King Arthur – Kritik

King Arthur – Wo gibt es sonst so coole Schnitte?

Filme über König Arthur gibt es wie Sand am Meer. Wieso also noch einen drehen? Der neue Arthur-Film hatte für mich eigentlich keinerlei schlagende Argumente. Der Cast sah einfach nicht so stark aus, vom Trailer wurde ich auch nicht wirklich weggeblasen, was gabs da also noch? Nach dem Schauen kann ich nun sagen – doch, der Film hat massig was drauf, überraschend, aber es ist wirklich so! Glaubt mir!

Denn wo Guy Ritchie in seinem alten Sherlock Holmes-Film meiner Erinnerung nach noch ein etwas unrundes Ding war, das eine zu schlechte Handlung mit ziemlich coolen Style wettzumachen versuchte, hat er sich bei King Arthur wahrscheinlich gänzlich ausleben können. Die ersten drei Szenen sind schon dermaßen stark. Nach einem ziemlich ansehlichen Prolog, in der König Uther von seinem Bruder Vortigern betrogen wird, zeigt eine schnell getaktete Schnitttirade Arthurs Waisenkindheit, der zwischen Prostituierten und Söldnern aufwächst.

Wer hier 3D schaut, leidet wahrscheinlich an der Verzögerung, denn wenn sich danach die drei Figuren sich gegenseitig ins Wort fallen, wird so flitzig zwischen drei Ebenen gesprungen, dass man erst mal gar nicht weiß, wie einem geschieht. Wie soll man da noch dem Gespräch folgen, dass die Geschichte erzählt, was die ganze Handlung in Bewegung bringt? Hää, also wer wurde jetzt von wem?? Naja, der Arthur hat halt einen mächtigen Vikinger um seinen Bart gebracht, nachdem dieser eine Prostituierte geschlagen hat. Und weil Arthur das Bordell als sein zu Hause und die Machtlosen als seine Protogés ansieht, kann er das nicht auf sich sitzen lassen.

Da klingt bereits an, wie kreativ der Film mit seinem Stoff umgeht. Denn, dass Arthur und Robin Hood in eine Figur gesetzt werden, ergibt ziemlich viel Sinn. Denn so wird der königliche Herrscher Britanniens zu einer Figur der Toleranz und Brüderlichkeit, der sich zuallerst um die Gleichstellung seiner Nächsten kümmert. Schade dabei ist nur: Charlie Hunnam verkörpert Artus, wie Chris Pratt Peter Quill verkörpert. Der ziemlich plumpe aber dafür völlig durchtrainierte Strahlemann, der seine Freunde liebt, ist en vogue. Aber musste man für Arthur wirklich so einen Schrank casten? Hätte es da nicht ein wenig macholoser gehen können? Aber auch im direkten Vergleich muss man sagen, dass Hunnam einfach ein schlechterer Chris Pratt ist. Artus 2017 lebt vom guten Writing und fabelhaften Regie, nicht von der mediokren Leistung seiner Schauspieler. Einzig Jude Law schafft sich als Vortigern einen passend theatralen Charakter.

Wie sein Protagonist klaut sich auch der Film von verschiedensten Fantasy-Formaten der Gegenwart allerlei zusammen, um daraus seine vielen Schauwerte entstehen zu lassen. Arthurs Endgegner sieht wirklich sehr aus wie eine Kreuzung der Wilden Jagd aus The Witcher III und der Hauptfigur des ersten Darksiders, auch ein paar Leute aus dem Game of Thrones-Cast haben Cameos. Trotzdem verkommen diese Referenzen nicht zu bloßem Kitsch. Man hat zumindest die Ästhetik der oben genannten Computerspiele in so einer Weise noch nicht auf den Kino-Leinwänden gesehen. Und sie funktioniert, weil sie es nicht übertreibt. Der finale Kampf ist episch, aber auch nur für vielleicht zwei Minuten. Mehr hätte definitiv geschadet. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Actionfilm wirklich auschoreographierte Kämpfe haben musste, um zu gefallen.

Fluch und Segen zugleich ist der Chauvinismus des Films. Alle Frauen sind Prostituierte oder werden getötet, selbst die Magierin Guinvere verschwindet schließlich. Die Abwesenheit der Frauen verhindern den Märchenschluss, indem Arthur vielleicht wirklich in strahlender Rüstung mit einer Königin vor dem Volk steht. So aber, gibt das Ende dem Stoff seinen letzten interessanten Turn. Arthur sieht sich nicht als König, denn er wollte sein Leben lang der Macht nur zu entkommen. Sie ist eine schändliche Währung für ihn und seine Bande, so lädt er zuletzt seine alten Feinde an den Tisch und ruft ein neues England an der Tafelrunde aus.

Fazit: Zu allerletzt also ein Film, dessen größte Stärken (Schnitt, Style, Writing) viel Staunen bereiten werden. Sehr sehenswert auch für Fans der älteren Arthur-Filme und gegenwärtigen Fantasy-Stoffe.

8


Cast

  • Regisseur: Guy Ritchie
  • Drehbuch: Joby Harold, Guy Ritchie, Lionel Wigram

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Charlie Hunnam Arthur
Astrid Bergès-Frisbey The Mage
Jude Law Vortigern

Nebendarsteller

  • Djimon Hounsou
  • Eric Bana
  • Aidan Gillen
  • Freddie Fox
  • Craig McGinlay

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 6,8/10

7


Die Filme von Guy Ritchie

  • Bube Dame König Gras (1998)
  • Snatch (2000)
  • Stürmische Liebe (2002)
  • Revolver (2005)
  • RocknRolla (2008)
  • Sherlock Holmes (2009)
  • Sherlock Holmes – Spiel im Schatten (2010)
  • Codename U.N.C.L.E. (2015)
  • King Arthur: Legend of the Sword (2017)
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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. mwj sagt:

    Also ich finde der Film ist inhaltlich eine mittlere Katastrophe. Allerdings bietet er tolle Schauwerte und ist streckenweise unterhaltsam.
    Meine ausführlichere Kritik: http://www.kino.vieraugen.com/kino/king-arthur-legend-of-the-sword/

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  2. Ich habe ihn selbst nicht gesehen aber aus vertrauenswerter Quelle erfahren, dass nur die schnitttechnik gut sein soll bei diesem Film .

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  3. franziska-t sagt:

    Wie man schon an der „Andere Meinungen“-Sektion sieht, ist das ein Film, der die Gemüter spaltet. Es gibt die, die ihn hassen und die, die ihn mögen. I liked it. 😉

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