Kritik: Stereo

Dass ich kein großer Fan von deutschen Produktionen bin, habe ich ja schon des Öfteren betont. Zu enttäuscht bin ich doch von den ewig gleichen Til-Schweiger oder Matthias-Schweighöfer-Filmen. Zwischen diesen meist romantischen Komödien finden sich aber dennoch mal schöne Genre-Filme und kleine Perlen. So bietet der kürzlich gestartete „Mängelexemplar“ neben einer nachvollziehbaren Studie von Depression auch eine Handlung zum Nachdenken. Solche Filme geben mir dann immer Hoffnung, auch in deutschen Landen schöne Filme zu finden. Und so habe ich mal in Stereo reingeschaut, immerhin hat man dort mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu zwei Darsteller in den Hauptrollen, die ich auch sehr gerne sehe. Und mein „Mut“ hat sich ausgezahlt, der Psychothriller von Maximilian Erlenwein ist nämlich durchaus sehenswert. Mehr dazu gibt es jetzt in meiner Kritik.


Handlung

Der Motorradmechaniker Erik lebt ein scheinbar ruhiges Leben in einem behaglichen Dorf. Zusammen mit seiner Freundin und deren Tochter könnte er nicht glücklicher sein. Doch plötzlich scheint seine Welt zu zerbrechen. Erst meldet sich ein Kleinkrimineller bei ihm, der ihn zu einem Coup mitnehmen möchte. Immer wieder kommt zum Vorschein, dass er Erik von früher kennt. Doch viel verwirrender ist der Mann, der plötzlich neben ihm steht und ihm hinterherläuft. Da Erik der Einzige ist, der ihn sehen kann, beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. So beginnt ein Kampf mit dem eigenen Verstand und dem Sog der Kriminalität, der immer mehr an Erik zu ziehen scheint.


Kritik

Wenn man mich fragen würde, welche deutschen Darsteller ich mag, würden mir sofort zwei Namen einfallen: Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu. Vogel hat mir zum Beispiel sehr gut in „Die Welle“ gefallen, während Bleibtreu auch außerhalb des Films ungemein sympathisch ist. Dass sie zu den besten Darstellern in Deutschland gehören, steht außer Frage. Umso schöner ist es doch, sie in einem einzigen Film sehen zu können. Allein deswegen war ich an Stereo interessiert, doch auch die Handlung scheint Spannung und Mysteriöses zu versprechen. Ich wurde auch enttäuscht, beide Aspekte haben für mich funktioniert, ein Aspekt weniger, einer mehr, aber alles der Reihe nach.

Kommen wir zunächst zu dem Aspekt, der meine Erwartungen voll erfüllt hat: Die Darsteller. Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu liefern hier ihr komplettes Spektrum an Schauspielkunst ab und das ist eine ganze Menge. Da wird geweint, gelacht und getrauert, alles total authentisch und nachvollziehbar. Ich kann mich nicht erinnern, wann mich zwei Darsteller so überzeugen konnten. Natürlich sind auch alle weiteren Schauspieler gut, aber gegen Vogel und Bleibtreu können sie nur abstinken. Besonders, wenn beide Hauptdarsteller zusammen in einer Szene zu sehen sind (also immer), liefern sie ein Feuerwerk, was man schlecht bzw. gar nicht nachmachen kann.

Die Handlung bietet ein spannendes Ratespiel, eine Kriminalgeschichte und kleines Familiendrama in einem. Was sich hochambitioniert anhört, ist es auch, nur leider schafft es der Film nicht, diese Ambitionen über die ganze Laufzeit hinweg zu halten. Nach einer Stunde verliert die Handlung etwas an Schwung und begibt von einem grandiosen Psychothriller zu einem austauschbaren Gangster-Action-Film. Sicherlich musste die Handlung irgendwann aufgelöst werden, doch mir wäre die Auflösung etwas später lieber gewesen. So bleibt zu viel Leerlauf, den man mit dem schwachen Ausklang der Handlung nicht auffangen kann.

