Kritik: Die versunkene Stadt Z

Das Genre des Abenteuerfilms ist für mich bis heute eines der undurchsichtigsten, da ich mir bislang immer noch nicht genau vorstellen kann, was mich in solch einem Film genau erwartet. Genau das war dann auch mein anfängliches Problem, als ich kürzlich Die versunkene Stadt Z mit Charlie Hunnam in der Hauptrolle gesehen habe. Bislang kannte ich aus dem Genre im Grunde nur die „Indiana Jones“-Reihe und darin spielt das Übernatürliche eine nicht kleine Rolle. Hier ging es aber zu keiner Sekunde um eine höhere Macht, sondern „nur“ um eine Reise durch den südamerikanischen Kontinent auf der Suche nach der namensgebenden antiken Stadt. Warum ich das dennoch sehenswert fand, kläre ich nun in meiner Kritik.


Handlung

Percy Fawcett wird von der Royal Society auf eine Expedition zur Landvermessung in Bolivien gesandt. Trotz der vielen Strapazen in dem lebensfeindlichen Dschungel ist er von Forscherdrang gepackt und lässt sich kurz darauf auf eine weitere Expedition zum Regenwald des Amazonas ein – obwohl die jahrelange Abwesenheit ihm und seiner Familie enorme Opfer abverlangt. Dort stößt er auf Spuren von vergangenen Zivilisationen und ist überzeugt von der Existenz einer vesunkenen Stadt, die er „Z“ nennt. Zurpck in London will die Royal Society jedoch von dieser Idee nichts wissen. Getrieben von dem Drang, endlich seine mysteriöse Stadt zu finden, begibt sich Fawcett zusammen mit seinem Sohn auf eine letzte gefährliche und verhängnisvolle Reise zum Amazonas…


Kritik

Generell waren die Vorzeichen vor dem Kinobesuch nicht optimal. Der Regisseur war mir gänzlich unbekannt, die Hauptrollen sind mit Charlie Hunnam und Robert Pattinson mit eher scheinbar untalentierten Darstellern besetzt und insgesamt hätte ich nie gedacht, dass mich solch ein Abenteuerfilm unterhalten könnte. Doch im Laufe des Films haben sich alle meine Zweifel immer mehr verabschiedet. Wenn es etwas gibt, was an dem Film nicht zu kritisieren ist, dann ist es die Inszenierung. Die Darsteller können nahezu alle überzeugen und es gab so gut wie keinen Moment in den zwei Stunden, in denen ich gelangweilt war. Dennoch muss aber auch gesagt werden, dass der Film dennoch so seine Schwächen hat.

Angefangen mit der Inszenierung muss ich aber erst einmal mit Lob beginnen. Diese muss sich nämlich kaum vor großen Blockbustern verstecken. Sicherlich bietet die Kulisse von Südamerika schon eine perfekte Spielwiese für jeden versierten Regisseur, aber was James Gray daraus macht, setzt sich nochmals von ähnlichen Filmen ab. Eine atemberaubende Naturkulisse jagt die nächste und bietet so dem Zuschauer zu jeder Sekunde was für die Augen. Leider beißen sich diese Szenen wiederum mit denen in England, die im Vergleich schon fast langweilig wirken. Ebenso verhält es sich dann auch mit der Handlung, da die Szenen in England nur dazu da sind, um die Handlung voran zu treiben. Emotionale Bindung oder nachvollziehbare Beziehungen der Charaktere bleiben dabei jedoch auf der Strecke.

Das ist insofern schade, weil die Darsteller alles dafür tun, ihre Figuren und ihre Beziehungen authentisch wirken zu lassen. Bislang kannte ich Hunnam nur aus dem darstellerisch vergessenswerten „Pacific Rim“ und Pattinson aus der „Twilight“ und der „Harry Potter“-Reihe. Insofern hatten sie mir gegenüber noch nicht die Möglichkeiten, sich schauspielerisch zu zeigen. Meine anfängliche Einstellung sollte sich aber als falsch herausstellen, sie spielen ihre Rollen gekonnt, ohne zu sehr zu overacten. Dabei befindet sich Pattinson jedoch immer an der Kante zum Übertreiben, schafft es aber immer wieder, sich aufs Wesentliche zu besinnen. Nur leider muss hier erneut erwähnt werden, dass das Skript beiden und auch den Nebendarstellern Sienna Miller und Tom Holland wenig Raum gibt, die Beziehungen ihrer Charaktere zueinander darzustellen.

