American Vandal – Staffel 1 – Kritik

American Vandal – Das spannendere Making a Murderer

In einer Zeit, in der kaum noch der Überfluss an Serien adäquat ausgenutzt werden kann, gibt es dann doch immer mal wieder diese kleinen Perlen, an die man niemals geglaubt hat, die plötzlich da sind und einen vollkommen in ihren Bann ziehen. So erging es mir kürzlich beim Schauen der neuen Netflix-Serie American Vandal, die im Mockumentary-Stil den Vandalismus an einer Highschool aufarbeitet. Obwohl ich nicht der Typ bin, der eine Serie unbedingt bingen muss, habe ich American Vandal in zwei Tagen durchgeguckt und muss sie nun einfach jedem empfehlen, den ich zu fassen kriege. Das liegt nicht nur an dem grandiosen Humor, sondern auch an der Ernsthaftigkeit, die man trotz des albernen Grundtons hineinbringen konnte. Was das genau bedeutet, versuche ich heut in meiner Kritik zu klären.


Handlung

Dylan ist ein Idiot. Er dreht nur für ihn und seine Freunde lustige Youtube-Prank-Videos und ist auch in der Schule nicht der fleißigste Mitschüler. Als eines Tages dann alle Autos auf dem Parkplatz der Highschool mit Penissen bemalt sind, liegt es nahe, Dylan mit seiner Vergangenheit vorzuverurteilen. Der Moderator der Schulnews, Peter, ist von seiner Schuld jedoch nicht überzeugt und startet seine eigenen Nachforschungen. Dabei stößt er nicht nur auf Widersprüche, sondern auch auf die Abgründe im Leben von Lehrern, Mitschülern und Lehrern. Dennoch schwingt im Hintergrund immer die Frage: Wer hat die Penisse gemalt?


Kritik

Was für einen Eindruck die Serie hinterlassen kann, wurde mir ersichtlich, als ein Freund auf meinen Rat hin die American Vandal geschaut hat und mich anschließend fragte, ob es denn nun eine wahre oder erfundene Geschichte sei. Obwohl die Geschichte also dermaßen absurd und die Aufbereitung der Geschehnisse so übertrieben sind, bleibt doch noch ein kleiner Zweifel, ob wir nun eine Mock- oder doch eine Dockumentary schauen. Ich kannte eine der Hauptpersonen (VORNAME NACHNAME) schon aus „22 Jump Street“, ansonsten wäre ich wohl selbst auch nie 100-prozentig sicher gewesen. Insgesamt beschreibt das aber perfekt, inwiefern die Serie trockenen Humor und beobachtende Sozialstudie zusammenfasst.

Dabei lässt sich die Komik der Serie gar nicht so einfach in ein Genre einordnen. Zu Beginn glaubt man noch, es mal wieder mit einer komplett albernen Serie zu tun zu haben, doch im Laufe der Zeit schwankt das immer weiter zu einer trockeneren, ernsteren Komik, bei der einem durchaus mal das Lachen im Hals stecken bleiben kann. Dabei schwingt im Hintergrund aber immer noch der eigentliche Konflikt mit, dass es nun mal um Penisse geht, die auf Autos geschmiert wurden. Mit dieser Prämisse kann die Serie also nie komplett ins Drama abdriften, was ihr jedoch auch gut tut.

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Peter und Sam glauben nicht an Dylans Schuld…

 

Umso überraschender ist es dafür, dass gerade die ernsteren und nachdenklicheren Momente am Ende im Gedächtnis bleiben. Besonders das Grundthema der Serie, wer nun ein Rüpel und wer im Grunde eigentlich ein guter Mensch ist, lässt den Zuschauer auch nach dem letzten Abspann noch grübelnd zurück. Ebenso gibt es keine Figur, mit der man mitfiebern könnte. Die „Doku“ folgt natürlich einigen Figuren, hauptsächlich dem „American Vandal“ und den beiden Regisseuren der Dokumentation, doch haben diese genügend Fehler und schlechte Eigenschaften, dass sie auch schon fast als Antagonist hätten agieren können. So ist es eben die Ungewissheit, wer nun richtig gehandelt hat, die wohl der größte Pluspunkt von American Vandal ist.

