Kritik: Tod auf dem Nil (1978)

Während sich andere Regisseure und Produzenten mit immer größeren Actionsequenzen und Materialschlachten zu überbieten versuchen, hat es Kenneth Branagh anders probiert. Sein „Mord im Orient Express“, das Remake des alten Agatha-Christie-Klassikers, besinnt sich Kritikern zufolge auf alte Tugenden, die schon das Original so beliebt gemacht haben. Passend zu dieser Neuauflage kommen auch die alten Filme in der „Agatha Christie Edition“ auf Blu Ray zurück in unsere Wohnzimmer. Ich durfte die Box sichten und beginne meine Beiträge hierzu mit der Kritik zu Tod auf dem Nil.


Handlung

Hercule Poirot will endlich einmal ausspannen und unternimmt eine Urlaubsreise auf dem Nil. An Bord des Luxusdampfers „Karnak“ ist auch die amerikanische Millionenerbin Linnet Ridgeway, die sich auf Hochzeitsreise mit ihrem frisch vermählten Ehegatten Simon Doyle befindet. Doch die Flitterwochen werden durch das jähe Ableben der schönen Braut vorzeitig beendet. Da ein Meisterdetektiv immer im Einsatz ist, übernimmt Poirot natürlich den Fall. Mit seinem Freund Colonel Race beginnt er die Ermittlungen und sticht in ein Wespennest: Offenbar haben sehr viele Passagiere ein Motiv für einen Mord – aber keiner will es gewesen sein …


Kritik

Obwohl ich ein großer Fan von klassischen Krimis bin, so ist Agatha Christies Schaffen doch völlig an mir vorüber gegangen. Natürlich habe ich schon vorher von Hercule Poirot und Miss Marple gehört, ihre Geschichten dazu sind mir bislang jedoch unbekannt gewesen. Umso mehr habe ich mich gefreut, endlich einen „Grund“ zu haben, diese Filme nachzuholen. Besonders Tod auf dem Nil war mir dabei natürlich ein Begriff, immerhin konnte der Krimi schon in seinem Erscheinungsjahr mit großartigen Schauplätzen, einer spannenden Geschichte und einem Cast der Extraklasse aufwarten. Und daran hat sich auch 40 Jahre später, so viel sei verraten, nicht viel geändert.

Beginnen wir dabei doch mit den Darstellern, die eigentlich allesamt einer Erwähnung wert wären. Peter Ustinov als schrulliger und gleichzeitig doch arrogant-sympathischer Detektiv Poirot scheint wie gemacht für die Rolle zu sein, nicht umsonst hat er es noch zu vier weiteren Filmen in dieser Rolle geschafft. Daneben hat der Cast aber noch sehr viel mehr zu bieten. Die beiden weiblichen Hauptdarsteller Lois Chiles und Mia Farrow waren ohnehin Stars, aber daneben konnte man den Film auch noch bis in die kleinsten Nebenfiguren grandios besetzen. Am meisten konnten dabei Angela Lansbury als senile Alkoholikerin und Maggie Smith als dauerwütende Haushälterin überzeugen, die seinerzeit auch für den BAFTA-Award nominiert wurden und für mich persönlich auch den Film nochmals aufwerten konnten.

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Doch jeder gute Cast bringt nichts, solange die Handlung nicht zünden kann. Doch genau da lag für mich der größte Pluspunkt des Films. Während andere Krimis ihre Verdächtigen nur kurz vorstellen und ein kurzes Motiv liefern, bekommt hier so gut wie jede Figur ihre eigene kleine Geschichte, die alle für sich schon einen eigenen Film rechtfertigen würden. In Verbindung mit den grandiosen Darstellern macht jede einzelne Szene Laune, wobei auch die an Originalschauplätzen gedrehte Szenerie mithilft. Wenn dann noch ab und zu gekonnt Humor ins Spiel kommt (wieder seien hier Smith und Lansbury erwähnt), merkt man erst, wie man einen Krimi zu inszenieren hat.

Insofern haben also Regisseur John Guillermin und die Darsteller ihren Job mehr als gut gemacht. Also bleibt nur noch die Frage, ob auch die Geschichte das liefern kann, was der große Name Agatha Christie verspricht. Und auch hier muss man sagen, dass die Geschichte selbst 40 Jahre später den Zuschauer noch fesseln kann. Alles wirkt nachvollziehbar, wobei der Täter aber bis zum Schluss nie klar ist. Der Film lädt quasi dazu ein, mitzuraten und mitzurätseln. So wie es ein guter Krimi der alten Schule machen sollte, werden einem genau wie Poirot Stück für Stück die Hinweise hingeworfen, ohne jedoch zu viel zu verraten. In diesem Sinne macht Tod auf dem Nil  also auch alles richtig, kann man denn dann noch mehr erwarten?

