Kritik: The Hateful Eight

In der Kinogeschichte gibt es nur wenige Regisseure, die so wirklich abgefeiert werden. Christopher Nolan ist ein Garant für durchweg gute Filme vielleicht, aber sonst wird das Feld schon dünn. Einen, den ich auch auf jeden Fall dazu zählen würde, ist Quentin Tarantino. „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“ haben die Popkultur geprägt und bis auf „Death Proof“ war eigentlich nie ein Ausfall dabei. Nun kam mit The Hateful Eight sein neuester Film ins Kino und wieder ist es ein Western. Doch ob er so unterhalten kann wie „Django Unchained“, werden ich nun in meinen Worten zusammenfassen.


Handlung

Einige Jahre nach Ende des Sezessionskrieg fährt eine einsame Kutsche durch einen Schneesturm in Wyoming. An Bord: Der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) und seine Geisel Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh). Auf ihrem Weg treffen sie einen weiteren Kopfgeldjäger (Samuel L. Jackson) und den neuen Sheriff ihres Ziels (Walton Coggins). Ruth lässt beide mitfahren und zusammen stranden sie in einer kleinen Hütte mitten in den Bergen, wo sie rasten wollen. Doch dort warten bereits vier weitere Männer auf sie und mindestens einer von ihnen ist ihnen nicht wohl gesonnen. So kommt es zu einem gefährlichen Kammerspiel, bei dem niemand dem anderen trauen kann…


Kritik

Eines vorweg: Tarantino ist einer der begnadetsten Regisseure unserer Zeit, das möchte ich gar nicht bestreiten. Und genau wie seine vorigen Filme ist The Hateful Eight auch wieder grandios inszeniert. Dennoch habe ich so meine Probleme mit seinem neuesten Film, jedoch ist das Meckern auf wirklich hohem Niveau und hört sich insgesamt vielleicht etwas härter an, als es im Grunde ist. Was aber auch nicht heißen soll, dass der Film perfekt ist und ich nur ein paar kleien Probleme habe. Der Film hat schon ein paar mehr, als nur kleine Probleme. Zudem habe ich nicht die 70mm-Version gesehen, sondern die „normale“ Variante. Aber sehr viel anders ist da ja auch nichts.

Der Film beginnt zunächst mit der besagten Kutschfahrt und dort zeigt sich bereits das größte Problem des Films, was mir im Nachhinein auch am deutlichsten im Gedächtnis geblieben ist: Der Film ist einfach unglaublich lang. Mit knapp drei Stunden muss man wirklich viel Sitzfleisch besitzen. Nun habe ich im Grunde kein Problem mit langen Filmen, wenn es sich auszahlt, dann begrüße ich das sogar sehr. „Pulp Fiction“ zum Beispiel geht auch drei Stunden und auch dort wird viel geredet, dennoch wurde ich dort wesentlich besser unterhalten als bei „The Hateful Eight“. Und so fragt man sich nach anderthalb Stunden schonmal, worauf der Film überhaupt hinaus will. Dann hat man es irgendwann verstanden und dann macht der Film auch extrem viel Spaß. Doch zu dem Zeitpunkt ist man schon so müde, dass man es über sich ergehen lässt.

Eine der großen Stärken von Tarantino ist nun mal seine Art, Dialoge zu schreiben und zu inszenieren. Das merkt man bei seinen früheren Filmen und auch hier, jedoch hat man hier das Gefühlt, dass er sich etwas zu sehr in seinen Dialogen verloren hätte, zu nichtssagend, zu langweilig sind sie doch teilweise. Da ist sicher Humor und Coolness in den Dialogen, angeödet ist man irgendwann dann doch. Dabei kann ich auch gar nicht beschreiben, wieso ich dieses Gefühl hatte, aber „Pulp Fiction“, um das Beispiel noch einmal zu bemühen, hatte einfach wesentlich knackigere Dialoge.

Und wenn wir schon bei Vergleichen sind, so muss man jedoch sagen, dass „The Hateful Eight“ überhaupt nicht mit „Django Unchained“, dem vorigen Tarantino-Western, zu vergleichen ist. Hier ist es ein reines Kammerspiel. Gute zwei Stunden des Films finden nun mal in dieser Hütte statt. Bis auf einige Szenen hätte das Skript auch als Theater getaugt, im Kino wirkt es aber trotzdem wirklich gut.

Um jetzt aber nicht so viel negatives zu nennen, muss ich auch noch die positiven Dinge loswerden. Und das sind vor allem die Darsteller. Jeder spielt seine Rolle ausgezeichnet. Leigh als leicht verrückte Gefangene, Russell als grimmiger Jäger und besonders Tim Roth als Christoph-Waltz-Verschnitt zeigen hier alles, was sie können. Es gibt keinen einzigen Ausfall, jeder spielt absolut perfekt. Das ist auch nötig in einem Film, der so auf den Dialogen und Darstellern aufbaut. Das tut er aber ohne Probleme.

Außerdem ist nun einmal Tarantino der Regisseur des Films. Jede Szene scheint perfekt darauf abgestimmt zu sein, die Geschichte voranzutreiben. Jede Einstellung hat ihren Zweck und beweist, was für ein Talent Tarantino nun einmal besitzt. Allein die erste Szene mit dem Ennio-Morricone-Soundtrack ist eindrucksvoller als ein ganzer „Transformers“-Film. Hätte er da doch nur ein bisschen an der Länger mancher Szenen geschraubt, dann hätte es so ein toller Film werden können.


Fazit

Im Grunde hat man hier zwei verschiedene Filme: Der erste ist mit seinen ewigen Dialogen doch arg langweilig und nicht sehr spannend. Dafür ist der zweite Teil umso intensiver und entschädigt für das lange Warten. Allerdings muss man hier das Gesamtwerk bewerten und das war für mich doch enttäuschend. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, auf die Uhr zu gucken oder ich habe mich gefragt, was das jetzt sollte. Tarantino und die Darsteller und das insgesamt wirklich tolle Skript machen den Film dann aber doch sehenswert, sodass ich ihn nicht noch einmal sehen würde, aber froh bin, ihn gesehen zu haben.

7


Cast

  • Regisseur: Quentin Tarantino
  • Drehbuch: Quentin Tarantino

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Samuel L. Jackson Major Marquis Warren
 Kurt Russell John Ruth
 Walton Coggins Chris Mannix
Jennifer Jason Leigh Daisy Domergue
Tim Roth Oswaldo Mobray
Michael Madsen Joe Cage
Demián Bichir Bob
Bruce Dern  General Sandy Smithers

Nebendarsteller

  • Zoe Bell
  • Channing Tatum
  • James Parks

Links


Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,8/10

8


Die Filme von Quentin Tarantino

  • Reservoir Dogs (1992)
  • Pulp Fiction (1994)
  • Jackie Brown (1997)
  • Kill Bill: Vol. 1 (2003)
  • Kill Bill: Vol. 2 (2004)
  • Death Proof (2007)
  • Inglourious Basterds (2009)
  • Django Unchained (2012)
  • The Hateful Eight (2015)
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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Belkor sagt:

    Bin gespannt,fahre gerade ins kino 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Staffmann sagt:

      Da bin ich ja mal auf deine Meinung gespannt^^

      Gefällt mir

  2. Miri sagt:

    ..Hmm… Das gefällt mir nicht so gut….

    Gefällt mir

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