Kritik: Macbeth

Ja, ich habe mir gestern im Kino Macbeth angesehen, während die Massen in die sieben Säle drängten, in denen James Bond –  Spectre lief. Welch gute Entscheidung.

Vor 14 Tagen schrieb Staffmann hier in unserer Rubrik Kalendervorschau bereits folgendes zum  Shakespeare Epos:

»Michael Fassbender ist ja bei den Oscars kein unbekannter. Für “12 Years a Slave” wurde er bereits als bester Nebendarsteller nominiert und auch dieses Jahr wird er schon von vielen Experten als Favorit genannt. Dabei hat er auch so große Chancen, weil er dieses Jahr mit gleich zwei Filmen ins Rennen gehen könnte, glaubt man den Experten. Der eine ist “Jobs”, in der er Steve Jobs in seinem Biopic spielt und eben “Macbeth”. Die Handlung ist denke ich klar. Es wird wieder mal die Geschichte des namensgebenden schottischen Königs erzählt, der zum Tyrannen wird und schließlich fällt. Das ist natürlich nichts neues, aber bei einer gelungenen Umsetzung einer der scheinbar guten Besetzung (u.a. auch Marion Cotillard) kann man hier sicher auf einen guten Film hoffen.«

Handlung

Und diese Hoffnung wurde erfüllt. Die Handlung lässt sich tatsächlich auf diese wenigen Sätze runterbrechen, doch ein paar Worte möchte ich noch ergänzen: Dem glorreichen Heerführer Macbeth (Fassbender) erscheinen nahe des Schlachtfeldes nach einem gewonnenen Kampf die Schicksalsschwestern (Auch die drei Hexen). Sie verkünden ihm, er würde der nächste König von Schottland werden. Leider stehen ihm auf dem Weg zur Machtergreifung noch der lebendige König Schottlands (David Thewlis), sowie dessen Sohn im Weg… Doch auch nach erfolgreichem Umsturz und zahlreichen Intrigen wähnt sich der geistig immer mehr verfallende Macbeth nie in Sicherheit.

Kritik

Der Film lebt unter anderem vom großartigen Schauspiel eines Michael Fassbender, einer Marion Cotillard(Lady Macbeth) und einiger anderer wie David Thewlis und Paddy Considine als Banquo (bester Freund Macbeths). Viel Wert wurde auf perfektes Mimikspiel sowie die Monologe und Dialoge gelegt, die gut 90% des Films ausmachen. Hier ist einiges an Konzentration notwendig, da uns der melodische Sprachduktus eines Dramas des 17. Jahrhunderts ja mittlerweile selten begegnet. Und ich spreche hier von der deutschen Synchronisation, die ausserordentlich gut gelungen ist, was wenig überraschend ist, da es von allen Shakespeare Texten äußerst schöne und ansprechende Übersetzungen gibt. Auch wenn ich natürlich meist den Originalton bevorzuge, so rate ich den meisten deutsch-Muttersprachlern zu dieser Fassung, da es hier wirklich nichts auszusetzen gibt. Alternativ käme englisch mit Untertiteln natürlich auch in Frage; Der rein alt-englischen Variante zu folgen, könnte hier und da knifflig werden, wobei ich mich hier auch irren kann, schließlich habe ich ihn (noch) nicht auf englisch gesehen.

Ich bin bereits über andere Kritiken gestolpert, in denen teilweise von vielen gewaltigen Schlachtszenen berichtet wird, worüber ich mich nur wundern kann. Diese beschränken sich nämlich auf knapp 10 Minuten zu Beginn und zum Ende des Films hin. Und selbst diese sind zwar nicht unblutig, aber sie werden durch allerlei Effektspielerei wie Zeitlupen, Zeitsprünge, Nebel etc. zu einem echten Hingucker. Überhaupt ist der visuelle Aspekt in diesem Film mindestens so wichtig, wie das literarische Meisterwerk im Hintergrund. Atemberaubende Festsäle, geschmückt mit Gold und doch düster, sowie weite Landschaften mit einer unglaublichen atmosphärischen Wirkung machen dieses Gesamtwerk zu einem gelungenen Kinoerlebnis. Meine Empfehlung daher an alle, die den Film noch nicht gesehen haben: Ab ins Kino. Lohnt sich. Hier und da läuft der Film noch.

9


Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,5/10

8


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  • Macbeth (2015)
  • Assassin’s Creed (2016)
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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. franziska-t sagt:

    Ich hab die Englisch mit Untertiteln-Version gesehen und die Untertitel waren auch nötig. Bin zwar eigentlich ganz gut in Englisch, aber dieses Shakespeare-Englisch macht mich jedes Mal aufs Neue fertig (zuletzt in der NT-Live-Übertragung von Hamlet).

    Hier meine Review zum Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/11/11/macbeth-omu-2015/

    Gefällt 1 Person

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