Personal Shopper – Kritik

Kristen Stewart auf Höchstniveau

Personal Shopper ist ein Film, dessen Geschehen fast gänzlich uninteressant ist. Was ihn dennoch sehenswert macht: Kristen Stewart (ganz ohne Schwärmerei, vor diesem Film war ich wirklich kein Fan von ihr). Erstmal zum Unwichtigen: in diesem Film laufen zwei Handlungen parallel. Einerseits spielt Kristen Steward als Maureen ein trauerndes Geistermedium, was sich ein Zeichen ihres verstorbenen Bruders erhofft und ihre Zeit in Paris mit solchen Anstrengungen verstreichen lässt. Andererseits ist Maureen ebenfalls die persönliche Assistentin eines internationalen Modells, muss für sie häufig diejenigen Kleider einkaufen, die sie gern selbst tragen würde. Sie besucht also das ehemalige Haus ihres Bruders, um auf Zeichen aus dem Jenseits zu warten, muss hier und da Einkäufe erledigen und bekommt plötzlich auf ganz mysteriöse Weise Handy-Nachrichten von einer unbekannten Person.

Mehr zur Handlung gibt es eigentlich nicht zu wissen, außer, dass es auch die paar Twists den Film als Ganzes nicht spannender oder interessanter machen, als er meiner kurzen Beschreibung klingt. Wie schön also, dass man sich fast gar keine strapazierenden Gedanken über die Mysterien des Films machen muss und wie schön ebenfalls, dass der Erzählfluss bis auf einige Szenen ziemlich langsam bleibt.

Denn wer Kristen Stewarts abwesenden Blick und ihr Non-Acting in der Twilight-Reihe bemängelt hat, wird überrascht sein, wie viel sie aus sich rausholen kann. Ihre scheinbare Abwesenheit könnte in diesem Fall kaum besser mit ihrer Rolle harmonieren. Immer denkt man, dass sie trotz körperlicher Präsenz in Gedanken immer noch bei ihrem verstorbenen Bruder ist, dass sie irgendetwas immer und immer wieder überdenkt, worüber sie keinen Einfluss hat.

Im Grunde lebt ihre Rolle von den vielen subtilen Kleinigkeiten, denn sie spricht nicht wirklich viel, ist ein introvertierter Charakter und durchweg melancholisch. Die leisen Töne trifft sie unglaublich gut, irgendwie meint man, dass sich Stewart in den alltäglichsten Handlungen viel geschmeidiger, zarter, einfach individueller bewegt als ihre sonstigen Schauspielkollegen. Ihre Figur weiß nicht wirklich, wer sie sein will oder wer sie ist. Sie versucht die Kleider ihrer Chefin an, probiert Methoden anderer Medien aus, um weiterzukommen, doch nirgends kann sie an etwas klammern. Ihr Leben besitzt keinen Halt, weil sie die sie umgebenden Zeichen nicht klären kann. So etwas schauspielerisch punktgenau zu treffen, gebührt größte Anerkennung.

Funktionieren heute noch okkulte Geisterfilme? Personal Shopper geht einen wirklich eigenartigen Weg, indem er die Existenz von Geistern nicht bestreitet. Maureen weiß von der Existenz übernatürlicher Gespenster, nur scheint sie keine zuverlässige Deutungsmethode zu finden. Aus keinem der jenseitigen Zeichen kann sie wirklich etwas machen, die Suche nach ihrem Bruder verhilft dem Medium zu nichts als Unsicherheit. Diese Gefühl der Unsicherheit ist dann auch das schließende Gefühl des Films. Vielleicht ist es neben der Perfomance von Kristen Stewart also diese Geste der Unzulässigkeit, die man einem Geisterfilm im Jahr 2017 abgewinnen kann.

 7


Cast

  • Regisseur: Olivier Assayas
  • Drehbuch: Olivier Assayas

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Kristen Stewart Maureen Cartwright
Lars Eidinger Ingo
Sigrid Bouaziz Lara

Nebendarsteller

  • Anders Danielsen Lie
  • Ty Olwin
  • Hammou Graia
  • Nora von Waldstätten

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,0/10

7


Die Filme von Olivier Assayas

  • Lebenswut (1986)
  • Das Winterkind (1989)
  • Paris erwacht (1991)
  • Ein neues Leben (1993)
  • L’eau froide (1994)
  • Irma Vep (1996)
  • Ende August, Anfang September (1998)
  • Les destinée sentimentales (2000)
  • Demonlover.com (2002)
  • Clean (2004)
  • Paris, je t’aime (2006)
  • Noise (2006)
  • Boarding Gate (2007)
  • Chacun son cinéma (2007)
  • L’heure d’été (2008)
  • Die wilde Zeit (2012)
  • Die Wolken von Sils Maria (2014)
  • Personal Shopper (2016)
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. filmlichter sagt:

    So ging es mir mit Stewart in Assayas‘ „Wolken von Sils Maria“. Das war eigentlich Juliette Binoches Film und Stewart hat ihr ein Stück weit die Schau gestohlen, es war unmöglich die Augen von ihr zu nehmen (und, wie Du sagst, dass hatte nix mit irgendeiner Schwärmerei zu tun). Das sahen wohl auch andere so und sie wurde die erste Amerikanerin, die einen Cesar gewann.

    Hätte mir vor „Wolken“ jemand erzählt, ich würde einmal gespannt sein auf einen Film namens „Personal Shopper“ mit Kristen Stewart in der Hauptrolle hätte ich ihn wohl ausgelacht. 😉

    Gefällt 1 Person

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