Kritik: Logan

Wenn man an Schauspieler denkt, die quasi mit einer ihrer Rollen verschmolzen sind, gibt es unzählige Beispiele: Daniel Radcliffe als Harry Potter, Robert Downey Jr. als Iron Man oder eben Hugh Jackman als Wolverine. Fast kein anderer Darsteller hat einen Comichelden so eindrucksvoll leben eingehaucht wie der australische Mime. Dennoch gibt es auch wenige Superhelden im Kino, die mich bislang so wenig interessiert haben wie der wütende Wolfsmann. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen, aber so habe ich bereits die ersten beiden Einzelfilme nicht gesehen. Diese Woche startet aber Logan im Kino, der dritte und für Hugh Jackman auch der abschließende Film des Wolverines. Das allein hat schon mein Interesse geweckt, ein FSK-Rating ab 16 und fast schon überschwängliche Lobeshymnen haben in mir dann doch so etwas wie Vorfreude geweckt. Ob ich diese auch zurecht gefühlt habe oder ob ich mich auch im letzten Film nicht mit Wolverin anfreunden kann, erfahrt Ihr nun in meiner Kritik.


Handlung

In naher Zukunft schützt ein abgekämpfter Logan einen gebrochenen Professor X in einem Versteck nahe der mexikanischen Grenze. Doch Logans Versuche, sich vor der Welt und seinem Vermächtnis zu verstecken, misslingen als ein junger Mutant, von dunklen Kräften verfolgt, bei ihnen Zuflucht sucht.


Kritik

Das „X-Men“-Universum ist das älteste, wenn man die neueren Blockbuster betrachtet, immerhin hat der erste Film im Alleingang das Superhelden-Genre ins Kino gebracht und was daraus geworden, sehen wir alle paar Monate im Kino. Besonders diese Filmreihe ist dabei aber eine meiner liebsten, weil sie inzwischen so viel Zeit hatte, seine Figuren zu etablieren, und in den meisten Fällen eine eher bodenständige Geschichte erzählt, bei der nicht die ganze Welt in Gefahr ist. Genau diesen Weg möchte Logan nun auch gehen. Es geht nicht darum, die USA oder die Welt zu retten, vielmehr geht es darum, dem Helden Wolverine ein würdiges Ende zu bereiten und nebenbei eine einfühlsame und sehr persönliche Geschichte zu erzählen.

Damit haben wir dann auch schon die zwei großen Pluspunkte des Films genannt: Obwohl ich kein großer Fan des Wolfsmannes bin, so war ich doch emotional angetan von der Geschichte, die zusätzlich noch den Nebenfiguren (besonders Patrick Stewart als Professor X) genügend Spielraum gibt, um sie auch neu oder grundlegend anders kennenzulernen. Grandios ist dabei vor allem das Zusammenspiel von eben jenen Figuren, bei denen die Rollen schon nahezu vertauscht sind im Vergleich zu älteren Filmen und dabei auch für den Zuschauer etwas Neues zu bieten hat. Großes Lob verdienen dabei auch die Darsteller Jackman und Stewart, die ich bislang nicht so toll in Erinnerung hatte. Ohne ihre Leistungen hätte der Film vermutlich nicht so funktioniert, wie er es hier tut.

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Dennoch dümpelt der Film nicht nur vor sich und ergeht sich in ewigen Dialogen. Diese gibt es hier zwar zuhauf, aber bis auf die letzten Szenen, die schreckliche Dialoge zeigen, sind auch diese berührend und nachvollziehbar. Von einem Superheldenfilm kann man das nicht unbedingt erwarten. Es bleibt aber auch die Frage, ob man Logan noch als Superheldenfilm bezeichnen kann, die offizielle Bezeichnung lautet nämlich Action-Drama. Das kommt dem Ganzen auch sehr viel näher, denn neben Wolverine und Professor X gibt es so gut wie keinen anderen Mutanten zu sehen. So sind auch die Actionszenen besonders geprägt durch Nahkämpfe und nicht durch unübersichtliche CGI-Gewitter. Und wenn es dann mal zu solchen Kämpfen kommt, dann aber so richtig!

Bei Logan handelt es sich nämlich auch nicht um so eine handzahme Action, wie man sie von den Marvel-Filmen kennt, hier gehören abgetrennte Körperteile und von Krallen durchlöcherte Köpfe zum Standart. Sicherlich ist Gewalt per se automatisch kein Pluspunkt, aber verbunden mit der trostlosen Welt und der düsteren Geschichte, die man hier erzählen möchte, passt das einfach. Und so ist man am Anfang erst einmal überrascht, gewöhnt sich dann aber relativ schnell an die ungewohnte Härte. Und wenn FOX mit den „X-Men“-Filmen so weitermacht, dann kann man einen interessanten Gegenpol zu den anderen Superhelden-Filmen schaffen, der zumindest mich sehr interessieren würde.

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Dennoch muss man sagen, dass Logan auch nicht frei von Fehlern ist. Die Dialoge am Ende des Films habe ich schon erwähnt, aber dabei bleibt es leider nicht. Insgesamt hat mir das Ende nicht gut gefallen. Es gibt natürlich einen emotionalen Endpunkt, aber insgesamt haben sie das schlecht gelöst, vor allem, weil Figuren auftauchen, die nicht noch interessanter sein könnten und dann plötzlich eine tragende Rolle übernehmen. Insgesamt gibt es einfach zu viele fragwürdige Entscheidungen in der Handlung, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Aber sie haben dann leider doch die ansonsten gelungene Stimmung getrübt, die den Film sonst so ausmachen.


Fazit

Es ist schwer, Logan zu kritisieren, ohne zu viel zu erzählen, weil die negativen Punkte erst im Laufe der Handlung zutage kommen. Bis dahin kann der Film aber mit tollen Figuren, einer düsteren Stimmung und insgesamt mit einer privaten Handlung überzeugen, die zudem immer wieder durch perfekt passende Gewaltorgien durchzogen ist. Das führt zu einem der besseren Superheldenfilme der letzten Jahre, gerade, weil es so wenig von einem Superheldenfilm besitzt.

8


Cast

  • Regisseur: James Mangold
  • Drehbuch: Scott Frank, James Mangold, Michael Green

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Hugh Jackman Logan
Patrick Stewart Charles
Dafne Keen Laura

Nebendarsteller

  • Boyd Holbrook
  • Stephen Merchant
  • Elizabeth Rodriguez
  • Richard E. Grant

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 8,1/10

8


Die Filme von James Mangold

  • Liebeshunger (1995)
  • Cop Land (1997)
  • Durchgeknallt (1999)
  • Kate & Leopold (2001)
  • Identität (2003)
  • Walk the Line (2005)
  • Todeszug nach Yuma (2007)
  • Knight and Day (2010)
  • Wolverine: Weg des Kriegers (2013)
  • Logan (2017)

Die Filme der „X-Men“-Reihe

  • X-Men (2000)
  • X-Men 2 (2003)
  • X-Men: Der letzte Widerstand (2006)
  • X-Men Origins: Wolverine (2009)
  • X-Men: Erste Entscheidung (2011)
  • Wolverine: Weg des Kriegers (2013)
  • X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (2014)
  • Deadpool (2016)
  • X-Men: Apocalypse (2016)
  • Logan (2017)

Bildrechte liegen bei 20th Century Fox

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