Kritik: Assassin’s Creed

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(c) 20th Century Fox

Der geneigte Leser unseres Blogs wird schon gemerkt haben, dass ich neben Filmen noch andere Leidenschaften habe. Eine davon sind Videospiele, für die ich aber immer weniger Zeit habe. Früher gab es allerdings eine Serie, die ich verschlungen habe: Assassin’s Creed. Die Reihe über den Assassinenbund, der die Welt vor den bösen Templern beschützen muss, war genau das, was ich mir von einem Spiel erhofft und für einen Film gewünscht hatte. Umso erfreuter war ich, als angekündigt wurde, dass man die Spieleserie wirklich verfilmen wolle mit Marion Cotillard und Michael Fassbender in den Hauptrollen. Was soll da also schief gehen? So einiges, das hat sich gezeigt. Was genau schief gegangen ist, erfahrt Ihr jetzt in meiner Kritik.


Handlung

Mit einer revolutionären Technologie, die seine genetischen Erinnerungen entschlüsselt, erlebt Callum Lynch die Abenteuer seines Vorfahren Aguilar im Spanien des 15. Jahrhunderts. Callum erkennt, dass er von einem mysteriösen Geheimbund, den Assassinen, abstammt und sammelt unglaubliches Wissen und Fähigkeiten, um sich dem unterdrückenden und mächtigen Templerorden in der Gegenwart entgegenzustellen.


Kritik

Bevor ich die Kritik weiter schreibe, muss ich nochmals darauf hinweisen, dass ich ein riesiger Fan der Videospiele bin. Insofern kann ich nicht komplett objektiv sein, weil ich allein aus nostalgischen Gründen meinen Spaß im Kino hatte. Allerdings sind auch mir die Fehler aufgefallen, die den neutralen Zuschauer vermutlich in den Wahnsinn treiben und so auch das extrem schlechte Rating bei Rotten Tomatoes von 19% erklärt. Von diesen Fehlern gibt es nämlich sehr viele, angefangen bei der Handlung, die dermaßen konfus erzählt ist, dass ich sie kaum wiedergeben kann.

Während sich die Spiele auf die Vergangenheit konzentriert haben und man nur für das Erzählen der großen Geschichte mal in der Gegenwart war, ist dies im Film genau anders herum. Hier wird die Vergangenheit, die spanische Inquisition allein für die (sehr guten) Actionszenen genutzt, Handlung wird hier aber überhaupt nicht geliefert. Ich hatte vor dem Film keine Ahnung, was in der spanischen Inquisition geschieht und weiß es jetzt auch immer noch nicht. Das ist natürlich nicht optimal, vielmehr ist es ein Zeichen, wie schlecht die Geschichte erzählt wird. Doch auch in der Gegenwart hat man sich keinen klugen Twist oder einen spannenden Handlungsverlauf überlegt. Vielmehr fragt man sich die ganze Zeit, warum gerade dies oder jenes geschieht. Ich kann nicht einmal näher darauf eingehen, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits vergessen habe, was dort eigentlich genau passiert ist.

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(c) 20th Century Fox

Dazu kommen noch die Charaktere, die zu keiner Sekunde sympathisch waren. Fassbender spielt sicherlich gut, aber seine Figur lädt nie dazu ein, mit ihm mitzufühlen. Ich hätte mich eher gefreut, wenn er irgendwann einfach abgeschossen worden wäre. Und auch Cotillards Figur hinterlässt eher mehr Fragezeichen, was sie in diesem Film verloren hat. Und dann gibt es ja auch noch Jeremy Irons und Brendan Gleeson, die überhaupt keine Rolle spielen und völlig verbraten wurden. Von den anderen Assassinen in der Firma möchte ich gar nicht anfangen. Sie sind alleine Stichpunktgeber und sorgen in der konfusen Handlung für noch mehr Verwirrung.

An dieser Stelle könnte ich jetzt noch das völlig überbenutze CGI erwähnen oder auch den Soundtrack, der sich nicht entscheiden kann, ob er einen epischen Historienfilm oder ein Musikvideo von Kanye West untermalen möchte. Es gibt genügend negative Punkte für mehrere Filme und objektiv ist Assassin’s Creed ein sehr schlechter Film, aber an dieser Stelle muss ich einfach mal meine Objektivität zurückstellen und loben, wie gelungen sie die Vorlage auf die große Leinwand gebracht haben. Für die Kenner der Spiele war das nämlich ein Freudenfest.

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(c) 20th Century Fox

Sicherlich hat sich einiges geändert: Der Animus hat ein neues Konzept, aber der große Konflikt zwischen den freien Assassinen und den sterilen, gefühlskalten Templern ist toll umgesetzt. Die Firma, in der alles stattfindet ist nahezu identisch mit den Spielen und auch die Dialoge könnte man so in jedem Teil der Vorlage finden. Diese sind natürlich keine hohe Kunst, für den Kenner erzeugt es dennoch einen Nostalgieschub. Und wenn dann die Assassinen aus der Vergangenheit über die Dächer springen und mit tollen Bewegungen ihre Gegner niedermetzeln, dann möchte man am liebsten aufstehen und mitmachen. Während der objektive Zuschauer verächtlich schnaubt, war ich einfach fasziniert, wie gelungen man meinen Jugendtraum auf die Leinwand gebracht hat. Und so war ich dann auch kurz davor, mitzusprechen, wenn es heißt: „Nothing is true, everything is permitted!“


