Kritik: Doctor Strange

Im Marvel Cinematic Universum haben wir ja schon sehr viel gesehen: Es gibt mächtige Götter (Thor), genmanipulierte Supersoldaten (Captain America) und Genies mit ihren eigenen Roboter-Anzügen (Iron Man). Was dem ganzen Universum aber noch gefehlt hat, ist Magie. Nun ist natürlich die Frage, ob man Magie in dieser Welt braucht, aber zumindest in den Comics haben sie mit Doctor Strange einen sehr beliebten Vertreter dieser Kunst. In der nun erschienenen Verfilmung wird der Sorcerer Surpreme zudem von niemand geringerem als Benedict Cumberbatch gespielt, sodass es eigentlich genügend Gründe gibt, den Film zu sehen. Ich durfte bei der Fanpremiere dabei sein und verrate Euch nun in meiner Kritik, ob es die Magie wirklich gebraucht hat und ob Cumberbatch mal wieder eine magische Vorstellung präsentiert.


Handlung

Der Neurochirurg Stephen Strange ist einer der talentiertesten und besten Ärzte der Welt. Doch nach einem selbst verschuldeten Unfall, der ihm seine Hände nahezu vollständig zerschmettert, liegt sein Leben in Trümmern: Er gibt all sein Geld für unmögliche Operationen aus und verliert jegliche soziale Kontakte, unter anderem auch den zu seiner Ex-Freundin, die sich als einzige noch um ihn gesorgt hat. Als er von einem quasi unmöglichen Heilungsprozess hört und ihn der Betroffene in die Berge Indiens führt, trifft er die Älteste und ihre Gefolgsmänner, die Strange in ihre Obhut nehmen, um ihn auf den bevorstehenden Kampf gegen böse Magier und einen übermächtigen Gegner vorzubereiten.


Kritik

An ähnlicher Stelle habe ich schon oft erwähnt, dass ich ein riesiger Fan von Superhelden-Filmen bin und nahezu immer vom Gezeigten befriedigt werde. Und doch konnte ich mich auf Doctor Strange nicht wirklich freuen, weil es mal wieder eine Origin-Story ist und mal wieder ein neuer Held eingeführt wird. Besonders im Hinblick auf die ersten Origin-Filme aus dem Hause Marvel habe ich mir doch so meine Sorgen gemacht. Immerhin konnten „Captain America“ und „Thor“ nicht überzeugen. Aber wer eine ähnliche Sorge hatte wie ich, den kann ich beruhigen: „Doctor Strange“ macht so gut wie alles richtig, wenn es darum geht, einen neuen Helden einzuführen. Alle Fehler, die die genannten Filme gemacht haben, werden hier gekonnt umgangen und bilden so einen der besten Blockbuster des Jahres.

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Stange kann noch nicht glauben, was um ihn herum geschieht. Quelle: giphy.com

Eines der größten Probleme ist die ewig lange Entstehungsgeschichte des Helden. Viel zu langatmig mussten wir mit ansehen, wie Captain America in den Krieg gezogen ist und wie Thor von seinem Vater verbannt wurde. Hier wird das alles sehr angenehm gekürzt, sodass ich auch kaum etwas vorweg nehmen kann. Immerhin geschieht die Charakterisierung der Hauptfigur, sein Unfall und sein Weg in ferne Länder in maximal dreißig Minuten. Und dabei wird meiner Meinung nach weder zu wenig gezeigt, noch wird die Zeit unnötig gestreckt. Was dann folgt, ist die Ausbildung des Magiers, die unterhaltsam präsentiert ist und ebenso die Fähigkeiten präsentiert, die im Laufe des Films noch wichtig werden. Besonders faszinierend dabei waren vor allem die optsichen Spielereihen, die man so noch nicht gesehen hat.

