Kritik: Vinyl

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Ray Romano als Zak Yankovich & P.J. Byrne als Scott Leavitt in HBO’s VINYL

Nachdem die Serie bereits mehrfach Erwähnung in anderen Artikeln von mir gefunden hat, habe ich nun vor ein paar Tagen auch die zehnte und letzte Folge von Vinyl gesehen. Weil seitens HBO offiziell bekanntgegeben wurde, dass die Musikserie nicht verlängert wird, hatte ich das Anschauen der letzten Folgen ein wenig hinausgezögert – und ich habe auch die Hoffnung tatsächlich noch nicht aufgegeben, dass die Serie doch noch in die zweite Runde geht. Grund für den Schwenk waren die Einschaltquoten, die leider unter den Erwartungen zurückblieben – Sollte Vinyl doch schließlich ein neues, großes Zugpferd für HBO werden.

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu entschieden, keine zweite Staffel von Vinyl zu drehen. Natürlich war das keine einfache Entscheidung. Wir haben enormen Respekt für das Kreativteam und die harte und leidenschaftliche Arbeit an diesem Projekt.

Ob es an mangelnder Werbung für die Serie gelegen hat, oder das 70er Jahre Musikbusiness – Setting nicht genügend Zuschauer für den spielfilmlangen Pilotfilm vor den Fernseher gelockt hat, lässt sich schwer sagen. Ich bin mir allerdings recht sicher, dass viele, die am vermeintlichen Thema der Serie nicht von Anfang an Interesse haben, nach der ersten Folge dann doch „gehooked“ sind. Vielleicht müssen also Fans und Sympathisanten von Vinyl nur kräftig genug Werbung für die Serie machen, um sie doch noch mal zurückzuholen.


Inhalt

Mick Jagger und Martin Scorsese lassen die 70er Jahre wieder auferstehen – vielleicht bunter und abgedrehter als sie je waren – das können nur Zeitgenossen beurteilen. Die Hauptrolle des Richie Finestra übernimmt Bobby Cannavale, Gründer des Plattenlabels „American Centuries Records“, der etwas vom Musikgeschäft versteht und weiß, wie man mit den Leuten in diesem Business zu verhandeln und auch zu feiern hat. Dennoch geht es mit dem Label bergab, zu lange ist der große Hit her, die Leute wollen neue Musik, keine altbackenen Weihnachtscoverversionen und Oldies. Finestra schickt seine Mitarbeiter auf die Jagd nach einer neuer Band, die die Revolution von AC Records einläuten soll – wem der Fund misslingt, der fliegt raus. Und tatsächlich wird Jamie Vine (Juno Temple), deren Job eigentlich nur aus Versorgung der Crew mit Essen und Rauschmitteln bestand, auf die äußerst rohe, ungeschliffene und pöbelnde Band „Nasty Bits“ rund um Frontmann Kip Stevens (James Jagger) aufmerksam, die durch ihre Anti-Alles Einstellung etwas zuvor unbekanntes mitbringen. Doch aus dieser Truppe eine vermarktbare Platte herauszuholen bedarf viel Arbeit und Zeit, währenddessen sich die Schlinge um Finestras Hals dank vieler unglücklicher Ereignisse immer fester zuzieht..


Kritik

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Jeder einzelne Darsteller in diesem Ensemble spielt seine Rolle einfach grandios, allen voran natürlich Bobby Cannavale als Finestra mit seinen mal Wut- mal kokaingesteuerten Gefühlsausbrüchen. Er trägt die Serie schon ganz erheblich, bricht unter der Last aber nicht zusammen. Zum Glück stehen Cannavale eine großartige Olivia Wilde als Finestras unglückliche Frau, ein Ray Romano als gewissenhafter und loyaler Mitbegründer des Labels und viele weitere zur Seite. Auch die Rolle für James Jagger wirkt perfekt auf ihn zurechtgeschnitten, auch wenn es sicherlich sowohl Vor- als auch Nachteile hat, mit Mick Jagger zum Vater und Miterschaffer dieser Serie solch eine Rolle zu verkörpern. Hat ja aber zum Glück alles gut funktioniert. Man könnte wohl sagen, dass die Serie durch 3 starke Säulen gestützt wird: Die Darsteller, die Optik und die Musik.

