Gedanken der Woche: Der Bechdel-Test

Die Diskussion um das Frauenbild in Hollywood ist ja nichts neues. Immer wieder kommt Kritik daran auf, wie die Frauen in den Filmen dargestellt werden. Doch leider kann man das zwar subjektiv behaupten, eine objektive Einschätzung dazu gibt es aber nicht. Die Autorin Alison Bechdel hat es dennoch versucht und 1985 den Bechdel-Test erschaffen, der den Status der Frau in einem Film anhand dreier Kriterien bewertet. Dieser Test ist nicht wissenschaftlich untersucht, sondern reine statistische Spielerei, aber er wird immer herangezogen, wenn man über das Frauenbild spricht. In meinen Gedanken der Woche versuche ich, den Test zu beschreiben, ein paar Beispiele zu geben und zu überlegen, ob der Bechdel-Test wirklich brauchbar ist.


Der Bechdel-Test

Der Test wurde 1985 von Alison Bechdel in ihrem Comic „Bemerkenswerte Lesben“ eingeführt, um das Frauenbild in einem Film zu beschreiben. Er geht dabei nach drei verschiedenen Kriterien vor:

  1. Gibt es mindestens zwei Frauenrollen?
  2. Sprechen sie miteinander?
  3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

Ein Beispiel für einen Film, der diesen Test besteht, ist nicht sofort gefunden. Nach einigem Nachdenken bin ich aber auf „Carol“ gekommen. In dem Drama um eine lesbische Beziehung kommt es unweigerlich zum Dialog zweier Frauen, die auch nicht über einen Mann sprechen. Dennoch ist es ziemlich schwer, so einen Film überhaupt zu finden, besonders, weil die Liste der Filme, die den Test nicht erfüllen, noch viel länger ist. So erfüllen besonders die großen Blockbuster wie „The Dark Knight Rises“, „The Avengers“ oder auch „Hail, Caesar!“ den Test nicht. Und das ist eigentlich das Erschreckende.

An sich macht der Test ja Sinn, allerdings hat er auch Schwächen. So erfüllt zum Beispiel „The Dark Knight“ den Test, aber auch nur durch einen kurzen Dialog zwischen Gordons Frau und einer Polizisten, die vom Bösewicht unter Waffengewalt dazu gezwungen wird. Insofern ist das eigentlich nicht mal ein Dialog zwischen Frauen. Außer der Unterscheidung des Dialogs zwischen einem Dialog über Männer und einem Dialog nicht über Männer gibt es keine andere Unterscheidung. Deshalb wäre der Test auch erfüllt, wenn sich zwei Frauen nur übers Schminken unterhalten würden. Und das trägt auch nicht gerade zu einem emanzipierten Frauenbild in Hollywood bei. Außerdem erfüllt zum Beispiel „Gravity“ den Test nicht, obwohl es um eine Frau geht, die versucht, sich zu retten. Auch hier greifen die Kriterien nicht wirklich.

Besonders die Kritiken an dem Bechdel-Test zeigen, dass es keine geeignete Möglichkeit gibt, das Frauenbild in Hollywood objektiv zu beschreiben. Das sollte meiner Meinung nach aber auch nicht das Ziel sein. Vielmehr bietet der Test einen Denkanstoß, der zweifelsfrei notwendig ist. Das Frauenbild ist auf jeden Fall nicht optimal und man sollte sich darüber Gedanken machen. Dafür ist der Test geeignet, aber einen Film an den Pranger zu stellen, weil er den Test erfüllt hat oder nicht, ist sicherlich der falsche Weg. Und falls man glaubt, der Test ist nun wirklich nichts wert, der kann sich dann doch trotzdem über einige nette, statistische Spielereihen freuen.

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. shalimamoon sagt:

    Das Frauen oft zu kleine Rollen bzw. zu standarisierte Rollen haben, wurde ja schon oft diskutiert. Aber selbst, wenn Frauen herausragende Rollen spielen, wie erst letztes Jahr in Sicario oder Mad Max Fury Road, dann passt der Bechdel-Test nicht immer. Also wichtige Grundsatzfrage, falsche Herangehensweise, so wie du es auch schon beschreibst

    Gefällt 3 Personen

  2. hurzfilm sagt:

    Ich sehe das wesentlich kritischer als du. Der Bechdel-Test ist IMHO nicht einmal von begrenztem Wert, sondern sogar großer, in die Irre führender Unfug.

