Kritik: Burn After Reading

Dass mir die Filme der Coen-Brüder durchaus gefallen, sollte man beim Lesen meiner Artikel eigentlich gelernt haben. Ihre Geschichten sind einfach immer so abgedreht und im Endeffekt doch passend, dass ich bis auf „Fargo“ noch keinen ihrer Film wirklich schlecht fand. Und zwischen all den tollen Filmen sticht dabei einer in Sachen Wahnsinn und Humor noch heraus: Burn After Reading. Dabei kann man den Film am ehesten der Komödie zuordnen, wobei so gut wie jeder ihrer Filme lustig ist. Warum das so gut funktioniert, versuche ich mal zu erklären.

Die Handlung in ihren Grundzügen: Zwei Fitnesstrainer (Brad Pitt und Frances McDormand) finden die vermeintlich geheimen Daten eines CIA-Analysten (John Malkovich) und möchten ihn erpressen. Der hat jedoch andere Probleme: Seine Frau (Tilda Swinton) möchte sich von ihm scheiden lassen und mit ihrer Affäre (George Clooney) zusammenkommen. Der ist aber nicht sonderlich treu und trifft sich unter anderem auch mit der Fitnesstrainerin, die den Analysten erpresst. Die ganze Situation muss dann natürlich eskalieren, sodass irgendwann auch die CIA nicht mehr durchblickt.

Eines vorweg: Wer auf einen Lacher nach dem anderen aus ist, wird sicherlich nicht glücklich mit „Burn After Reading“ werden. Der Humor entwickelt sich erst im Laufe der Handlung. Zu Beginn kann der Film schon sehr deprimierend sein und mahnt auch nicht sofort, was für eine Entwicklung die Handlung noch nimmt. Viele Szenen sind überraschend und wechseln von Humor zu Ernsthaftigkeit in solch einer Geschwindigkeit, dass einem oft das Lachen im Halse stecken bleibt. Aber genau diese Szenen machen dann auch die Genialität des Films aus. Wie z.B. auch in „Moonrise Kingdom“ von Wes Anderson, auch mit McDormand, kann man sich hier nie sicher sein. Im Endeffekt ist es aber doch eine Komödie und zwar eine der besseren.

Bei solch einem Cast muss man natürlich auch über die schauspielerischen Leistungen sprechen. Und die sind einfach über jeden Zweifel erhaben. In diesem Film vereinen sich die meiner Meinung nach besten Performances von Clooney, Pitt und Malkovich. Alle drei sind natürlich zurecht gefeierte Darsteller und haben auch andere herausragende Rollen gespielt, aber hier wirken sie alle dermaßen befreit, dass es eine wahre Freude ist, ihnen dabei zuzuschauen. So viel Spaß am puren Schauspiel habe ich selten. Dazu kommen dann auch die besonderen Kniffe der Coen-Brüder, die durch ihre Einstellungen den Filmfluss immer perfekt vorantreiben und so den Film so unterhaltsam machen.

Was kann ich also abschließend sagen? Burn After Reading ist eine meiner Lieblingskomödien und gleichzeitig einer meiner liebsten Ensemble-Filme. Es stimmt fast alles, man muss aber auch vorher wissen, dass man nicht vor Lachen auf dem Boden liegen wird. Es ist mehr ein dauernd im Gesicht liegendes Grinsen, dass oft durch die Dramatik verschwindet, dann aber doppelt so groß wieder kommt. Viele werden das anders sehen und nicht zufällig ist dies einer der unbekannteren Filme der Coen-Brüder. Das aber völlig zu Unrecht, zumindest sehe ich das so.

9

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