Lieblingsszenen #2 – Game of Thrones, Schlacht um Winterfell

Damals im Jahre 1996, als viele von uns erst gelernt haben, dass man Filme nicht essen kann und man keine Kekse in den VHS-Recorder steckt, hat sich ein deutscher Verlag die erste Hälfte vom ersten Game of Thrones-Band als Der Herr von Winterfell rauszubringen. Im Nachhinein gesehen, ist da echt viel subtile Pathetik drin, denn da war noch alles heile Welt. Zur Eröffnung eines Universums, was eigentlich schon ganze Geschichtsbücher hinter sich hat, muss man wohl so anfangen – in der heilen Welt. Und was mit Winterfell geschieht wissen wir inzwischen alle.

Die Schlacht in Episode 9 der 6. Staffel ist wohl eine der eindrucksvollsten Massenschlachten der letzten Zeit. Dass der Regisseur der Folge, Miguel Sapochnik, sich nicht auf die Heroismen seiner Action-Film-Vorgänger verlassen hat, hat Platz für etwas Besonderes gemacht. Game of Thrones war ja bekanntlich immer die Show der Anti-Helden seitdem ihr größter Held der sogenannte Herr von Winterfell verstirbt. Die einzige Ausnahme in dem Figuren-Ensemble, das sich durch das gegenseitige Bekriegen bei Laune hält ist Jon Snow.

Der Typ, der ohne nennenswerten Plan zur Schlacht um sein lang verlorenes zuhause geht, dann in die Mitte des Schlachtfelds gallopiert, wo er auf offenen Feld drei Schauer Pfeilregen ausweichen musste, um dann fast von zwei gegeneinander rauschenden Pferdemassen erdrückt zu werden. In der Schlacht um Winterfell wird der Tod haptisch erfahrbar gemacht. Soldaten kriegen ganz unerwartet Pfeile ins Gesicht, werden von Pferden zertrampelt, ein geköpfter Reiter stürzt vom Pferd, auf Menschenbergen geht es nur noch darum sich gegenseitig zu erstechen. Jon Snow ist kein Mörder, aber wird zum Mörder gemacht und das Leid unschuldiges Leben zu beenden, zieht sich in die Tiefe seines Gesichts. Für ihn sind Soldaten keine abstrakte Währung zum Kriegeschlagen, sondern Menschen, die er Brüder nennt und für dessen Leben er verantwortlich ist.

Die Klaustrophobie der Schlacht spiegelt den Kampf um die Existenz wider, den fast alle Völkerschaften der Serie erleiden. Das größenwahnsinnige Königreich auf der viel zu kleinen Insel, die am liebsten in ganz viele kleinere Inseln aufgeteilt werden sollte, erträgt all die Opfer noch immer. Die Wildlings müssen schnell genug rennen, um den Personifizierungen des Tods zu entkommen, treffen aber im Kampf auf nichts anderes.

Während das Action-Kino typischerweise Krieg glorifiziert, in seinen letzten Szenen aber oft heuchlerisch den Frieden auf den Thron setzt, die bekannten Vertreter des Genres wie Dr. Strangelove oder Waltz with Bashir gegen einen bestimmten Krieg und daher schwer zu verallgemeinern sind, schafft es die Schlacht um Winterfell wie Apocalypse Now eine Gegenposition zum Krieg als Abstraktum zu formulieren, was für das Fantasy- und Mittelaltersetting wirklich einmalig ist. In den nächsten Staffeln kommt der Tod von Norden und von Süden. Was wohl von der Insel dann noch übrig bleibt?

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