Animes in Hollywood sind immernoch eine schlechte Idee. Kritik – Ghost in the Shell

Meinem guten Freund VisitorQ auf Moviepilot ist zu diesem Film der perfekte Kommentar eingefallen:

Man stelle sich vor man geht Sushi essen. Die Bedienung ist nett (SacJo), der Koch ne Granate (Takeshi Kitano) und das Essen sieht zum anbeißen aus (Optik des Filmes). Und gerade möchte man genüsslich das erste Stück essen, da kommt ne wildfremde Fickfresse und kotzt einem komplett über die gesamte Sushiplatte (Story). So fühlt es sich an Ghost in the Shell (2017) zu essen… äh sehen.

– VisitorQ

Kürzer, treffender und mit noch mehr Herz kann man den Film wohl nicht beschreiben. Weil wir bei filmexe aber doch auf längere Filmrezensionen stehen, muss ich wohl leider doch ein wenig ausformulieren.

Also zuerst zur Vorlage: Ein absolutes Brett in der Science-Fiction-Klassiker-Landschaft ist Ghost in the Shell (JP 1995, R: Mamoru Oshii) schon immer gewesen. Im Look und Feeling der ’90er Anime-Welle, die unter anderen der brillante Akira (JP 1988, R: Katsuhiro Otomo) losgetreten hat, war der Streifen von Oshii wohl runder als kaum ein anderer Anime. Da stimmte wirklich alles: detaillierte und kraftvolle Zeichnungen, die man sich heute noch wunderbar anschauen kann; ein Soundtrack, den man heutzutage immer mal wieder laufen lassen kann; Dialoge, die weder zu quasselig noch zu schnell die Story vorantrieben, aber vor allem, ja vor allem, war da diese unglaubliche urban-dystopische Atmosphäre, die sich im Zusammenschluss mit den philosophischen Reflexionen der Hauptfigur zu einem Meisterstück von Zukunftsmelancholie verwandelt hat. Für alle Nicht-Kenner eine ausdrückliche Schauempfehlung und hier noch eine (zugegebenermaßen) ziemlich extreme, spoilerlose Kostprobe:

Die Hollywood-Adaption davon ist … naja nun mal eine Hollywood-Adaption. Dem Cast kann man insgesamt keine Vorwürfe machen, alle spielen ziemlich glaubhaft – Scarlett Johansson also ihrer Figur gemäß etwas roboterhaft und unnahbar, liefert also wie immer, ansonsten schafft es Pilou Asbaek als Batou wirklich sympathisch rüberzukommen. Die Entscheidungen der Regie und der Inszenierung ist hingegen ihre US-Zielscheibe in fast keiner Szene zu verkennen. Da kommt beispielsweise Japans Action- und Regielegende Takeshi Kitano immer nur als mysteriös-schweigsamer sitzender Chef vor, der höchstens mal drei kurze Sätze japanisch sprechen darf. Was vielleicht als nette Geste an das Land der Vorlage mal gedacht war, wirkt im Film als ziemlicher Zirkus-Gag: „Hihi, da spricht auch mal jemand japanisch !!“

Die Handlung wurde (natürlich) abgespeckt und mit ein paar verflachenden Nebenhandlungen versehen. Um Major Mira Killian (Scarlett Johanssons Figur) noch mehr in den Superheldinnen-Look zu drängen, nimmt immer mal wieder mal Posen ein, die man eher von Marvel-Charakteren kennt. Selbst beim Antagonisten kommt ein wenig Age of Ultron auf, wenn er in seiner dunklen Kammer inmitten seinen Kabeln hängt. Schade ist’s, denn ein wenig Dystopie-Stimmung kommt auch in diesem Film auf. Wie VisitorQ schon treffend sagt, die Optik ist zum Anbeißen. So wird man nach dem Film noch die vielen Bilder im Kopf haben, von Hologrammen, die aus den Gebäuden ragen, von den vielen Farben, die neue Form von Werbung, die einem einfach auf offener Straße entgegenfliegt. Doch mehr als diese Oberflächlichkeiten gibt es leider einfach nicht. Ziemlich oft wird Major Mira Killian in den Dialog gebracht, in der es für sie gilt die menschliche Seele zu entdecken, leider gerät der Film aber als Ganzes nie ins Grübeln. Das resultiert in dem eigenartigen Widerspruch, dass immer über Mensch und Menschlichsein geredet wird, man als Zuschauer aber wenig darüber nachdenkt.

So bleibt nicht mehr am Film zu genießen als sein Hintergrundrauschen. Die vielen beeindruckenden Effekte, Hintergrundbilder und Designs mit denen er manchmal aufwarten kann. Letzten Endes – Ghost in the Shell kann man wunderbar mal beim Eindösen gucken, im Flugzeug oder wenn man mal fiebernd im Bett liegt. Vielleicht wird man ihm dann am gerechtesten, wenn man auch ihn nur als rauschende Farben auf einem Bildschirm wahrnimmt.

4


Cast

  • Regisseur: Rupert Sanders
  • Drehbuch: Jamie Moss, William Wheeler, Ehren Kruger

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Scarlett Johansson Major
Pilou Asbaek Batou
Takeshi Kitano Aramaki

Nebendarsteller

  • Juliette Binoche
  • Michael Pitt
  • Chin Han
  • Danusia Samal
  • Lasarus Ratuere

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 6,2/10

6


Die Filme von Rupert Sanders

  • Snow White and the Huntsman (2012)
  • Ghost in the Shell (2017)
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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wie gut das ich mich weigere diesen Film zu schauen 😀

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    1. kuyaa sagt:

      ich musste es einfach schauen, um mitreden zu können! hätte mir die 9,50 aber auch lieber gespart 😢

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      1. Was wird als nächstes geschaut?

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      2. kuyaa sagt:

        wohl guardians 2! 😁

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  2. filmgeist9 sagt:

    Ganz so krass wie VisitorQ finde ich es nicht.
    Er hätte besser sein können.

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  3. bullion sagt:

    Ich muss mir das Original auch einmal wieder anschauen. Die Realverfilmung mochte ich dennoch… 🙂

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  4. donpozuelo sagt:

    Ja, Animes in Hollywood sind immer noch keine gute Idee, da stimme ich dir zu. Es ist halt einfach auch eine Frage der Mentalität… sie werden halt nie den Geist der japanischen Kultur so einfangen können. Dennoch fand ich den Film jetzt ganz okay. Er hätte besser sein können – ohne Frage, aber er war für mich jetzt auch kein Totalreinfall.

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  5. velverin1981 sagt:

    Ich finde generell Realverfilmungen von Anime sind keine gute Idee. Dabei spielt es keine Rolle ob jetzt aus Hollywood oder Japan. Mich graut es immer noch, wenn ich nur an den Attack on Titan Realfilm denke.

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