Und auf die zweite möchte ich jetzt etwas genauer eingehen: Vinyl sieht einfach unglaublich gut aus: Mit viel Liebe zum Detail wurde hier modetechnisch und popkulturell alles aus dieser Ära herausgeholt, jedes Hemd passt auf seine Art zu Sakko und Krawatte, die aber, wenn vorhanden, meist sehr locker sitzt. Einige Musiker und Künstler dieser Zeit wurden auch durch Schauspieler dargestellt, zuerst war ich mir nicht sicher, ob diese Idee gut ist, aber die Rolle von z.B. Andy Warhol fügt sich sehr gut in die Handlung ein, gleichzeitig wird aber der Fokus auf diese Imitationen klein gehalten, um keine Fans oder Kenner der echten Persönlichkeiten durch Unstimmigkeiten zu verärgern. Ein Anflug davon bahnte sich bei mir nämlich auch in einer der späteren Folgen an, wo John Lennon einen kurzen Auftritt bekam. Nachdem ich mir die Szene vor kurzem aber nochmal gezielt angesehen habe, bin ich auch damit versöhnt, das haben die Macher schon wirklich gut gelöst. Aber zurück zum visuellen: Nun bin ich auch einfach Fan dieser Zeitepoche, dennoch bin ich mir sicher, dass Vinyl mit seinem wundervollen optischen Stil nicht nur etwas für eine kleine Zielgruppe ist.

Säule Nummer 3: Die Musik. Es beginnt mit einem unglaublich kraftvollen Intro, dass mir noch jedes Mal Gänsehaut verschafft – die Anfangssequenz, wo die Plattenspielernadel über das Vinyl rast:

Überhaupt zählt die Herstellung von Vinylplatten und die Übertragung in akustische Signale zu den Rätseln und Wunderwerken der „Technik“, über die mir sicherlich einiges anlesen könnte, ich es aber bewusst nicht tue, um dem magischen Charakter nicht aufzubrechen.


Fazit

Viele tolle Konzerte und Einblicke in das Musikgeschäft werden hier geliefert, zu viele, um auf jeden einzelnen einzugehen. Von David Bowie bis Bob Marley ist alles dabei, und immer ist alles passend in die Handlung verwoben. Diese stellt eigentlich die vierte Säule der Serie da, denn sie ist an Spannung nicht zu unterschätzen. Vinyl ist auf keinen Fall nur Eye- und Earcandy, sondern liefert auch, was tragische, komische und spannende Elemente angeht, ab.

Meine Empfehlung also an alle, die sich bisher noch nicht sicher waren, ob sie sich Vinyl ansehen sollen: Give it a try!

10



 

Cast

  • Produzenten: Martin Scorsese, Mick Jagger, Terence Winter & Rich Cohen

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
Bobby Cannavale Richie Finestra
Olivia Wilde Devon Finestra
Ray Romano Zak Yankovich
James Jagger Kip Fotaine
Ato Essandoh Lester Grimes
Juno Temple Jamie Vine
Paul Ben-Victor Maury Gold
P.J. Byrne Scott Leavitt
Max Casella Julian Silver

Nebendarsteller

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Filmschrott sagt:

    Ich habe die auch noch auf der Liste, allerdings werde ich mir das wohl nur geben, wenn das auch abgeschlossen ist. Deshalb die Frage: Wie offen ist denn das Ende? Da man ja offenbar weitermachen wollte, kann ich mir kaum vorstellen, dass man hier einen runden Abschluss nach den 10 Folgen kriegt, oder doch?

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    1. JOHN sagt:

      Nun, es stimmt, einen richtigen Abschluss gibt es nicht, da zum Zeitpunkt der Produktion noch fest von einer zweiten Staffel ausgegangen wurde. Allerdings endet das ganze nicht mit einem großen Cliffhänger, mehr mit einer Umwältzung der bestehenden Verhältnisse. Und ob diese ihr Ziel erfüllt wäre dann Stoff für die nächste Staffel. Bisschen kryptisch ausgedrückt, aber ich möchte ja auch nicht spoilern 🙂

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      1. Filmschrott sagt:

        Ich behalte es zumindest mal im Hinterkopf. Zumindest vom Soundtrack her, sollte es bei mir ohnehin voll ins Schwarze treffen.

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  2. bullion sagt:

    Echt schade, dass die Show abgesetzt wurde. Hatte große Hoffnungen darauf und werde mir zumindest die erste Staffel irgendwann noch zulegen.

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  3. donpozuelo sagt:

    Ich hatte auch schon von der Serie gehört und war auch ein wenig betroffen, dass sie so schnell wieder abgesetzt wurde… anschauen will ich mir das Ganze auf jeden Fall.

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