Das soll aber natürlich nicht heißen, dass die Figuren nicht interessant sind, im Gegenteil. Ich habe selten eine Serie gesehen, die mit solch einer geringen Anzahl an Episoden, so vielen Figuren einen charakterlichen Werdegang eingeräumt hat. Zu Beginn ist alles klar, der Idiot hat die Penisse gezeichnet, der Nerd versucht, alles aufzuklären und die nette Lehrerin ist das große Opfer der Geschichte. Doch all diese Figuren und noch ein gutes weiteres Dutzend lassen sich nicht einfach in diese Sparten einordnen, vielmehr öffnen sich immer weitere Türen, die einen größeren Blick zulassen. Auch mit der Gefahr, mich zu wiederholen: Gerade hier ist die große Stärke der Serie, dass diese Werdegänge immer nachvollziehbar sind und den Zuschauer mitreißen können.

Abschließend muss ich jedoch auch die Regiearbeit ausdrücklich loben. Es ist eine Sache, eine Serie nach einem festen Drehbuch zu drehen. Man hat oft nur geringe Einblicke in gewisse Szenerien und sieht nicht das große Ganze, sodass kleinere Fehler in der Inszenierung nicht weiter auffallen. Bei American Vandal ist das anders. Von der ersten bis zur letzten Episode ist alles aufeinander abgestimmt und alles wirkt so, wie man sich im echten Leben eine Highschool vorstellt, ohne Übertreibungen, ohne wichtige Aspekte auszulassen. Die eindrucksvollste Szene ist dabei die Aufklärung, wer eine alte Dose auf einer Hausparty gestohlen hat. Es gibt von ein und derselben Party so viele Einstellungen, die alle zueinander passen müssen. Dies zu drehen und den Überblick zu behalten, ist eine Mammutaufgabe, die ich vergleichbar bislang nicht gesehen habe.

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… und auch die Lehrer sind nicht überzeugt.

 


Fazit

American Vandal ist für mich das absolute Highlight des Jahres. Ich wurde von der ersten bis zur letzten Episode mitgerissen, sowohl vom trockenen Humor, als auch von den tiefgründigen, spannenden Figuren. Zudem lädt die Inszenierung als Dokumentation immer wieder zum Mitraten ein. Wer also mal müde ist von opulenten Fantasy-Gemetzeln und vom brachialen Zombie-Horror, der findet hier eine Serie, die so gut wie alle Gemüter ansprechen sollte: Die Junggebliebenen, die Drama-Freunde und natürlich auch die Komiker. Alles in allem also eine perfekte Serie.

 

10


Cast

  • Showrunner: Dan Lagana
  • Creator: Tony Yacenda, Dan Perrault

Hauptdarsteller

Darsteller Figur
Tyler Alvarez Peter Maldonado
Griffin Gluck Sam Ecklund
Jimmy Tatro Dylan Maxwell

 

Nebendarsteller

  • Lou Wilson
  • Jessica Juarez
  • Camille Hyde
  • Camille Ramsey
  • Genevieve Hannelius
  • Karly Rothenberg
  • Calum Worthy
  • Ryan O’Flanagan

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 8,8/10

9


Bildrechte liegen bei Netflix

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wie du ja schon lesen konntest, war ich von der Serie ebenfalls recht angetan – aber volle Punktzahl ist ja mal ne Nummer! 😉
    Dafür wurde ich letzten Endes nicht genug mitgerissen

    Gefällt 1 Person

    1. Staffmann sagt:

      Also ich war von Anfang bis Ende voll dabei 😀 Und wie gesagt, dass hat dieses Jahr sonst keine Serie geschafft ^^

      Gefällt 1 Person

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