Kritik: Fargo – Staffel 1

In der heutigen Zeit gibt es nur noch wenige Regisseure, die beständig gute Filme produzieren. Christopher Nolan gehört dazu, Wes Anderson und Edgar Wright auch. Doch meiner Meinung nach gibt es nur einen Regisseur, bzw. ein Regisseurpaar, die schon wesentlich länger arbeiten und dennoch nur gute Filme gemacht haben: Ethan und Joel Coen, die Coen-Brüder. In ihrer langen Filmographie gibt es ewige Klassiker wie „The Big Lebowski“, „No Country for old Men“ und eben Fargo. Genau diesen fand ich überraschend langweilig, weshalb ich auch der Serienadaption mit eher gemischten Gefühlen entgegengefiebert habe. Doch ich wurde nicht enttäuscht, ich wurde begeistert.

Ähnlich wie im Film geht es in der Serie um ein Verbrechen, das ein kleines Dorf in der Nähe von Fargo im Norden der USA aus dem gewohnten Trott reißt. Nachdem sich die Wege des Versicherungsverkäufers Lester Nygaard (Martin Freeman) und des Serienkilles Lorne Malvo (Billy Bob Thornton) kreuzen, entwickelt sich eine Spirale aus Gewalt und Bestechung, die nur durch die Polizeiarbeit der jungen Molly Solverson (Allison Tolman) und des Streifenpolizisten Gus Grimly (Colin Hanks) unterbrochen werden kann.

Mehr kann man zur Handlung auch nicht verraten, da es von der ersten bis zur letzten der zehn Episoden genug Überraschungen und Wendungen für fünf normale Serien. Aber „Fargo“ ist nicht normal. Ich würde nicht übertreiben, wenn ich sage, dass „Fargo“ locker in den Top 5 der besten Serien aller Zeiten dabei ist. Dabei spielen so viele Faktoren eine Rolle, die man gar nicht einfach alle aufzählen kann, man muss sich die Serie einfach selber ansehen. Auf ein paar Punkte muss ich aber dennoch eingehen.

Der erste Punkt ist dabei die schauspielerische Leistung. Während die Nebenbesetzung (u.a. Bob Odenkirk, Keith Carradine und Adam Goldberg) durchgängig hervorragend spielt, kann die Leistung der Hauptdarsteller einfach nur als atemberaubend bezeichnet werden. Eigentlich tun mir Allison Tolman und Colin Hanks schon fast Leid. Sie spielen ihre Rollen wirklich überzeugend, aber im Vergleich zu Freeman und Thornton kann man nur abfallen. Während Billy Bob Thorntons Leistung sofort ersichtlich genial ist, wird die von Freeman erst langsam wirklich ersichtlich. Er schafft es einfach, den am Anfang bemitleidenswerten Lester immer fieser und  hassenswerter wirken zu lassen. Diese Wandlung ist dermaßen gelungen dargestellt, dass die beiden Nominierungen bei den Golden Globe nicht wirklich überraschend waren. Überraschend war dabei eher, dass beide Darsteller keinen Preis bekommen haben.

Ein weiterer Punkt ist das Setting. Das Motiv der Kleinstadt, die durch ein Verbrechen dermaßen aufgewühlt wird, ist nicht neu, schließlich wurde es im Film bereits genutzt. Aber in der Serie wird die Thematik dermaßen perfekt ausgespielt und auch grafisch dargestellt, dass es nah an die Perfektion rankommt. Jede einzelne Szene ist entweder herzzerreißend spannend oder auf eine skurrile schwarze Art unglaublich witzig. Die besten Szenen vereinen dabei beides und sind Gott sei Dank nicht zu selten gesät.

Bevor ich mich jetzt weiter in Lobgesängen verliere, mache ich einfach mal Schluss. Die erste Staffel von Fargo schraubt die Erwartungen an die zweite Staffel, die im Herbst erscheint, dermaßen in der Höhe, dass die kaum erfüllt werden können. Natürlich wäre es schön, wenn das Niveau wieder erreicht werden kann, doch das darf stark bezweifelt werden. und wenn das nicht der Fall sein wird, so hätte ich es mir doch gewünscht, die erste Staffel einfach in ihrer Perfektion stehen gelassen zu haben.

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