    Das lässt sich eindrücklich durch typologisch entgegengesetzte Beispiele belegen. Man wählt dazu am besten Beispiele, in denen die Frauenrollen ad hoc gut einzuordnen sind und bei denen über die Einordnung weitgehender Konsens besteht. Ich nehme dazu jetzt mal diese zwei:

    ALIEN 3, mit Sigourney Weaver in ihrer legendären Rolle als Lt. Ripley, fällt beim Bechdel-Test mit Ach und Krach (0 Punkte) durch. Geht nicht anders, da es im ganzen Film plotbedingt nur eine einzige Frauenrolle gibt.

    wohingegen

    SEX IN THE CITY: THE MOVIE den Bechdel-Test mit Bravur (3 Punkte) besteht. Nicht nur gibt es genügend Frauen, die ständig miteinander quatschen, sie unterhalten sich auch noch über andere Dinge als Männer. Nämlich Klamotten und Schuhe.

    Es geht natürlich auch abstrakt: Der Bechdel-Test ist allgemein unsinnig, weil er auf einem logischen Fehlschluss basiert: Im ersten Schritt identifiziert man ein bestimmtes Rollenbild und stellt fest, mit welchen Bedingungen es einher geht. Im zweiten Schritt (der eigentliche Test) dreht man das Ganze um, und unterstellt bei Zutreffen dieser Bedingungen das entsprechende Rollenbild.

    So eine Umkehrung ist nach den Gesetzen der Logik nicht zulässig. Ein einfacheres Beispiel dazu: Es kann nur regnen, wenn die Bedingung „Wolken am Himmel“ wahr ist. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es bei Wahrheit der Bedingung „Wolken am Himmel“ auch regnet. Im englischen Sprachraum hat dieser Fehlschluss den Namen „Affirming the consequent: https://en.wikipedia.org/wiki/Affirming_the_consequent

    (Fun Fact: Frau Bechdel selbst behauptete in einem Interview doch glatt, Sex and the City würde den Bechdel-Test nicht bestehen. Kann sie natürlich behaupten, aber die Testkriterien und Dialoge des Films sind bekannt. Mir fällt dazu ein: „If you find yourself in a hole, stop digging.“…)

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  3. franziska-t sagt:

    Es gibt inzwischen auch erweiterte Formen des Bechdel-Tests. Die feministische US-Kritikerin Maryann Johanson hat einen ganzen Fragenkatalog entworfen (http://www.flickfilosopher.com/2016/04/where-are-the-women-rating-criteria.html) nach denen sie Punkte vergibt bzw. abzieht. Nach ihrer Punktevergabe waren INSURGENT, HUNGER GAMES und SPY die besten drei Filme im Jahr 2015. EX MACHINA, THE TRANSPORTER REFULED und SCOUTS VS. ZOMBIES landeten dagegen auf den letzten Plätzen.

    Ich finde, solche Tests/Listen können allenfalls eine Orientierung geben, nie aber etwas über die Qualität des Films aussagen. Nur weil wenig Frauen im Film vorkommen, heißt das nicht, dass der Film schlecht ist. Auf EX MACHINA lasse ich nichts kommen. Der Film ist toll. Sage ich als Frau. Was nicht heißen soll, dass ich mich nicht über mehr starke Frauenrollen im Kino freuen würde.

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    1. Staffmann sagt:

      Ah, das wusste ich zum Beispiel gar nicht. Ging mir ja auch mehr um die Diskussion und wie schwierig diese ist. Zuletzt habe ich auch eine Seite gesehen, die den Dialog weiblicher Figuren in einem Film prozentual angezeigt hat. Das war auch aufschlussreich, weil dort logischerweise Filme wie „Gravity“ und „Hunger Games“ relativ weit oben landen.

      Gefällt 1 Person

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