2016 – das Jahr des deutschen Films?

Vielleicht könnte man es wirklich so nennen, das Jahr 2016, in dem neben den gefeierten Konsensfilm Toni Erdmann, nun einmal auch das sehr ordentliche Tschick, der sehr polarisierende Nachtmahr, aber auch der Film über die Liebschaft von Ingeborg Bachmann und Paul Celan und das Biopic über Stefan Zweig Vor der Morgenröte ins Kino kamen. Das alles waren ganz würdige, wertige und teilweise auch wundervolle Erfahrungen. Endlich mal deutsches Kino abseits der üblichen Krimi-, oder noch schlimmer, romantischen Komödien die Jahr für Jahr von den selben paar Namen bespielt werden und immer wieder zu langweiligem und uninteressanten Filmen führen. Doch muss gesagt sein, dass es auch solche Filme zu genüge gab, dass Nora Tschirner sich in SMS für dich und Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer mit Der geilste Tag  zurückmeldeten, und sie beide eine halbe Millionen Leute in die Kinos holten. Weil das aber sowieso wohl jenseits unser aller Wahrnehmungsweite ist, spreche ich mal ein paar Zeilen über deutschsprachige Filme, die ich 2016 wirklich genossen habe und worunter sich auch mein Film des Jahres versteckt.

Tschick, du warst wirklich cool, vor allem dein namensgebender Charakter. Maik war häufig aufgesetzt und mir ehrlich gesagt ein wenig unsympathisch. Tschick dagegen immer lustig, frisch, naiv und unbefangen, wie man nur sein kann, wenn man tief im Herzen doch ein kleiner Assi ist. Heutzutage sind es aber andere Filme, die meine Erinnerung an dich verdrängen. So gut warst du als ganzes Produkt dann doch nicht – also adieu!

Die Geträumten, du hast mir den so unglaublich literarisch hochwertigen Briefwechsel zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann sympathisch gemacht, weil auch du selbst so unprätentiös bist. In den Zeilen steckt so viel Sentimentalität und den Schachzug die Schauspieler es nicht wirklich spielen, sondern nüchtern sprechen zu lassen, erzeugte so eine einzigartige Atmosphäre, für die ich dir sehr dankbar bin.

Der Nachtmahr, zu dir hab ich schon alles gesagt, was ich zu sagen hatte. Die Kritik zu schreiben war schwer, weil ich dich nicht wirklich mochte und weil du mir irgendwie auch ziemlich egal warst. Andere mögen dich aber und das gönn ich dir.

Toni Erdmann, ich war ziemlich geflashed, als ich aus dem Kino kam. Bis auf diese gewisse denkwürdige Szene denke ich aber wirklich nicht mehr an dich, auch wenn ich dir damals 9 Punkte gegeben hab. Ich glaub es liegt daran, dass du von Themen sprichst, die mich nicht wirklich betreffen. Dich muss das nicht kümmern, du bist ja immerhin bei fast allen Kritikern DER deutsche Film der letzten Jahre.

Vor der Morgenröte, du bist für mich nicht nur der beste deutschsprachige Film 2016, sondern schlechthin mein Lieblingsfilm des vergangenen Jahres. Stefan Zweig hast du mir sympathisch gemacht, ich mochte ihn davor nicht wirklich wegen seiner kitschigen Weltansichten. Aber was ein Mensch, wenn seine heißgeliebte Heimat von Kopf bis Fuß geistig zerstört wird, das glaube hab ich durch dich verstanden, aber jetzt werde ich so sentimental wie du als Film nie bist. Unglaublich fantastische Bildsprache, Kamera-Einstellungen und Dialoge. Für mich ebenfalls auch eine Erinnerung daran, dass Biopics nicht immer minderwertige Spielfilme sind.

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stepnwolf sagt:

    „Vor der Morgenröte“ hab ich noch nicht gesehen. Den will ich aber definitiv noch nachholen. Du hast übrigens „Wild“ vergessen.

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    1. kuyaa sagt:

      ja, den hab ich leider gar nicht geguckt :(.

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      1. Stepnwolf sagt:

        Dann hast du ja noch ein Highlight vor dir. 🙂

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