Kritik: Mängelexemplar

Seit langer Zeit habe ich mal wieder einen deutschen Film im Kino gesehen. Mängelexemplar basiert auf dem gleichnamigen Buch von Sarah Kuttner. Frau Kuttner kannte ich bisher nur aus einigen Fernsehformaten und war dementsprechend gespannt, wie sich ihr Buch als Filmvorlage eignet.

Handung

Claudia Eisinger schlüpft in die Rolle der 28jährigen Karo, deren Leben auf den Kopf gestellt wird, als sie ihren Job verliert. Auch mit ihrem Freund läuft es alles andere als rund. Die hochemotionale und von Wutausbrüchen geplagte Karo stürzt in eine tiefe Depression, gegen die sie medizinische Hilfe als auch die ihrer besten Freundin sucht. Letztere aber kommt mit Karos Wankelmut und egozentrischem Verhalten nicht länger zurecht, sie hat schließlich selbst Probleme und Tiefpunkte und findet die Aufmerksamkeitsverteilung mehr als ungerecht. Wellenartig ziehen sich Karos Stimmungshochs und -Tiefs durch den Film und nehmen den Zuschauer mit in eine sehr brüchige Gefühlswelt. Beziehungen entstehen, gehen in die Brüche, Freundschaften werden aufgebrochen und unter vielen Tränen wiederbelebt. Und auch Katja Riemann ist mit von der Partie und schlüpft in die Rolle von Karos Mutter, die unter den gleichen Problemen litt, wie ihre Tochter und versucht, für ihre Tochter wieder eine einfache Tagesstruktur aufzubauen. Doch gleichzeitig bremsen sie sich wieder gegenseitig aus und Karo versucht wieder auf eigene Faust, gegen die Depressionsausbrüche zu kämpfen.


Kritik

Dem Film gelingt es nahezu perfekt, den Zuschauer in die Welt der Depression mitzunehmen, da Karos Gedanken und innere Zwiegespräche wie eine Kommentarspur mitlaufen. Man hört und spürt das Herzklopfen, leidet mit durch schlaflose Nächte, gerafft in wenige Minuten und doch intensiv, verstärkt durch visuelle und akustische Effekte. Claudia Eisinger transportiert sehr überzeugend die Probleme, deren sich die Protagonistin ausgesetzt sieht, leider spielt sie aber die anstrengende und teils auch unsympathische Karo so gut, dass es manchmal schwierig wird, Mitgefühl aufzubauen. Dennoch hatte ich nicht damit gerechnet, dass es diesem Film so gut gelingen würde, das Krankheitsbild der Depression so gut abzubilden. Schön fand ich auch, wie die Regisseurin Laura Lackmann ihre Intention beschreibt:

Ich wollte, dass der Film trotz seines Themas nicht abschreckend wirkt, sondern für jeden zugänglich ist. Mängelexemplar ist wie ein Märchen – von außen bunt, wild und phantasievoll – und hat trotzdem einen ernsten Kern. Im Kostüm  haben wir zum Beispiel einen Pullover mit einem schwarzen Punkt auf dem Herzen, der mit Karos Trauer wächst. Wenn Karo den Mut verliert, gehen stellvertretend in ganz Berlin die Lichter aus. […] Der Film ist reich an Details, die man entdecken kann, und wirkt deswegen manchmal ein bisschen so, als hätte ein Gastgeber zu viel Zeit gehabt, einen Tisch zu decken.

Und ich denke, dass der Plan mit der Zugänglichkeit aufgegangen ist. Neben all den dramatischen und emotionalen Momenten besitzt der Film auch einen hohen Unterhaltungswert und langweilt nicht. Allerdings hätte man für mein Empfinden, die letzte halbe Stunde komprimieren können, vielleicht hätte mir ein früheres Ende sogar besser gefallen, da sich einige Situationen zu wiederholen scheinen.

Maengeleexemplar/UFA FICTION 2014
SZ 122 LUZYS WHG / WOHNZIMMER Festliches Weihnachten bei Luzy, Anna fängt an zu heulen, KARO- CLAUDIA EISINGER, LUZY- KATJA RIEMANN

Fazit

Es ist lange her, dass ich mal einen deutschen Film gesehen habe, der mir gefallen hat, damit stellt Mängelexemplar schon mal eine wirkliche Ausnahme dar. Und ich würde den Film auf jeden Fall weiterempfehlen, allerdings war ich während des Films und auch  hinterher nicht entspannt, zur leichten Berieselung eignet sich dieser Film nicht. Das will der Film aber auch nicht, daher wurde meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Wer nicht gänzlich von der Thematik abgeschreckt ist, für den gibts hier den Trailer:

7


Cast

  • Regisseurin: Laura Lackmann
  • Buchvorlage: Sarah Kuttner

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
Claudia Eisinger Karo
Mutter Luzy Katja Riemann
Oma Bille Barbara Schöne
Anna Laura Tonke
Max Maximilian Meyer-Bretschneider

Nebendarsteller

  • Maren Kroymann
  • Christoph Letkowski

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,0/10

7


Die Filme von Laura Lackmann

  • Mängelexemplar (2016)
Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. ivonni21 sagt:

    Es scheint so, als schrecken dich deutsche Filme im Kino eher ab. Mir geht es zumindest so. Ich war letzte Woche auch in einem deutschen Film – zum dritten Mal in meinem Leben ☺

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s