Kritik – Kingsglaive: Final Fantasy XV

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Quelle: flickr

 

Die ganze Welt erwartete zur großen Ankündigung von Final Fantasy XV im März nichts weiter als Details zum Sorgenkind des japanischen Spieleentwicklers Square Enix, welches nunmehr seit über 15 Jahren in der Mache ist. Was tatsächlich angekündigt wurde, war neben dem Veröffentlichungsdatum des Hauptspiels (das mittlerweile übrigens schon wieder verschoben wurde) eine 5-teilige Anime-Serie und der sagenhaft aussehende Trailer zum CGI Film Kingsglaive: Final Fantasy XV, der seit knapp einer Woche im europäischen PSN erhältlich ist. Diese Form von multimedialem Storytelling ist in der japanischen Spiele-Branche bestens aus Franchise-Urgesteinen wie Pokémon, Mega-Man oder Final Fantasy VII bekannt und fördert neben einer facettenreicheren Welt auch tiefere Charaktere und die Möglichkeit die Geschichten der Generation vor der eigentlichen Haupthandlung zu erzählen. Denn genau das ist es, was Kingsglaive sich auf das Programm schreibt. Im Spiel wird man Noctis auf seiner Reise zurück in sein Königreich Lucis mitverfolgen, der actionreiche Film führt in die Geschichte Lucis‘ und den politischen Verwicklungen hinein.

Ausgangspunkt des Films ist der Konflikt zwischen dem Imperium Niflheim und dem Königreich Lucis, das einen sagenumwobenen, magischen Kristall beherbergt, der dem guten König Regis seine magischen Kräfte verleiht, die er an seine Königsgarde, der Kingsglaive, weiterleitet. Als Nilfheim dann in Friedensverhandlungen stoßen möchte, um durch einen hinterhältigen Coup die Stadt des Lichts zu Fall zu bringen, befiehlt der König seiner Garde, angeführt vom Kriegshelden Nyx Ulric (Sprecher: Aaron Paul), die Prinzessin Lunafreya von Tenebrae (Sprecherin: Lena Headey) aus der Stadt zu bringen, um sie zu ihrem versprochenen Prinzen Noctis von Lucis zu bringen, um nicht nur eine Allianz zwischen den zwei großen Königreichen herbeizurufen und eine Rebellion gegen das Imperium zu provozieren, sondern ihm auch den magischen Ring seines Vaters zukommen zu lassen, der die Kraft der Kristalle freisetzt.

So also das große Ganze der Story eines Films, der durch sein Drehbuch absolut nicht glänzen kann. So ziemlich jede Figur bleibt in Motivation holzschnittartig behandelt, die Charaktere wechseln ihre Meinungen und Parteien ohne wirklich überzeugende Gründe, was das Problem der schlicht schlecht geschriebenen Dialoge ist. Inhaltlich hat der Film eigentlich zu Genüge vorzuweisen, doch bringen die Figuren ihre Beweggründe so schlecht rüber, dass weder Gefühle, noch Motivationen wirklich plausibel gemacht werden. Da ist zum Beispiel der beste Freund Nyx‘ namens Libertus, der der Kingsglaive den Rücken zukehrt, um sich den Rebellen anzuschließen, dann gegen Ende des Films aber doch wieder bei der Eskortierung von Prinzessin Lunafreya behilflich ist. Seine Gründe spart der Film größtenteils aus, stattdessen werden dem Zuschauer impulshafte Aktionen und Aussagen geboten, mit denen er sich zufrieden geben muss. Wiederholt wird das leider in den wichtigsten Plot-Twists des Films.

Neben den Defiziten im Schreiben hat der neueste Final Fantasy-Film aber das zu bieten, was alle Fans erwartet haben – unglaublich gute CGI-Technik, die zwar ohne 3d-Option daherkommt, aber definitiv auch dem WarCraft-Film nicht nur das Wasser reichen, sondern legitime Ansprüche stellt ihn sogar zu übertrumpfen. Alle wichtigeren Figuren sind wie gewohnt außergewöhnlich überladen designt und bieten beim Kämpfen mit den vielen Partikeleffekten auf, die man aus der Final Fantasy 15-Demo kennt. Optisch sind die Action-Szenen eine wirkliche Augenweide. In der letzten Schlacht kommen neben einem abgefahrenen Fantasy-Schwertkampf Pacific Rim ähnliche Giganten auf die Bildschirme und das Actionspektakel eskaliert so sehr, dass selbst alt eingeschworene Fantasy-Veteranen ins Staunen kommen sollten. Auch wenn manch eine Action-Sequenz bereits ausgelutscht, auch viele One-Liner einfach nicht so cool daherkommen wie in Marvel-Filmen – die letzten 40 Minuten machen den Fan des Over-the-Top Actionfilms einfach glücklich.

Wem kann man also eine Empfehlung aussprechen? Final Fantasy-Fans werden den Film ja sowieso sehen. Die werden neben den zahlreichen Anspielungen auf das noch kommende Spiel zahlreiche andere kleine Freuden zu erwarten haben, wenn etwa Monster, Zauber, Fähigkeiten oder kleinere Erzählmotive der älteren Spiele im CGI-Glanz erstrahlen. Zwar hätte der Prozess der Welterzeugung durch ein lebendigeres Volk und klarere innenpolitische Verhältnisse noch besser funktionieren können, doch ist trotz allem zumindest ein Gerüst gelegt, auf das das Spiel aufbauen kann. Nicht-Kenner der Serie wird ein oberflächlicher Fantasy-Actionfilm geboten, dessen Kampfszenen und CGI-Technik trotzdem aber einfach extrem Spaß machen, wenn er über einen entsprechend großen Bildschirm verfügt. Final Fantasy brilliert seit dem zehnten Teil inzwischen nun viel mehr in den optischen Bereichen als erzählerischen und so setzt es sich auch für den Film fort. All-out auf den Style, der bei Actionen-Filmen ja sowieso die Substance ist – in Kingsglaive sieht die Vollmontur der Charaktere, die Waffen, die Explosionen, Hintergründe und Naturbilder einfach tipptopp aus.

6

Cast:

  • Regie: Takeshi Nozue
  • Drehbuch: Takashi Hasegawa
  • Sprecher: Aaron Paul, Sean Bean, Lena Headey, uvm.

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 6,2/10

6


Die Film von Takeshi Nozue

  • Final Fantasy VII: Advent Children (2005)
  • Kingsglaive: Final Fantasy XV (2016)
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