Kritik: Stranger Things – Staffel 2

So gut wie jeder kennt doch das Gefühl, wenn die ganze Welt etwas zu feiern scheint, man selbst damit jedoch überhaupt nichts anfangen kann. Obwohl man den anderen ihren Spaß lassen möchte, so kommt man doch nicht umhin, sich zu fragen, was die Menschen daran finden können. So erging es mir leider schon viel zu oft. „Der Herr der Ringe“ ist für mich sterbenslangweilig und „2001: Odyssee im Weltraum“ bloß ein öder Kunstfilm. Und nun sitze ich wieder zuhause, habe die zweite Staffel von Stranger Things gesehen, lese die euphorischen Kommentare im Internet und frage mich: Warum? Ist diese Serie wirklich so großartig? Ich überlegte lange angesichts dieser Frage und bin zum Schluss gekommen: Eher nicht. Wieso ich so denke, erfahrt Ihr in meiner Kritik.


Handlung

Ein knappes Jahr nach den Geschehnissen der ersten Staffel kehren wieder unnatürliche Dinge zurück in die Kleinstadt Hawkins. Den damals im Upside Down verschwundenen Will plagen seit jeher Alpträume, die dunklehen Vorhersehungen gleichkommen. Während seine Freunde und Familie versuchen, ihn davon abzulenken, versucht gleichzeitig die mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattete Elven unter der Beobachtung von Detective Hopper, ein unauffälliges in Isolation zu leben. Doch während das Unheil naht, werden all ihre Leben wieder einmal in durcheinander gewürfelt.


Kritik

Zunächst muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass ich die erste Staffel von Stranger Things großartig fand. Ebenso wie der Großteil der Internetgemeinde hatte ich meinen Spaß an der Gruppendynamik der Kinder, der mysteriösen und immer wieder Fragen aufwerfenden Geschichte und der grandiosen 80er Optik. Nicht umsonst war es eines meiner Highlights 2016. Betrachtet man die neue Staffel, so fallen all diese Punkte auch wieder auf und funktionieren erneut, insofern möchte ich ungern nochmals darauf eingehen. Vielmehr möchte ich auf die Schwächen eingehen, die sich nun viel mehr in die Story und die Figuren eingeschlichen haben. Insofern hier die Warnung, falls es sich negativ anhören könnte, die Pluspunkte der ersten Staffel sind zu großen Teilen weiterhin vorhanden.

Ehrlicherweise muss ich auch gestehen, dass mir die negativen Punkte erst später in der Staffel aufgefallen sind. Die ersten zwei, drei Folgen werfen einen einfach in die Geschichte rein und brauchen glücklicherweise auch kaum lange, um die neuen Figuren einzuführen oder die alten erneut vorzustellen. Bis dahin hatte ich genau dasselbe Gefühl wie in der ersten Staffel. Jedoch ergeben sich dann mit der Zeit immer weitere Nebenstränge in der Handlung, die ich einfach nicht gutheißen konnte. Mal waren sie langweilig (Roadtrip), dann wieder überflüssig mysteriös (Rüpel und Schwester) oder einfach völlig unpassend zum Rest der Serie (Punker-Bande). Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, jedoch hatte ich das Gefühl, die Serie hätte in diesen Punkten ihre Leichtigkeit verloren.

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Ein weiterer Punkt sind die Figuren, die alten und die neuen. Das neue Geschwisterpaar, Max und Billy, werden zwar mysteriös eingeführt, ihre Charaktere und ihre Relevanz für die Geschichte sind jedoch äußerst übersichtlich. Das hätte ich an sich nicht als störend empfunden, jedoch frage ich mich dann, weshalb sie so groß eingeführt worden sind. Es ist woh ein Problem von Stranger Things, um alles und jeden ein Mysterium weben zu wollen. In diesem Fall hat das nur dazu geführt, dass mir beide Figuren irgendwann egal waren. Unglücklich war auch die Idee, die Kinder größtenteils zu trennen. Während diesmal Will mehr im Mittelpunkt stand und Dustin und Lucas kleine Konflikte austragen mussten, fand Mike jedoch so gut wie gar nicht statt. Lebte die erste Staffel zu großen Teil von der Dynamik der Gruppe, ist davon in der zweiten kaum noch was zu spüren. Das ist schade und meiner Meinung nach auch nicht nachvollziehbar.