Trotzdem handelt es sich hier noch immer um einen überdurchschnittlichen Film, denn neben tollen Darstellern und einer zu weiten Teilen spannenden Story bietet uns der Regisseur Maximilian Erlenwein eine Atmosphäre, die ich in einem deutschen Film noch nicht gesehen habe. Sowohl die Optik, als auch die Musik haben mich dabei sehr stark an Nicolas Winding Refn erinnert, besonders die Anleihen an sein Meisterwerk „Drive“ sind unverkennbar. Das ist dann international gesehen nicht wirklich neu, wird hier aber schön umgesetzt und wirkt für einen deutschen Film extrem hochwertig.

Einen Negativpunkt habe ich dann aber doch noch. Der Film ist sicherlich seltsam, aber nicht in einem negativen Sinn. Man soll sich immer wieder unwohl fühlen und sich fragen, was das eigentlich alles soll. Soweit klappt das auch perfekt, aber bei den „Bösewichten“ des Films hat man sich dann doch vertan. Die sind selbst auf dieser skurrilen Ebene zu überzeichnet. Auch wenn das natürlich ein kleiner Teil des Films ist, so ist es doch ein wichtiger, der mich leider gestört hat. Und dabei ist der österreichische Akzent des Bösen noch der Makel, der mich am wenigsten gestört hat.


Fazit

Stereo hat mir die Hoffnung in den deutschen Film zurückgegeben. Es ist kein perfekter Film und vor allem ist es kein Meisterwerk. Aber alle Beteiligten zeigen, dass man mit einer Vision und Leuten, die was drauf haben, einen tollen Film schaffen kann. Dazu gehört dann auch, dass man sich bei der Handlung und der Atmosphäre etwas von internationalen Größen abschaut. Leider gibt es dann aber die Schwächen des Films, die entstehen, weil man doch zu weit hinaus wollte. Hier hätte man sich auf den inneren Konflikt der Hauptfigur konzentrieren sollen. Alles in allem zeigt Stereo aber, dass es auch in Deutschland möglich ist, kreative Filme zu schaffen, ich kann den Film nur empfehlen.

7


Cast

  • Regisseur: Maximilian Erlenwein
  • Drehbuch: Maximilian Erlenwein

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
Jürgen Vogel Erik
Moritz Bleibtreu Henry
Petra Schmidt-Schaller Julia
Georg Friedrich Keitel

Nebendarsteller

  • Rainer Bock
  • Nicole Marischka
  • Paul Fassnacht

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Filmschrott sagt:

    Ich finde es immer etwas schade, dass deutsche Filme generell erst mal verteufelt werden. Ja, im Kino laufen fast nur die Schweigerhöfer-Kackkomödien und das Fack Ju Göhte Gewichse, für das alle beteiligten eigentlich erschossen gehören – oder auf ewig nach RTL verbannt, wo man sich auf dem gleichen Niveau bewegt.

    Aber wenn man mal etwas über den Tellerrand schaut, gibt es tatsächlich eine ganze Menge deutscher Produktionen, die gar nicht mal so schlecht sind. Vogel und Bleibtreu spielen da nebenbei nicht selten eine Rolle.
    Das Problem ist halt wirklich, dass man kaum etwas von den guten Filmen mitkriegt, da sie eben nicht im Kino laufen, oder nur in einem kleinen Programmkino irgendwo in einem Kaff in Baden-Würtemberg. Die Studios müssten einfach auch mal mehr die Werbetrommel rühren für ihren Kram, dann würde der deutsche Film zwar nicht in den Himmel gelobt, aber zumindest würden die Leute mitkriegen, dass nicht alles totale Scheiße ist.

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    1. Staffmann sagt:

      Dem muss ich, auch nachdem ich „Stereo“ gesehen habe, Recht geben. Aber generell hat der deutsche Film einfach ein schlechtes Image. Ich werde aber demnächst sicher mal öfter in deutsche Filme reinschauen.

      Gefällt mir

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