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Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der Film für Krimifans nahezu perfekt ist. Jedoch gibt es immer noch ein paar Schwächen, die das optimale Erlebnis etwas schmählern. So ist die Auflösung, die an dieser Stelle nicht verraten werden soll, zwar schlüssig und genial, der Weg dahin ist leider arg durch reinen Verdacht und Indizien gestützt. Das mag daran liegen, dass man heute Krimis anders aufzieht, ein bisschen hat es dennoch gestört. Genau so liegt es auch an modernen Sehgewohnheiten, dass die Special Effects, wenn man sie so nennen mag, stark veraltet wirken, weil sie es nun mal sind. Manch einer wird dadurch den Film nicht mögen, insgesamt ist es aber kein Grund, diesen tollen Film nicht zu schauen.


Fazit

Tod auf dem Nil ist genau das, was man sich von einem klassischen Krimi erhofft. Alle bekannten Bausteine, wie das Sammeln von Beweisen und das abschließende Lösen des Falles vor versammelter Gruppe sind vorhanden. Aufgewertet wird der Film zudem aber auch noch durch einen unfassbar gut aufgelegten Cast, tolle Schauplätze und perfekt eingestreuten Humor. Somit gilt dieser Krimi zurecht als Klassiker, auch wenn kleine Schwächen in Optik und Struktur der Geschichte den perfekten Genuss verhindern.

9

Die Agatha Christie Edition ist ab sofort erhältlich.


Cast

  • Regisseur: John Guillermin
  • Drehbuch: Anthony Shaffer

Hauptdarsteller

Darsteller Figur
Peter Ustinov Hercules Poirot
Lois Chiles Linnet Ridgeway
Mia Farrow Jacqueline De Bellefort
Simon MacCorkindale Simon Doyle

 

Nebendarsteller

  • Jane Birkin
  • George Kennedy
  • David Niven
  • Maggie Smith
  • Bette Davis
  • Jack Warden
  • Angela Lansbury

Die Filme von John Guillermin

  • High Jinks in Society (1949)
  • Torment (1950)
  • Smart Alec (1951)
  • Two on the Tiles (1951)
  • Four Days (1951)
  • Song of Paris (1952)
  • Miss Robin Hood (1952)
  • Strange Stories (1953)
  • Operation Diplomat (1953)
  • Adventure in the Hopfields (1954)
  • The Crowded Day (1954)
  • Im Sturm der Leidenschaft (1956)
  • Eine Stadt steht vor Gericht (1957)
  • Besuch um Mitternacht (1958)
  • Ich war Montys Double (1958)
  • Tarzans größtes Abenteuer (1959)
  • Bankraub des Jahrhunderts (1960)
  • Der Marder von London (1960)
  • Walzer der Toreros (1962)
  • Tarzan erobert Indien (1962)
  • Schüsse in Batasi (1964)
  • Irrwege der Leidenschaft (1965)
  • Der blaue Max (1966)
  • Der Gnadenlose (1968)
  • Jedes Kartenhaus zerbricht (1968)
  • Die Brücke von Remagen (1969)
  • El Condor (1970)
  • Endstation Hölle (1972)
  • Shaft in Afrika (1973)
  • Flammendes Inferno (1974)
  • King Kong (1976)
  • Tod auf dem Nil (1978)
  • Mr. Patman (1980)
  • Sheena (1984)
  • King Kong lebt (1986)
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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hach. Was habe ich die gern gesehen. Das schreckt mich aber auch davor ab, mir den neuen anzugucken. Tod auf dem Nil müsste ich noch mal sehen, habe nur eine vage Erinnerung

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  2. Dieser Film wird ja gefühlte 177 Mal jedes Jahr wiederholt und dennoch bleibe ich immer wieder daran hängen und schaue ihn. Er ist einfach soo gut und weist eine tolle Riege großartiger SchauspielerInnen auf. Leider ist Peter Ustinov für mich die Idealbesetzung des Hercules Poirot , so dass ich andere Schauspieler in dieser Rolle kaum akzeptieren kann (Hallo, Kenneth, ja du bist gemeint). 😉

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  3. blaupause7 sagt:

    Tod auf dem Nil sehe ich mir auch immer wieder gerne an, auch wenn ich weiß, wie der Film ausgeht.

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