Kritik: The Big Short

Bereits letztes Wochenende haben wir vom Filmexe-Blog uns gemeinsam ins Kino gesetzt und uns Adam McKay’s The Big Short angesehen. Eins vorab: Wir waren uns allesamt einig, dass wir den Film sehr gut fanden, doch uns allen fehlte hier und da das wirtschaftsspezifische Hintergrundwissen, um gewissen Dialogen gänzlich folgen zu können. Sollte man finanzökonomisch also nicht bewandert sein und man den Film im O-Ton sieht, schadet es nicht, sich ein oder zwei Begriffsdefinitionen doch vorab einmal durchzulesen, auch wenn die wichtigsten im Film durchaus kurz erläutert werden. Doch dazu gleich mehr.


Handlung

The Big Short basiert auf dem gleichnamigen Roman The Big Short: Inside the Doomsday Machine von Publizist und Wirtschaftsjournalist Michael Lewis und befasst sich mit dem amerikanischen Finanzmanagement und vornehmlich dem Immobilienmarkt während der Jahre 2004 bis zum Zusammenbruch 2008. Der Hedgefond-Manager Michael Burry (Christian Bale) macht sich ab 2004 daran, die Bücher und Zahlen einiger großen Baufinanzierungen akribisch unter die Lupe zu nehmen und zu analysieren – um zu dem Schluss zu kommen, dass der angeblich so grundsolide Immobilienmarkt wohl weit weniger stabil ist, als allgemein angenommen. Doch für seine Thesen und folgenden Investitionen die notwendige Rückendeckung zu erhalten, erweist sich als schwierig. Eine Gruppe Investmentbanker der Bank Morgan Stanley rund um Mark Baum (gespielt von Steve Carell, echter Name Steve Eisman) wird auf Burrys Behauptungen aufmerksam und macht sich daran, den Immobilienmarkt auf illegale oder niemals vollständig finanzierbare Hypotheken abzuklopfen und die von den großen Ratingagenturen vergebenen AAA oder AA Ratings zu hinterfragen.


Kritik

Mehr soll es an dieser Stelle auch zur Handlung gar nicht geben. Wie Eingangs bereits erwähnt schadet es nicht, folgende Begriffe vorab zumindest einordnen zu können:

(subprime) Mortgage-backed security – Bezeichnet ein Hypothekenbesichertes Wertpapier, eine Anleihe, deren Forderungen durch Zinz- und Tilgungszahlungen beglichen werden. Der Zusatz (subprime) bezeichnet die eigentlich nicht ausreichend vorhandene Bonität des Schuldners und das damit einhergehende größere Investmentrisiko der Hypothekengeber.

Für den zweiten Begriff CDO gibt es ein nettes Zitat von McKay:

„Ich dachte, ‘Oh, mein Gott, das ist die perfekte Metapher für eine Collateralized Debt Obligation [CDO – Besicherte Schuldverpflichtung], in die die Banken einen Haufen zweifelhafter Hypotheken hineinpacken und es als dreifach-A gewertetes Finanzprodukt verkaufen.’“

Und das sollte auch genügen, denn keine Sorge, der Film lässt den Zuschauer nicht gänzlich hängen und so erklärt unter anderem Margot Robbie, während sie ein Schaumbad nimmt und am Champanger nippt, was es mit subprime Anleihen auf sich hat, und Selena Gomez sitzt am Pokertisch mit Ökonom Richard H. Thaler und erläutert die Funktionsweise eines CDO.

Neben diesen kurzen Gastsequenzen wartet der Film mit einem ungewöhnlichen aber zumindest mir positiven aufgefallenen Schnitt auf, so wird der Kameraschwenk manches Mal eingefroren und wir haben ein verwaschenes Bild, auf dem ein wenig erklärender Text eingeblendet wir. Mir hat es wie gesagt gefallen, dem Oscar-Komitee anscheinend auch, schließlich ist The Big Short unter anderem auch in der Kategorie bester Schnitt nominiert.

Schauspielerisch sind nach meinem Empfinden vor allem die Leistungen von Christian Bale und die von Steve Carell hervorzuheben, am Schauspiel von Brad Pitt, Ryan Gosling u.a. gibt es aber auch überhaupt nichts auszusetzen. Bale sticht durch sein teilweise eigenartig anmutendes Mimikspiel, noch verstärkt durch Silberblick und Glasauge, positiv heraus, eine Oscarnominierung für den besten Nebendarsteller freut mich, eine Auszeichnung halte ich allerdings doch für sehr unwahrscheinlich. Auch Steve Carell’s cholerische Ausbrüche, bzw. wie er versucht, diese im Zaum zu halten, haben mir gefallen.


Fazit

Auch der Soundtrack ist sehr schön ausgewählt und eingesetzt, ich habe mir diesen direkt am nächsten Tag rausgesucht und noch einmal komplett durchgehört. Insgesamt kann ich als Fazit nur sagen: Sollte Euch die Thematik nicht gänzlich abschrecken, so ist The Big Short sehr sehenswert und bietet sowohl für wirtschaftlich versierte als auch für die ohne großes finanzökonomisches Hintergrundwissen spannende 2 Stunden Unterhaltung und einen kleinen, verständlichen Einblick in ein komplexes System mit Explosivkraft.

8


Cast

  • Regisseur: Adam McKay
  • Drehbuch: Charles Randolph, Adam McKay

Hauptbesetzung

Darsteller Rolle
 Christian Bale  Michael Burry
Steve Carrell   Mark Baum
Ryan Gosling Jared Vennett
Brad Pitt  Ben Rickert

Nebenbesetzung

  • Finn Wittrock
  • John Magaro
  • Jeremy Strong
  • Rafe Spall
  • Hamish Linklater

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 8,7/10

9


Die Filme von Adam McKay

  • Anchorman (2004)
  • Ricky Bobby (2006)
  • Stiefbrüder (2008)
  • Die etwas anderen Cops (2010)
  • Anchorman 2 (2013)
  • The Big Short (2015)
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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jap, ich denke auch, dass das die bestmögliche Art ist, einen Film über solch ein Thema, wo alle unbewanderten (also alle) nach drei Sekunden desinteressiert abschalten, zu inszenieren.

    Gefällt 1 Person

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