Fazit

Assassin’s Creed ist ein schlechter Film, man kann es nicht wohlwollender formulieren. Wer die Spiele nicht kennt, wird hier zu keiner Sekunde Spaß haben oder auch nur verstehen, worum es eigentlich geht. Ich als Fan konnte dem Film aber noch sehr viel abgewinnen, weil es Regisseur Justin Kurzel geschafft hat, den Ton der Vorlage auf die Leinwand zu bringen. Insofern kann ich dem Film nicht allzu böse sein, doch meine Wertung sollte man mit Vorsicht genießen. Empfehlen kann ich Assasssin’s Creed nämlich nur den Fans der Vorlage.

6


Cast

  • Regisseur: Justin Kurzel
  • Drehbuch: Michael Lesslie, Adam Cooper, Bill Collage

Hauptdarsteller

Darsteller Figur
 Michael Fassbender Cal Lynch / Aguilar
Marion Cotillard Sofia
Jeremy Irons Rikkin
Ariane Lebad Maria

Nebendarsteller

  • Brendan Gleeson
  • Charlotte Rampling
  • Michael Kenneth Williams
  • Denis Ménochet
  • Khalid Abdalla

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 5,6/10

6


Die Filme von Justin Kurzel

  • Snowtown (2011)
  • Macbeth (2015)
  • Assassin’s Creed (2016)
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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. „Für die Kenner der Spiele war das nämlich ein Freudenfest.“

    Dem kann ich als „Kenner“ und auch Fan vor allem der Teile II und Brotherhood nur vom ganzen Herzen widersprechen.
    Aber ich gönne dir auch deinen Spaß von eben diesem Herzen, den ich leider zu keiner Zeit mit dem Film hatte.
    Ich habe keine Flop-Liste, aber auf dieser wäre er 2016 auf Platz 3.

    Gefällt mir

    1. Trallala sagt:

      Was ist Flop 1 und 2?

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      1. Wie Männer über Frauen reden und Everybody Wants some!!

        Gefällt 1 Person

      2. Trallala sagt:

        Echt, everybody wants some war kacke? Den hatte ich leider verpasst und wollte ihn aber eigentlich schon noch sehen.. So richtig 1/10-schlecht oder so eingeschränkt empfehlenswert für bestimmte Menschen?

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      3. Vollkommen empfehlenswerte für bstimmte Menschen. Wahrscheinlich vor allen Dingen jene, die die 80er komplett miterlebt haben.
        Er taucht auch in vielen Bestenlisten auf, aber für mich ist Evereybody Wants Some!! kein Film mehr. Wir begleiten ein paar Figuren über drei Tage, aber wirklich erzählt wird nichts. Dazu fand ich die Sprüche und Kabbeleien der Figuren nicht lustig, sondern eher langweilig, weil es keinen Konflikt gab, oder der Plot auf irgendetwas hinauslief. Der Sountrack ist allerdings cool.
        Hier kann ich also beim besten Willen nicht vorhersagen, wie der dir gefallen wird.
        Man muss, glaube ich, gefallen an dem Sog der Nostalgie finden, um den komplett genießen zu können.

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      4. Trallala sagt:

        Cool, voll ausführlich beantwortet, danke 🙂 Dann besteht ja noch ein bisschen Hoffnung, aber ich bin zumindest vorgewarnt 🙂

        Gefällt 1 Person

    2. Staffmann sagt:

      Das ist ja schade, mir hat das echt Spaß gemacht. Was hat dich denn genau daran so gestört dann?

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      1. Hui, das wäre leider ungelogen eine wirklich lange Liste, die ich hier aufzählen müsse. Das spare ich mir aber für meine Besprechung am Sonntag auf.
        In Kürze: dem Film fehlte es an einer interessanten Story (besonders das 15. Jh. hatte aus viel zu schnell geschnittenen Kämpfen nix zu bieten), die Dialoge waren völliger Murks („Du bist der Sohn deiner Mutter“), die Charaktere haben niemanden interessiert, und für die Paar Eirnnerungen an die Spiele (Bomben, Waffen, Sprünge, etc.) brauche ich keinen Film. Dazu war der Film für 3D mit Polarisationsfilterbrillen zu dunkel (aber das kreide ich ihm nur teilweise an)
        Mit mir waren u.a. zwei, die die Spiele nicht kannten und die haben NICHTS kapiert, das kann es alles nicht sein
        da erwarte ich von einem Mulitmillionen-Projekt viel, viel mehr

        Gefällt 2 Personen

  2. Sebastian sagt:

    Hmm, da bin ich ja doch ein wenig hin- und hergerissen. Ich wollte mir den Film eigentlich nicht geben, habe aber die Spiele durch die Bank verschlungen (mal abgesehen vom 3. Teil. Den hat mir dieser Unsympath Connor grundlegend versaut. Da war selbst der Franzose trotz dem dämlichen Multiplayer-Zwang, wenn man alles erleben wollte, lieber). Jetzt bin ich doch wieder am überlegen.

    Oh, und Ezio FTW! 😉

    Gefällt 1 Person

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