American Gods – Staffel 1 – Kritik

American Gods – Style over Substance in Serienform?

Mit Hype ist es ja so eine Sache. Entweder ergibt man sich ihm und freut sich auf einen kommenden Film oder eine kommende Serie oder man wird durch die anhaltende Vorfreude seiner Umwelt erschlagen. So oder so hat Hype aber zumindest bei mir immer den einen Effekt, den ich nicht verhindern kann: Früher oder später muss ich mir das dann doch anschauen. So ist das zuletzt bei American Gods geschehen. Ursprünglich hat mir das alles gar nichts gesagt, dann gab es die ersten positiven Empfehlungen und die Werbung auf nahezu allen Kanälen und plötzlich konnte ich nicht anders, als Amazon anzumachen und reinzuschauen. Ob es sich gelohnt hat, sich dem Hype zu ergeben, oder nicht, erfahrt Ihr nun in meiner Kritik!


Handlung

Als seine Frau Laura überraschend stirbt, wird der Häftling Shadow Moon nach fast dreijähriger Gefängnisstrafe einige Tage vorzeitig entlassen. Während er mit dem schweren Verlust zu kämpfen hat, trifft er wenig später auf den mysteriösen Mr. Wednesday, der ihm einen Job anbietet. So soll Shadow Wednesday als Bodyguard auf einer ganz besonderen Mission begleiten. In Wahrheit handelt es sich bei seiner neuen Bekanntschaft nämlich um einen uralten Gott, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die in Amerika ansässigen alten Götter zu versammeln, welche immer mehr an Bedeutung verlieren, um mit vereinten Kräften den zunehmend verehrten neuen Göttern wie Technologie und Medien den Kampf anzusagen…


Kritik

Als ich kürzlich einen Freund gefragt habe, ob er denn schon American Gods gesehen habe, war er völlig verwirrt. Er kennt das Buch, aber von einer Serie habe er noch nie gehört. Das hatte zur Folge, dass wir beide nicht mehr weiter wussten. Er konnte sich nicht denken, dass man aus dem Stoff eine Serie machen kann, und ich konnte mir das Ganze einfach nicht als Buch vorstellen. Denn was man in dieser Serie zu sehen bekommt, hätte ich mir vermutlich nicht mal in meinen wildesten Träumen vorstellen können. Da gibt es nackte Männer im Orgasmus-Weltall, wilde Gemetzel, die brutaler als jede „Game of Thrones“-Staffel sind, oder auch einfach mal Jesus auf einer Grillparty. Dass das jedoch nicht völlig absurd wirkt und den Zuschauer abstößt, ist dabei vor allem dem Stil geschuldet, der ohne jeden Zweifel erhaben ist. Nur leider hat die Serie dann doch so ihre Schwächen.

Die erste Schwäche ist die Handlung, die kaum existent ist. Selten hat eine Serie die komplette erste Staffel nur genutzt, um die folgende Handlung einzuführen. Es werden Charaktere vorgestellt, die Weichen für kommende Konflikte gestellt und Einblicke in die überaus interessante Welt der amerikanischen Götter gegeben. Doch von einem Handlungsbogen ist hier leider nichts zu sehen. Man verfolgt die beiden Hauptfiguren Shadow Moon und Mr. Wednesday von einem Ort zum anderen und trifft dabei allerlei kuriose Figuren. Das ist zwar auf eine gewisse Art unterhaltsam, mitfiebern kann man dann aber doch nicht wirklich.

Ian McShane (Mr. Wednesday), Corbin Bernsen (Vulcan), Ricky Whittle (Shadow Moon).jpg
Mr. Wednesday (links) und Shadow Moon (rechts) besprechen sich mit dem Gott der Schmiedekunst Vulcan.

Zudem gibt es niemanden, mit dem man sich wirklich identifizieren kann. Mr. Wednesday bleibt einem bis zur letzten Folge rätselhaft und Shadow Moons Reaktionen auf die Erlebnisse schwanken von Gleichgültigkeit zu übertriebener Überraschung ohne eine Erklärung, wann welche Reaktion folgt. Einzig Mad Sweeney als vom Pech verfolgter Koboldund den viel zu selten gezeigten Taxifahrer konnte ich einigermaßen gut leiden. Insofern mochte ich auch die kontrovers diskutierte siebte Folge sehr gerne, weil sie ersterem die längst überfällige Hintergrundgeschichte lieferte. Doch da man nunmal hauptsächlich dem älteren Gott und dem Neuankömmling in der göttlichen Welt folgt, fehlt es ebenso oft auch an sympathischen Figuren.