Der letzte Punkt, den ich anführen möchte, ist auf der einen Seite zwar etwas unfair der Serie gegenüber, ich kann ihn aber auch nicht komplett ablegen. Es sind die ewigen Anspielungen auf Werke der 80er Jahre, sowohl optisch als auch inhaltlich. Sicherlich ist das ein Stilmittel und der Zuschauer hat gewiss Spaß an den ganzen Zitaten, ich hatte mich daran jedoch sehr schnell satt gesehen. Ebenso war der optische Stil der Serie im letzten Jahr noch revolutionär, 2017 haben sich meine Augen daran aber auch schon gewöhnt. Dafür kann die Serie ja nichts, nur fehlt nun leider etwas der Wow-Effekt. Im Gegensatz zu den anderen Punkten ist das jedoch nichts, was man gegen die neue Staffel auslegen könnte.

Bevor die Kritik nun aber zu negativ klingt, muss ich aber auch noch positive Dinge loswerden, auch wenn ich diese zu Teilen schon angeführt habe. Die Story ist, auf die bloße Hauptstory runter gebrochen, wieder extrem stark. Es gibt wieder ein Mysterium, welches aufgedeckt und bekämpft werden muss. Dabei entwickelt sich erneut ein Sog an Spannung, der den Zuschauer packt und erst am Ende wieder frei lässt. In diesem Punkt haben die Macher alles richtig gemacht. Ebenso sind die altbekannten Figuren, besonders Steve, erneut sympathisch und perfekt zum Hineinversetzen, sodass man mit jeder einzelnen mitfühlen muss. Der Stil ist abgesehen vom fehlenden Überraschungsmoment wieder großartig und der Soundtrack steckt noch Wochen später im Ohr. Im Gegensatz zur durchschnittlichen Vormittags-Sitcom bietet Stranger Things also viel mehr, sodass der Hype auch im Grunde verständlich ist.

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Fazit

Die zweite Staffel von Stranger Things bietet erneut alle Vorzüge, die die erste Staffel ausgezeichnet haben: Starke Figuren, ein unvergleichlicher Stil, eine spannende Geschichte und ein Soundtrack, der sich ins Ohr brennt. Nur leider schleichen sich nun auch wesentlich mehr Fehler ein, die den Sehgenuss schmählern. Neue Figuren passen nicht ins gewohnte Schema, Nebenhandlung sind so einfalls- wie belanglos und sogar eine ganze Folge hätte meiner Meinung nach weggelassen werden können. So bleibt Stranger Things weiterhin eine tolle Serie, das Niveau der ersten Staffel wird jedoch nur selten erreicht.

7


Cast

  • Creator: Matt Duffer, Ross Duffer

Hauptdarsteller

Darsteller Figur
Winona Ryder Joyce Byers
David Harbour Jim Hopper
 Finn Wolfhard  Mike Wheeler
Millie Bobby Brown Eleven
Noah Schnapp Will Byers

 

Nebendarsteller

  • Gaten Matarazzo
  • Caleb McLaughlin
  • Natalia Dyer
  • Charlie Heaton
  • Joe Keery
  • Sadie Sink
  • Dacre Montgomery
  • Sean Astin
  • Paul Reiser

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 8,3/10

8


Die Staffeln von Stanger Things

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. lapismont sagt:

    Ich kann die Kritikpunkte nachvollziehen.

    Gefällt 1 Person

  2. Bin da ganz deiner Meinung. Und kann die übertriebenen Lobgesänge auf die 2. Staffel auch kaum nachvollziehen. Mir ging es leider sogar so, dass so gar keine Spannung aufkommen wollte, weil von vornherein klar war, dass es wieder ein Happy End werden würde. Nur Steve und Dustin konnten das ganze noch ein bisschen retten.

    Gefällt 1 Person

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