Kritik: Florence Foster Jenkins

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(c) Constantin Film

Meryl Streep ist schon jetzt eine Legende in Hollywood. Mit ihren drei Auszeichnungen und den neunzehn Nominierungen hat sie hält sie bei den Oscars alle Rekorde und das wohl zurecht. Es gibt niemanden, der sie für ein schlechte Schauspielerin hält. In solchen Diskussionen habe ich mich bislang immer zurückgehalten, immerhin kannte ich noch keinen Film mit ihr. Kürzlich hatte ich nun aber die Gelegenheit, Florence Foster Jenkins mit Meryl Streep in der Hauptrolle zu sehen, und endlich habe ich auch die Möglichkeit, über die Schauspielerin zu sprechen. Ob ich dabei gute Worte verliere und ob der Film über die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten sehenswert ist, erfahrt Ihr nun in meiner Kritik.


Handlung

„Florence Foster Jenkins“ erzählt die wahre Geschichte der gleichnamigen, legendären Erbin und exzentrischen Persönlichkeit im New York der 40er-Jahre. Geradezu zwanghaft verfolgt sie ihren Traum, eine umjubelte Opernsängerin zu werden. Die Stimme, die sie in ihrem Kopf hört, ist wunderschön – für alle anderen klingt sie einfach nur grauenhaft. Ihr „Ehemann” und Manager, St. Clair Bayfield, ein englischer Schauspieler von Adel, ist entschlossen, seine geliebte Florence vor der Wahrheit zu beschützen. Als Florence aber beschließt, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall zu geben, muss sich St. Clair seiner größten Herausforderung stellen.


Kritik

Das tolle an Biopics sind meiner Meinung nach nicht unbedingt die Geschichten, die einem im Film erzählt werden, sondern vielmehr das Interesse, das bei mir im optimalen Fall an der gezeigten Person entfacht wird. Für mich gilt so ein Film als gelungen, wenn ich danach noch Lust habe, mehr über die Geschehnisse zu erfahren. In diesem Sinne muss ich Florence Foster Jenkins als rundum gelungen einstufen. Ich habe vorher noch nie von der namesngebenden Frau gehört, danach habe ich mir aber mehrere Artikel über ihr Leben uns Schaffen durchgelesen. Dabei ist ihre Geschichte zwar tragisch und witzig zugleich, hier sind es aber vor allem die Inszenierung und die Darsteller, die einem die Geschichte auf so eine Art und Weise näherbringen, dass ich mich selten einer Filmfigur so nahe gefühlt habe.

Das Setting der 40er-Jahre, kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs, bietet dem Regisseur Stephen Frears schon einmal viele Möglichkeiten, New York in einem interessant, weil ungewohnten Licht zu zeigen. Jedoch sind vielmehr die Kostüme und die Einrichtungen der Wohnungen und Opernhäuser noch beeindruckender. Immer wieder wandelt das Setting zwischen pompösen Adelsleben und der Wohnung des kleinen Mannes. So wird einem ein kleiner Einblick gegönnt in die verschiedenen Leben der damaligen Zeit, die alle ihre Vorzüge haben und auf ihre Weise einladend und abschreckend zugleich sind.

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(c) Constantin Film

Der zweite postive Aspekt, den ich oben genannt habe, sind die Darsteller. Und da wird der gesamte Film durch die drei Hauptdarsteller getragen. Meryl Streep und Hugh Grant sind ja ohnehin schon als tolle Darsteller bekannt und können diesen Ruf hier auch locker unterstreichen. Besonders Hugh Grant konnte mich mehr als überzeugen, sein Wandel zwischen frohem Lebemann und nachdenklichem Künstler ist grandios gespielt und hat mich doch sehr überzeugt. Ebenso möchte ich nicht wissen, wie lange Streep ihre schlechten Gesangseinlagen üben musste, da sie es ja kann, hat sie schon in „Mamma Mia!“ gezeigt. Aber auch daneben zeigt zie ihr ganzes Können und hat mir bewiesen, dass sie ihre Oscars nicht umsonst gewonnen hat. Der eigentliche Star des Films ist jedoch Simon Helberg, den die meisten wohl aus „The Big Bang Theory“ kennen werden. Etwas verschroben spielt auch er seine Figur, einem liebenswerten Pianisten, der sich immer zu Jenkins hingezogen wühlt, perfekt und vor allem authentisch. Da Meryl Streep ihre Nominierung schon sicher hat, würde ich mich aber umso mehr freuen, wenn man auch noch Grant und Helberg zumindest in Betracht ziehen würde. Alle drei heben den Film noch einmal auf ein anderes Level.

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(c) Constantin Film

Die große Stärke des Films ist aufgrund der tollen darstellerischen Leistungen aber auch der Wechsel zwischen Komödie und Tragödie. Besonders der Wandel vom Anfang bis zum Ende ist so toll bermerkbar, dass man sich fragt, wie es schleichend dazu kommen konnte. Ohne zu viel zu verraten, erwischt man sich immer mehr, wie man seine Meinung zu Beginn des Films komplett geändert hat und so bei nahezu identischen Szenen zu Beginn lachen musste, während man am Ende eher mitleidig zuschaut. Solche Entwicklungen gibt es zuhauf innerhalb des Films, sodass man auch nach dem Kinobesuch noch Diskussionsbedarf hat. Damit hätte ich bei einem Film über eine schlechte Opernsängerin gewiss nicht gerechnet.

Ansonsten muss leider noch erwähnt werden, dass der Film mal wieder etwas zu lang ist. Es gibt zwischendurch immer mal wieder Szenen, die meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig waren. So stellt sich auch immer mal wieder leichte Langeweile ein, die dem sonst so tollen Schwung der Iszenierung entgegen tritt. So ist auch der Unterschied zwischen den Haupt- und den Nebendarstellern zu merken. Während die drei oben genannten herausragend spielen, hat nahezu der gesamte restliche Cast keinen Wiedererkennungswert für mich. Bei manchen war das fehlende Talent sogar störend, besonders im Vergleich zu den Hauptfiguren. Aber das ist auch Meckern auf sehr hohem Niveau, insgesamt konnte mich Florence Foster Jenkins nämlich sehr überzeugen.


Fazit

Florence Foster Jenkins ist wohl meine Filmüberraschung des Jahres. Auch wenn Meryl Streep die Hauptrolle spielt, habe ich mir dennoch nichts erwartet. Doch aufgrund ihres Schauspiels und dem ihrer beiden Kollegen, sowie der flotten und vor allem wandelbaren Inszenierung, ist das einer der schönsten, witzigsten und insgesamt rundesten Filme der Jahres. Nur die teils unnötigen Szenen, sowie die schwachen Nebendarsteller schmählern den Gesamteindruck etwas, können den Unterhaltungswert aber kaum senken.

8


Cast

  • Regisseur: Stephen Frears
  • Drehbuch: Nicholas Martin

Hauptdarsteller

 Darsteller Figur
Meryl Streep Florence Foster Jenkins
Hugh Grant St Clair Bayfield
Simon Helberg Cosmé McCoon

Nebendarsteller

  • Rebecca Ferguson
  • Nina Arianda
  • Stanley Townsend
  • Allan Corduner
  • Christian McKay
  • David Haig

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,4/10

7


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  • The Program (2015)
  • Florence Foster Jenkins (2016)
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