Trotzdem muss ich jedem diese Serie empfehlen. Auch wenn sie ihre Schwächen hat, so sind es doch alles Schwächen, die man in kommenden Staffeln ausmerzen kann und bis dahin hat man hier einfach seine helle Freude an den Ideen, die die Macher umgesetzt haben. Angefangen mit den kuriosen Szenen, die ich anfangs beschrieben habe, gibt es immer wieder grandiose Einfälle, die in Textform wohl kaum so eindrucksvoll sind. Das beginnt mit dem Intro, welches immer wieder Spaß macht und endet mit der letzten Einstellung der Staffel, die die Tragweite dieser Fantasy-Welt aufzeigt. Wer da nicht beeindruckt vor seinem Fernseher sitzt, der hat einfach nicht hingeguckt. Keine andere aktuelle Serie bietet so viel Abwechslung und Kreativität im Visuellen und Inszenatorischen.

Das geht zudem Hand in Hand mit der Welt, die hier kreiert wird. Auch wenn die alten, teilweise mir komplett unbekannten, Götter toll dargestellt und in unsere Welt eingebracht werden, so sind es doch nie neuen Götter, die mich am meisten fasziniert. Namentlich Media, Globalization und Tech Boy sind exakt die neuen Götter, die man sich gewünscht hat. Besonders Media, die immer wieder in choreografierte Dialoge verfällt und einem alles verspricht, was man sich wünscht, ist optimal dargestellt. Auch hier freue ich mich auf die neuen Götter, die noch kommen werden, sollte es denn noch welche geben. Aber zumindest McDonald’s sollte ja wohl noch seinen großen Auftritt bekommen.

Bruce Langley (Technical Boy), Gillian Anderson (Media).jpg
Die neuen Götter (hier: Technical Boy und Media) sind nicht erfreut über den Aufstand der alten.

Fazit

American Gods lebt hauptsächlich von der Vorfreude auf die Dinge, die noch kommen könnten. Visuell und kreativ kann die Serie schon in der ersten Staffel überzeugen, nur leider fühlt sich die Handlung weitesgehend so an, als würde man kommende Geschichten nur vorbereiten. Angesichts der teilweise interessanten Charaktere, die hoffentlich mehr Auftritte bekommen werden, ist aber extrem viel Potenzial vorhanden, was mir schon jetzt eine überaus unterhaltsame erste Staffel beschert hat.

8


Cast

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
Ricky Whittle Shadow Moon
Emily Browning Laura Moon
Ian McShane Mr. Wednesday

Nebendarsteller

  • Crispin Glover
  • Bruce Langley
  • Yetide Badaki
  • Pablo Schreiber
  • Gillian Anderson
  • Demore Barnes
  • Omid Abtahi

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 8,8/10

9


Bildrechte liegen bei Starz.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Daisy sagt:

    Danke für die Kritik. Ich muss doch mal in die Serie rein schauen. Habe das erste Kapitel von American Gods als Leseprobe auf dem Kindle gelesen und ich muss (leider) sagen, dass mich das nicht so gecatcht hat. Liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass das erste Kapitel damit endet, dass er auf dem Heimweg ist, nachdem er eben erfahren hat, dass seine Frau gestorben ist. Naja mal schauen 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Staffmann sagt:

      Joa, das sind dann ca. 5 Minuten in der Serie^^ Glücklicherweise wird nicht viel Zeit daran vergeudet, Shadow Moons Seelenleben zu analysiere, dafür gibt es umso mehr coole Szenen mit den Göttern 🙂

      Gefällt mir

      1. Daisy sagt:

        Dachte ich mir schon fast 😀 Dann geb ich der Serie auf jeden Fall mal eine Chance!

        Gefällt 1 Person

  2. mwj sagt:

    Hier meine Kritik:
    http://www.kino.vieraugen.com/tv/american-gods-staffel-1/

    Würde mich sehr freuen, wenn du sie unter „Weitere Meinungen“ verlinkst. Danke 🙂

    Gefällt 1 Person

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