Kritik: Tanz der Vampire

Tanz der Vampire (1967) – Fearless Vampire Killers

Neben Yellow Submarine und Herr der Ringe wohl der Film, den ich am öftesten gesehen habe. Was allerdings auch wieder dem Umstand geschuldet war, dass es einer der wenigen Filme war, die ich damals noch auf VHS hatte, auch wenn damals (Anfang der 2000er) die DVDs zunehmend die Oberhand gewannen. Wie bei den beiden oben aufgeführten Filmen kann meine Sicht auf diesen Film nur eine sehr subjektive sein, weshalb der Charakter einer „Kritik“ vermutlich nicht ganz erfüllt werden wird. Es wird also mehr ein Review/ eine kleine Filmempfehlung.


Handlung

Der alte Professor Abronsius (Jack MacGowran) lehrt an der Universität Königsberg, wo keiner seiner Kollegen ihn und seine Vampirismustheorien ernst nimmt. Daher reist er mit seinem jungen Gehilfen Alfred (Roman Polanski) in einen beinahe menschenleeren, verschneiten Landstrich in den Südkarpaten (Rumänien), um der Wurzel der uralten Mythen rund um die Nachtschwärmer auf den Grund zu gehen. Die Bewohner des Dorfes sind nicht sehr erfreut, dass jemand daherkommt und versucht, schlafende Hunde zu wecken, auch wenn sich Todesfälle in der letzten Zeit gehäuft haben. Als jedoch die  Tochter Sarah (Sharon Tate) des Gasthausbesitzers vom Vampirgrafen Krolock geraubt wird, besteht für Prof. Abronsius und Alfred keine Frage mehr: Sie müssen sich das alte, verlassene Schloss in den Bergen genauer ansehen: Beide habe jetzt ein klares Ziel vor Augen: Der Professor kann endlich Beweise für seine Theorie finden und außerdem den Spuk für alle Zeit aus der Welt schaffen und Alfred wird alles daran setzen, Sarah aus den Fängen der Blutsauger zu befreien.


Kritik

Der Film erschien zu seiner Zeit unter dem Genre der Horrorkomödie, was meiner Meinung nach die passendste Beschreibung ist. Aus heutigen Gesichtspunkten hat Tanz der Vampire natürlich nicht mehr viele Elemente eines Horrorfilms, Schockeffekte (bzw. sogenannte Jumpscares) gibt es nicht und Kunstblut ist, obwohl es ein Vampirfilm ist, auch sehr wenig zum Einsatz gekommen. Deshalb ist vielleicht der Begriff der Gruselkömodie noch passender, da der gesamte Film von einer Atmosphäre durchzogen ist, die ich so aus keinem anderen Film kenne. Das liegt zum großen Teil auch an den Eigenarten der Charaktere, die bewusst überspitzt sind, und wie z.B. Alfred mit seiner Schusseligkeit und seinem Hang zur spontanen Tragik zur teils grotesken Komik des Films beitragen. Vor ca. einem Monat habe ich mir Tanz der Vampire erneut angesehen und festgestellt, dass mir die Studiokulissen früher weit weniger aufgefallen sind. Was daran liegen mag, dass ich den Film früher immer über VHS auf einem wesentlich kleineren Fernseher geschaut habe. Das macht die Kulissen und Szenenbilder aber um nichts schlechter, sie tragen nämlich unglaublich zu der surrealen Atmosphäre bei. Ein weiterer ganz großer Pluspunkt des Films ist meiner Meinung nach der Soundtrack von Krzysztof Komeda, der mit seinen ungewöhlichen Melodien aber auch Barocken Menuetten vielen Szenen ihre Charakteristik schenkt und für Gänsehaut sorgt. Die kriege ich jetzt gerade, während ich das Hauptthema des Films höre:

Im Videotitel steht Herberts Song, was nicht richtig ist. Hierbei handelt es sich um das Main Theme. Auch wenn man sich den kompletten Soundtrack z.B. auf Spotify anhört, sind die Titelbezeichnungen leider fast durchgängig vertauscht. Und auch einer der schönsten Tracks (das Menuett aus der Ballsaalszene) ist leider nicht auf der CD zu finden. Das meiste aber glücklicherweise auf Youtube.

