Kritik: The Revenant

Alle Jahre wieder strotzt der Januar voller Filme, die sich Hoffnungen machen auf den begehrten Academy Award. So konnte man im vergangenen Jahr in den beiden ersten Monaten hochkarätigste Filme im Kino sehen, „Birdman“ z.B. und „Boyhood“ wurde sogar extra dafür wieder ins Kino gebracht. Und genauso wird es auch in diesem Jahr wieder sein. Den Anfang macht dabei The Revenant, genau wie „Birdman“ vom Regisseur Alejandro Gonzales Inarritu gedreht. Und genau wie „Birdman“ darf sich der Film Hoffnung auf dem beliebten Goldjungen machen. Ich habe ihn gesehen und versuche zu erklären, warum er alle seine Oscars verdient, bis auf einen. Und der Oscar, den ich meine, ist genau der, dem am längsten entgegen gefiebert wird.


Handlung

Bei einer Expedition tief in der amerikanischen Wildnis wird der legendäre Jäger und Abenteurer Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) von einem Bären attackiert und von seinen Jagdbegleitern, die überzeugt sind, dass er dem Tod geweiht ist, zurückgelassen. In seinem Überlebenskampf erleidet Glass nicht nur unerträgliche Qualen, er muss auch erleben, dass sein vermeintlicher Beschützer John Fitzgerald (Tom Hardy) ihn verrät, beraubt und im Stich lässt. Angetrieben von der Liebe zu seiner Familie und einem schier übermenschlichen Willen zu überleben, um diesen Verrat zu rächen, kämpft Glass sich durch einen unerbittlichen Winter und eine feindliche Wildnis zurück ins Leben.


Kritik

Wie schon beschrieben, gilt The Revenant als einer der Top-Favoriten bei den kommenden Oscar-Verleihungen. Was kann man aber auch anderes erwarten, wenn man mit Inarritu einen Regisseur hat, der letztes Jahr mit „Birdman“ einen der besten Filme des Jahres geschaffen hat. Dann hört man noch, dass Leonardo DiCaprio und Tom Hardy die Hauptrollen spielen und weiß sofort, wie es der Film zum Favoriten geschafft hat. Und wenn man den Film sieht, merkt man das zu jeder Sekunde. Dies ist ein Oscar-Film und ist zu keiner Sekunde mit typischen Blockbuster zu vergleichen. Hier arbeiten ein Regisseur und ein Team zusammen, die wirklich Kunst schaffen wollen und das haben sie auch geschafft.

Die Aufnahmen sind teilweise wirklich atemberaubend. Da ermöglicht man dem Zuschauer eine Tiefe und Schärfe der Landschaft, die man so noch nie im Kino gesehen hat. Zumindest ich habe nichts vergleichbares im Kino gesehen. Darauf verlässt sich der Film jedoch auch. Es gibt teilweise Einstellungen, die nichts aussagen, sondern nur die Bildgewalt sprechen lassen. Das ist teils wunderschön, kann aber auch langweilen, besonders wenn dann die Handlung auch nicht auf der Spannungsspitze steht. Denn auch da kommt es immer wieder zu Schwankungen.

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©20th Century Fox

Es geht nunmal darum, dass ein Mann dem Tode nur knapp entkommt und Rache nehmen will. Doch bevor er diese bekommt, muss er halt wieder auferstehen. Und dies ist dann auch die Zeit im Film, die öfter langweilen kann. Da wäre vielleicht weniger mehr gewesen, wie man so schön sagt. Mit seinen zweieinhalb Stunden Laufzeit muss man eh viel Sitzfleisch mitbringen, da lassen sich die eher langweiligeren Szenen noch  weniger aushalten. Schafft man das aber, wird man in 80% des Films mit so intensiven Szenen belohnt, dass einem der Atem stockt. Die Bärenattacke, ein Indianerangriff zu Beginn des Films oder auch die anderen Actionszenen sind überragend inszeniert, perfekt gefilmt und toll gespielt.

