Kritik: Passengers

Ich habe das Gefühl, das Science-Fiction-Genre ist wieder stark im Kommen. Während lange Zeit Tom Cruise mit „Minority Report“ und ähnlichen Filmen das Genre am Leben halten musste, vergeht heutzutage kaum eine Woche ohne einen neuen Film, der uns die Zukunft in einer neuen Vision darstellen möchte. Allein 2017 fallen mir spontan 5 Sci-Fi-Filme ein, die absolut sehenswert sein werden. Der erste dieser Liste ist Passengers, der ganz früh in 2017 in Deutschland erschienen ist und mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence zwei der größten Kassenmagneten unserer Zeit auf der Leinwand vereint. Ob sich diese Zukunftsvision aber wirklich lohnt oder man doch lieber auf andere Ausreißer des Genres warten sollte, erfahrt Ihr nun in meiner Kritik.


Handlung

Aurora und Jim sind zwei Passagiere an Bord eines Raumschiffs, das sie zu einem neuen Leben auf einem anderen Planeten bringen soll. Doch ihre Reise nimmt plötzlich eine lebensbedrohliche Wendung. Denn die Schlafkammern, in denen sie liegen, wecken sie auf unerklärliche Weise viel zu früh auf – 90 Jahre ehe sie ihr Ziel erreicht haben werden. Während Jim und Aurora versuchen, hinter das Geheimnis dieser Fehlfunktion zu kommen, fühlen sie sich mehr und mehr zueinander hingezogen. Doch dann werden sie von dem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Raumschiffs bedroht und entdecken den wahren Grund, warum sie aufgewacht sind.


Kritik

Wenn Ihr euch die Handlung durchgelesen und den Trailer angeschaut habe, muss ich zuerst sagen: Vergesst das alles sofort wieder. Sicherlich, das Grundkonzept des Films wird darin gut erläutert, aber das Erlebnis, welches man mit Passengers am Ende hat, ist doch ganz anders, als man es vermuten würde. Wird einem im Trailer ein mysteriöses Geheimnis und ein actionreicher Kampf gegen einen größeren Gegner versprochen, so bleibt davon im endgültigen Ergebnis nicht mehr viel übrig. Das mag nicht unbedingt schlechter sein, mich hat es allerdings sehr enttäuscht. Vor allem macht es auch die Beschreibung der Handlung um ein Vielfaches schwerer, immerhin möchte ich nicht zu viel verraten. Während manch einer (wie ich) wütend ist, weil ihm ein anderer Film versprochen wurde, werden einige sicher glücklich sein, durch den Trailer nicht gespoilt worden zu sein.

Dennoch werde ich versuchen, den Film auf seine Grundbestandteil hin runterzubrechen, angefangen mit den Darstellern. Auch wenn Jennifer Lawrence und Chris Pratt auf den Postern zu sehen sind, so ist es doch nur Pratt, der hier überzeugen kann. Während er gegen sein eigenes Image des albernen Haudegens ankämpft, ergibt sich Lawrence zu sehr in einer weinerlichen und unerträglichen Rolle, die auf jeden Fall angenehmer und vor allem sympathischer hätte gespielt werden können. Eine überaus positive Überraschung ist allerdings Michael Sheen als provisorischer Android, den es nun mal in einem Sci-Fi-Film geben muss. Er kann aber mit viel Charme und dem typischen Androiden-Humor durchweg überzeugen, sodass man sich immer wieder auf die Szenen mit ihm freut.

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Nur leider unterstreicht das dann auch den geringen Mehrwert des restlichen Films. Es passiert leider sehr oft, dass er sich in schnulzige Liebesszenen ergibt, die mit schlechten Dialogen und einem meiner Meinung nach völlig unpassenden Paar gespickt sind. Dabei wird dann immer wieder versucht, zu unterstreichen, wie unterschiedlich und doch gleich die beiden Charaktere sind, um ihre Annäherung doch noch etwas realistischer zu gestalten. Das Problem dabei: Zum einen ist die Beziehung der Hauptdarsteller nicht nur schwer nachzuvollziehen, sondern zudem auch noch komplett uninteressant. Es sind die beiden einzigen Menschen auf einer ansonsten komplett einsamen Raumstation, da kann man sich ja schwer nicht ineinander verlieben. Da fehlt es dann leider komplett an Überraschungen, die dem Film sehr gut getan hätten.

Nichtsdestotrotz ist Passengers dennoch sehenswert. Er mag seine Schwächen haben und dem Zuschauer viel Geduld abverlangen, am Ende des Tages wird man den Kinobesuch bzw. den DvD-Abend nicht bereuen. Dafür gibt es nämlich zu viele atemberaubende Szenen, die allerdings alle auch schon im Trailer zu sehen sind. Rein visuell bietet der Film nämlich das, was man sich von einem modernen Science-Fiction-Film erhoffen würde: Grandiose Aufnahmen des Weltalls, des Raumschiffs und der futuristischen Technik bringen somit immer wieder Unterhaltung in einen Film, der daneben doch auch stark langweilen kann.

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Und dann muss ich abschließend noch die ersten zwanzig bis dreißig Minuten ausdrücklich loben. Während dieser Zeit dachte ich, dass ich gerade dabei bin, einen ganz großen Film zu sehen. Auch hier möchte ich nicht zu viel verraten, aber es reicht wohl, zu wissen, dass Chris Pratt hier beweist, dass er nicht umsonst so ein Kassenmagnet ist. Wer ihn davor nur in lustigen oder albernen Rollen gesehen hat, wird hier eines Besseren belehrt. Sicherlich ist es keine Leistung, die einem den Oscar beschert, aber rückblickend auf das Jahr 2016 fallen mir wenige Darsteller ein, die mich so überzeugen konnten. Deshalb musste ich mir nun am Ende der Kritik noch einmal die Zeit nehmen, Chris Pratt zu loben.


Fazit

Passengers ist nicht das, was einem versprochen wurde, kann aber dennoch in einigen Momenten überzeugen. Während Jennifer Lawrence fast nur nervt, schaffen es die Männer Chris Pratt und Michael Sheen, dies auszugleichen. Zusammen mit der grandiosen Optik und Ansätzen einer interessanten Zukunftsvision wird der Film somit sehenswert, auch wenn man sich sehr oft durch langweilige Dialoge und nervige Liebesszenen quälen muss.

6


Cast

  • Regisseur: Morten Tyldum
  • Drehbuch: Jon Spaihts

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Chris Pratt  Jim Preston
Jennifer Lawrence Aurora Lane

Nebendarsteller

  • Michael Sheen
  • Laurence Fishburne
  • Andy Garcia

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 6,2/10

6


Die Filme von Morten Tyldum

  • Folk flest bor i Kina (2002)
  • Buddy (2003)
  • Varg Veum – Faine engler (2008)
  • Headhunters (2011)
  • The Imitation Game (2014)
  • Passengers (2016)

Bildrechte liegen bei Sony Pictures.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. donpozuelo sagt:

    Ja, 6 von 10 passen. Hab ich auch gegeben. Der Film ist nett anzuschauen und solange Lawrence nicht da ist, auch zu ertragen. Die erste halbe Stunde fand ich sehr stark, sowohl optisch als auch schauspielerisch, aber leider haben sie aus der guten Idee nichts sinnvolles gemacht.

    Gefällt 1 Person

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