Auch wenn ich so gut wie jeden Film in seiner Originalvertonung bevorzuge, so würde ich doch tatsächlich eher die deutsche Synchronisation emfehlen. Zwar geht hier und da auch mal ein Wortwitz verloren, dafür kommen aber einige hinzu. Außerdem finde ich vor allem die Synchronstimme von Prof. Abronsius ausgezeichnet gewählt und tatsächlich um einiges passender als die des Schauspielers. Nun könnte man natürlich sagen, dass das daran liegen mag, dass ich die deutsche Synchronisation viel länger kenne, aber es gibt durchaus Filme, bei denen ich mir mittlerweile lieber das Original ansehe. Allerdings meine ich sagen zu können, dass sich in älteren Filmen die deutschen Synchronstudios öfter getraut haben, den Text ein wenig abzuwandeln, damit er auch im deutschen Sinn ergibt, oder sogar ein besserer Witz entsteht. So finde ich z.B. die deutsche Synchronisaton von „The Good, the Bad and the Ugly“ an vielen Stellen witziger als im Original.

An dieser Stelle folgt ja meist noch ein Trailer zum Film, dieser ist aber mehr ein Zusammenschnitt der vermeintlich lustigen Szenen im Film und nicht sonderlich aussagekräftig. Deshalb habe ich ein Youtubevideo gewählt, wo eine Minute vom Anfang des Films zu sehen ist:


Fazit

Für mich ist dieser Film rundum gelungen und ich werd ihn auch weiterhin ca. alle 2 Jahre erneut sehen und weiterempfehlen. Achso, und bitte nicht in einen Topf mit dem gleichnamigen Musical werfen! Also im Zweifelsfall nach dem Film unter dem Originaltitel „The fearless vampire killers“ suchen. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand weiß, wie man an Klaviernoten für das Menuett in der Ballsaalszene kommt, bitte in die Kommentare schreiben  (und bei Ergänzungen, Anmerkungen etc. natürlich auch).

10


Cast

  • Regisseur: Roman Polanski
  • Drehbuch: Roman Polanski, Gerard Brach

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
Jack MackGowran Professor Abronsius
Roman Polanski Alfred
Sharon Tate Sarah Shagal
Alfie Bass Yoyneh Shagal, Gastwirt

Nebendarsteller

  • Ferdie Mayne
  • Ian Quarrier
  • Terry Downes

Links

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. bullion sagt:

    Ja, toller Film. Das Musical mochte ich damals trotzdem… 😉

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    1. JOHN sagt:

      Ich darf auch gar nicht über das Musical urteilen, hab es nämlich nie gesehen 🙂 Außerdem basiert es ja zumindest auf der gleichen Geschichte.

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  2. tarlucy sagt:

    Einer meiner Lieblinge…ich habe letzt auch gedacht ich muss den mal wieder rauskramen…ich weiss gar nicht ob ich mir den schon als DVD angeschafft habe…da muss ich mal suchen gehen oder nachholen…:-)

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    1. JOHN sagt:

      Lohnt sich immer wieder! Muss den auch mal Staffmann zu sehen geben, wär gespannt, ob er mit dem Film was anfangen kann. Am besten mach ich mal ne Sammelbestellung von gebrauchten Tanz der Vampire DVD’s, die ich dann verschenken kann 😀

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      1. tarlucy sagt:

        Das ist eine gute Idee. Cooles Mitbringsel. Und ein netter DVD Abend 😀

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  3. Gucke ich auch bei jeder Gelegenheit. Ich mag den Polanskiwitz einfach und liebe Figur dieses Filmes 🙂

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  4. Ich liebe liebe liebe den Soundtrack und muss den Film jedes Jahr, wenn es schneit einen Besuch abstatten, aber bei mir war das ja in der Kindheit auch ein fließender Übergang von „Mona der Vampir“ zu „Tanz der Vampire“ zu „Interview der Vampire“. ❤

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