Ein Film mit DiCaprio und Hardy in den Hauptrollen kann sowieso nur gut gespielt werden, aber dann hat man auch noch Domhnall Gleeson oder den jungen Will Poulter, die ebenfalls überragen, aber eben nicht so im Fokus stehen. Es hieß und heißt ja, dass DiCaprio mit „The Revenant“ endlich seinen lang ersehnten Oscar kriegen wird, doch meiner Meinung nach wäre es nicht verdient. Er ist natürlich ein toller Darsteller und zeigt es auch hier, aber Hardy stiehlt ihm einfach die Schau. Er hat zu wenig Gelegenheit, hier sein Können zu zeigen und verletzt rumliegen und sabbern sehe ich jetzt nicht als schauspielerische Höchstleistung. Die bringt Hardy und schauen wir auf das gesamte vergangene Jahr, gibt es immer noch einen Michael Fassbender in „Steve Jobs“.

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©20th Century Fox

Eines muss aber noch gesagt werden: Der Film macht nicht immer Spaß. Es gibt immer wieder Szenen, besonders die Bärenattacke, die wirklich weh tun können. Da sitzt man im Kinosessel und muss seinen Magen ermahnen, jetzt nicht alles auszuspülen. Das soll nur eine Warnung sein für die, die es nicht so abkönnen. Ich hab auch schon Schwindel bekommen, halte es jedoch auch für nötig, solche Szenen zu zeigen. Sie zeigen nun mal, wie es damals war. Das ist dann authentisch und trägt nur zur Qualität des Films bei.


Fazit

The Revenant ist ein Oscar-Film durch und durch. Das mag den allgemeinen Kinogänger eventuell etwas langweilen, mich hat der Film aber über weite Strecken mit seiner Brutalität, seiner Ästhetik und seiner Bildgewalt einfach nur fasziniert. Inarritu weiß, wie man eine Geschichte präsentiert, nur hat er diesmal im Gegensatz zu „Birdman“ keine einwandfreie Story parat. Dafür konzentriert er sich mehr auf die Bilder, bietet perfekte darstellerische Leistungen und zeigt den anderen Regisseuren der Welt, wie man es macht. Insofern ist „The Revenant“ schon der erste Hit des neuen Jahres, auch wenn es nicht der perfekte Film geworden ist, obwohl er nah dran ist.

9


Cast

  • Regisseur: Alejandro Gonzales Inarritu
  • Drehbuchautor: Mark L. Smith und Alejandro Gonzales Inarritu

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Leonardo DiCaprio  Hugh Glass
 Tom Hardy  John Fitzgerald
 Domhnall Gleeson  Captain Andrew Henry
 Will Poulter Bridger

Nebendarsteller

  • Forrest Goodluck
  • Paul Anderson
  • Kristoffer Joner

Links


Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 8,0/10

8


Die Filme von Alejandro G. Iñárritu

  • Amores Perros (2000)
  • 21 Gramm (2003)
  • Babel (2006)
  • Biutiful (2010)
  • Birdman (2014)
  • The Revenant (2015)
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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. franziska-t sagt:

    Ich kann dir nur zustimmen. Mir gefielen diese Rückblenden und Visionen von Glass‘ Frau nicht so, aber schauspielerisch und landschaftlich ist der Film einfach top. Ich finde es etwas schade, dass Tom Hardy angesichts der ganzen Leo-kriegt-den-Oscar-Euphorie immer ein bißchen vergessen wird. Jeder Held ist nur so gut wie sein Gegenspieler, ganz besonders im Western.

    Hier meine Review: https://filmkompass.wordpress.com/2016/01/07/the-revenant-2015/

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  2. Varok sagt:

    ^^, also bei mir kam der ja echt mies weg ^^ gerade mal 1/5 schaffte er bei mir

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  3. jrtripper sagt:

    Ein Oscar Film durch und durch??????
    wenn man die überflüssigen schauspieler entfernt, dann stimmt das.
    dann hat der film wirklich einen oscar verdient, als bester naturfilm.
    jemanden einen oscar zu verleihen, nur weil er mal an der reihe wäre, macht aus diesem „ding“, keinen oscar film.

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