Kritik: Girl On The Train

Einigen Kommentaren und Kritiken zum Film „Girl On The Train“ konnte ich entnehmen, dass die Resonanz auf diesen Film sehr gemischt ausfällt. Daran scheint auch die Romanvorlage ein wenig Schuld zu sein, da einige sich vom Buch der Autorin Paula Hawkins aufgrund der Bestsellerposition sehr viel versprochen haben, und diese nicht immer nachvollziehen konnten (zumindest bekam ich diese Reaktion schon vor 10 Tagen gleich zwei mal in den Kommentaren zu meiner Dienstagsumfrage). Mir war die Buchvorlage zuvor nicht bekannt, ließ mich also durch nichts abschrecken und ging komplett ohne jegliche Erwartungshaltung in diesen Film. Wie ich immer wieder feststellen muss, ist das eigentlich die beste Voraussetzung für ein spannendes Kinoerlebnis.


Handlung

Rachel (Emily Blunt) hat ihre Scheidung sehr zugesetzt. Sie ist glücklich gewesen mit ihrem Mann Tom (Justin Theroux), der sie durch eine andere ersetzt hat. Und Rachel hat ein großes Alkoholproblem – für Tom der Grund, weshalb die Ehe keine Zukunft hat. Nachdem Rachel auch ihren Job verloren hat, vertreibt sie sich die Zeit damit, mit dem Zug jeden Tag die gleiche Strecke zu fahren – und in Selbstmitleid zu versinken, während sie an Häusern vorbeifährt, die sie jedes Mal an ihr früheres Leben erinnern. Von ihrem Sitz aus kann sie jeden Tag für ein paar Sekunden einen Blick auf ein scheinbar perfektes Paar auf ihrem Balkon und in ihrem Garten erhaschen. Doch der Schein trügt und bekommt eine düstere Komponente, in die sich auch Rachel verwickeln lässt.. oder sie angestoßen hat? Man weiß es nicht… nicht einmal Rachel weiß es.

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Scott (Luke Evans) und Megan (Haley Bennett) scheinen auf den ersten Blick alles zu haben, was Rachel so schmerzlich vermisst ©2016 CONSTANTIN FILM/ STORYTELLER DISTRIBUTION CO., LLC

Kritik

„Girl On The Train“ hat eine Laufzeit von knapp 2 Stunden, und für diese Zeitspanne war der Umfang der Handlung wirklich passend. Es gab die klassische Charaktervorstellung, die an einigen Stellen etwas überspitzt sein mag, was aber vor allem dank sehr starkem Schauspiels seitens Emily Blunt mehr als verzeihlich ist. Darüber hinaus bietet der Film viele spannende Elemente eines klassischen Krimis, verzichtet aber auf Actionelemente wie überflüssige Verfolgungsjagden. Hinzu kommen einige Wendungen, die ich so nicht hab kommen sehen, natürlich wirkt dies teilweise sehr konstruiert, vor allem, wenn es in 2 Std. gerafft werden muss. Das bringt ein Krimi/Thriller aber oftmals mit sich und hat mich wenig gestört. Ich kann allerdings jeden verstehen, der auf den Film verzichtet, nachdem er das Buch gelesen hat. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte die Handlung zuvor gekannt, dann hätte mir der Film wenig gebracht. Und auch für einen langen Roman kann ich mir vorstellen, dass die Handlung nicht ausgetüftelt genug ist, ich habe die Vorlage jedoch nicht gelesen und möchte nicht zu viel mutmaßen. Auf der anderen Seite wurde der Roman erst 2015 veröffentlicht und hat es innerhalb von nur einer Woche in die New York Times Bestsellerliste geschafft und sich weltweit ausgesprochen gut verkauft. Zahlreiche Buchrezensionen gibt es zu lesen, und für alle, die bezüglich des Buches Interesse an verschiedenen Meinungen haben, an dieser Stelle ein kurzer Verweis auf zwei Blog-Rezensionen:

positiv: Bücherleser       eher negativ: Was mit Worten

Damit aber genug vom Roman, dieser spielt für meinen Eindruck des Films keine Rolle. Der gesamte Cast, nicht nur Emily Blunt, sondern auch Rebecca Furguson, Haley Bennet, Justin Theroux und Edgar Ramirez verkörpern ihre Rolle überzeugend. Haley Bennett, bzw. ihre Rolle Megan, wirkt über weite Strecken des Films emotionslos, was aber eine bewusst gesetzte Eigenschaft ist und, wie man später im Film erfährt, auch eine klare Ursache hat. Fast alle Figuren im Film sind unberechenbar und für den Zuschauer nicht gänzlich einzuordnen, so wie sich das in einem Krimi gehört, man kann während des Films viel Spaß an Spekulationen haben, wer wohl eine Maskerade betreibt und wie sich die Geschichte am Ende auflösen lässt. Die letzten 30 Sekunden des Films hätten so wirklich nicht sein müssen, aber das sind nur Kleinigkeiten.


Fazit zu Girl on the train

Ein hochspannender Thriller, eine überzeugende Besetzung, ein nicht zu leicht zu durchschauender Handlungsverlauf. Ein, zwei Stellen, bei denen ich sogar überlegt habe, kurz wegzusehen – etwas Blut fließt also auch. Auf jeden Fall einer der spannendsten Filme, die ich in letzter Zeit im Kino gesehen habe. Für alldiejenigen, die die Romanvorlage nicht kennen, eine unbedingte Empfehlung, eine echte Überraschung.

8


Weitere Meinungen

  • Schnitt: 5,1/10

5


Die Filme von Tate Taylor

  • Pretty Ugly People (2008)
  • The Help (2011)
  • Get on Up (2014)
  • Girl on the Train (2016)
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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Super geschrieben
    Ich empfand den Film nicht so spannend, fand die Inszenierung sehr langatmig
    Aber durch das Schauspiel von emily blunt sehenswert
    Gruß
    Tom

    Gefällt 1 Person

    1. JOHN sagt:

      Vielen Dank 🙂 Das mit der Langatmigkeit kann durchaus sein, daran stör ich mich in der Regel bloß nicht so sehr. Gruß, John

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      1. mich hat es halt gestört, speziell am schluss ist es mir aufgefallen. War schon unruhig 🙂

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  2. Mya sagt:

    Hi!
    Ich habe mir den Film am Samstag angeschaut. Ich bin auch ohne jegliche Erwartungshaltung in den Film. Ich habe noch nicht mal gewusst um was es geht.
    Ich fand die Handlung sehr interessant, am Anfang vielleicht etwas lahm, aber irgendwann kam dann doch ein gewisses Tempo rein.
    Leider kann man sich den Film nur einmal anschauen. Ich glaube kaum, das wenn man die Auflösung kennt, nochmal so eine Spannung reinbekommt.

    Gefällt 1 Person

    1. JOHN sagt:

      Das stimmt, kein Film zum Mehrfach-anschauen 🙂

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