivonni21 sagt:

    Das war aber auch irgendwie fies, dass nicht ganz aufgelöst wurde, wie er den Fall überlebt hat. Aber du hast recht, irgendwie machte das auch den Reiz der dritten Staffel aus.

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  3. Wortman sagt:

    Ich widerspreche dir da bei TWD. Gerade weil man jetzt nicht weiß, wer es letztendlich sein wird, der/die als Hauptdarsteller aussteigt, macht die Sache doch richtig spannend. Und es sorgt natürlich dafür, dass der Großteil nächstes Jahr wieder einschaltet 😉
    Stell dir vor, sie hätten gezeigt es wäre Daryl. Er ist einer der Leitfiguren der ganzen Serie mit einer riesigen Fangemeinde. Das gäbe einen großen Einbruch. Ok, der könnte dann auch kommen, sollte er es wirklich sein aber erstmal sitzt alles vor der Glotze.

    Was man mit „zeigen“ anrichten kann, hat man ja bei Star Wars 7 gesehen. Die Schlussszene hätte man sich sparen können. Mir hat das – neben der eigentlichen Filmhandlung – die Lust verdorben, überhaupt noch einen Blick in SW8 zu werfen…

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    1. Staffmann sagt:

      Vom wirtschaftlichen her war das natürlich gut für „The Walking Dead“. Allerdings hätten sie es dann anders erzählen können. Was mich daran stört, ist ja die Tatsache, dass jeder wusste, dass die Szene kommen wird. Jeder wusste, dass die Staffel so enden wird, die Frage war halt nur, wer sterben würde. Und genau dieses Ratespiel noch auf die nächste Staffel zu verschieben, finde ich blöd. Da hätte man sich einen anderen Cliffhanger ausdenken können, z.B. mit einer neuen Figur oder Location, wie sie es schon am Ende der zweiten Staffel gemacht haben.

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      1. Wortman sagt:

        Ok… ich kann dich schon verstehen aber wie gesagt, ich persönlich finde das Finale (wie auch einige meiner Leute) echt geil gemacht.

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  4. tarlucy sagt:

    Den Spoiler hab ich natürlich ausgelassen, da ich noch nicht so weit bin :-
    )….Cliffhanger sind schon klasse….aber die Wartezeiten bis es neue Folgen gibt, die ihn dann auflösen…das ist es was es so ärgerlich macht….Wir haben z. B. bei GoT solange gewartet, dass ich vergessen habe, dass wir die 4. Staffel schon abgeschlossen hatten…hahahaha

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