Positiv muss abschließend auch noch erwähnt werden, dass es der Film schafft, die Laufzeit fast vollständig mit unterhaltsamen Handlungen zu füllen. Seien es die Naturaufnahmen, die Gefahren im Dschungel oder auch die wenigen interessanten Dialoge, es gibt immer wieder etwas Neues für den Zuschauer zu entdecken. Dabei wäre die Gefahr groß gewesen, den Zuschauer mit den ewig gleichen Bildern zu langweilen oder sich zu sehr auf die politischen Geschichten in England zu fokussieren. Beides wurde hauptsächlich umschifft, auch wenn sich trotzdem Abnutzungserscheinungen zeigen.

Das führt mich dann zu meinem größten Kritikpunkt: Die Beziehungen der Charaktere sind zu keiner Sekunde klar definiert. Dabei ist besonders störend, dass oftmals nur eine einzige Aktion die Beziehung für die Zukunft definiert. Pattinson rettet Hunnam vor der Meuterei, also sind sie ab sofort Freunde, Hunnams Sohn erblickt seinen verletzten Vater, also sind die zerstrittenen Männer plötzlich wieder eine glückliche Familie. Das ist mir dann doch zu plakativ, als dass ich so eine emotionale Bindung zu den Figuren aufbauen könnte. Und ein Film kann noch so unterhaltsam und spannend sein, ohne eine gewisse emotionale Bindung fehlt zumindest mir dann doch etwas.


Fazit

Die versunkene Stadt Z hat meinen Blick auf Abenteuerfilme deutlich gewandelt. Es braucht keine übernatürliche Geschichte, um einen spannenden Film zu inszenieren. James Gray reichen dafür atemberaubende Naturaufnahmen, spannende Sequenzen und eine Hand voll gute Darsteller. Hätte man zudem auf die langweiligen Szenen in England verzichtet und versucht, den Figuren noch mehr Tiefe zu geben, wäre es eventuell ein grandioser Film geworden. So kann man aber noch sehr viel Spaß im Kino haben.

7


Cast

  • Regisseur: James Gray
  • Drehbuch: James Gray

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
Charlie Hunnam Col. Percival Fawcett
Sienna Miller Nina Fawcett
Robert Pattinson Henry Costin

Nebendarsteller

  • Tom Holland
  • Harry Melling
  • Franco Nero
  • Ian McDiarmid
  • Angus Macfadyen
  • Edward Ashley

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 7,3/10

7


Die Filme von James Gray

  • Little Odessa (1994)
  • The Yards (2000)
  • Helden der Nacht (2007)
  • Two Lovers (2008)
  • The Immigrant (2013)
  • Die versunkene Stadt Z (2016)
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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. blaupause7 sagt:

    Klingt nach einem spannenden Erlebnis. Jetzt wüsste ich nur noch gerne, wie die folgenden Sätze in Deinem Beitrag richtig heißen sollten:

    „Nur leider muss hier erneut erwähnt werden, dass das Skript beiden und auch den Nebendarstellen NAME und NAME wenig Raum gibt, die Beziehungen ihrer Charaktere zueinander darzustellen.“

    „Es braucht keine übernatürliche Geschichte, um einen spannenden Film zu inszenieren. NAME reichen dafür atemberaubende Naturaufnahmen, spannende Sequenzen und eine Hand voll gute Darsteller.“

    Ich vermute einfach mal, „NAME“ ist ein Platzhalter. Aber wofür?

    LG
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

    1. Staffmann sagt:

      Oh verdammt, da habe ich versehentlich die falsche Version hochgeladen 🙈 das wird direkt verbessert

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      1. Staffmann sagt:

        So, ist verbessert! Ich meinte an den Stellen zum einen den Regisseur James Gray und die beiden Nebendarsteller Tom Holland und Sienna Miller. Die sind mir beim ersten Schreiben namentlich nicht eingefallen^^

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  2. blaupause7 sagt:

    Jetzt liest es sich besser. Sienna Miller ist mir ein Begriff.

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  3. donpozuelo sagt:

    Bei diesem Film interessiert mich fast mehr das Buch als der Film. Aber ich werde wahrscheinlich den Film früher sehen… 😉

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  4. Stepnwolf sagt:

    Du bist kein Seriengucker, sonst würdest du Hunnam auf jeden Fall kennen. Der spielt die Hauptfigur in der äußerst empfehlenswerten Serie „Sons of Anarchy“…

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