Wer den Trailer bereits gesehen hat, der wird wohl schon wissen, worauf ich anspiele. Sicherlich sind die glühenden Leuchtringe zur Teleportation an sich schon sehr eindrucksvoll dargestellt, wirklich atemberaubend wird es aber dann, wenn die Figuren anfangen, den Raum und sogar die Zeit nach ihren Wünschen zu verdrehen. Das erinnert dabei nicht nur im Positiven an „Inception“, übertrumpft diesen dabei sogar noch um ein paar Stufen. In diesem Punkt spreche ich aber explizit nur vom Optischen. Handlungstechnisch ist „Doctor Strange“ nämlich nicht so besonders wie der Traum-Thriller von Christopher Nolan. Vielmehr bekommt man hier „nur“ die altbekannte Marvel-Formel präsentiert, die jedoch wie gewohnt unterhaltsam ist und so nie Langeweile aufkommen lässt.

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Von solchen Bildern bekommt man hier mehr als genug! Quelle: giphy.com

Ein letztes positives Wort muss dann noch zu den Darstellern gesagt werden. Die zeigen nämlich allesamt eine grandiose Leistung. Allen voran ist natürlich Benedict Cumberbatch der Mann, der hier alle Augen auf sich zieht. Jedoch muss auch gesagt werden, dass, egal wie gut seine Leistung ist, er nur wieder eine Alternative von Sherlock Holmes spielt. Das soll sein Schauspiel aber nicht runterziehen, das ist nämlich toll. Mindestens genau so gut spielen aber auch Tilda Swinton als die Älteste und Chiwetel Ejiofor als Stranges Lehr- und Kampfpartner. Die drei zusammen sorgen dafür, dass viele Szenen erst so gut sind, wie sie dann am Ende auch sind. Auch eine Rachel McAdams spielt ihre Figur gekonnt, einzige Mads Mikkelsen bleibt weit hinter seinem Können zurück. Leider bekommt er dafür aber auch nicht die nötige Leinwandzeit, was mich zu dem einen negativen Punkt des Films führt.

Der große negative Punkt, den ich erwähnen muss, ist gewissermaßen auch kein neuer in der Marvel-Welt. Denn wie so oft ist es hier der Bösewicht, den man noch mindestens zweimal hätte überarbeiten müssen. Mads Mikkelsen ist natürlich ein grandioser Darsteller, aber auch er kann wenig machen, wenn er nichts zu tun bekommt. Von Anfang an ist zwar klar, warum der Bösewicht so agiert, wie er es tut, aber die genaue Motivation ist für mich noch immer unverständlich. Und auch wen seine Szenen mit Doctor Strange zusammen ganz unterhaltsam sind, wirklich charakterisiert wird er auch nicht. Hier hat man es wieder verpasst, einen guten Bösewicht im Marvel-Universum zu etablieren. Zu dem Thema empfehle ich aber eher diesen Artikel, in dem ich etwas genauer auf die Bösewicht-Problematik von Marvel eingehe.


Fazit

Doctor Strange ist wieder der typische Marvel-Film: Unterhaltsam, witzig, actionreich. Im Vergleich mit den anderen Filmen der Reihe hat man hier aber noch mehr zu bieten, nämlich herausragende Darsteller und optische Spielereihen, die ich in dieser Form noch nie gesehen habe. Was „Doctor Strange“ dann aber doch noch etwas herabstuft, ist der wieder mal langweilige Bösewicht, was aber nichts daran ändert, dass es sich hier um einen der sehenswertesten Blockbuster des Jahres handelt.

8


Cast

  • Regisseur: Scott Derrickson
  • Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derrickson, C. Robert Cargill

Hauptdarsteller

Darsteller Figur
 Benedict Cumberbatch Dr. Stephen Strange
Tilda Swinton The Ancient One
Rachel McAdams Christine Palmer
Chiwetel Ejiofor Mordo
Mads Mikkelsen Kaecilius

Nebendarsteller

  • Benedict Wong
  • Michael Stuhlbarg
  • Benjamin Bratt
  • Scott Adkins

Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,9/10

8


Das Marvel Cinematic Universe

  • Iron Man (2008)
  • Der unglaubliche Hulk (2008)
  • Iron Man 2 (2010)
  • Thor (2011)
  • Captain America: The First Avenger (2011)
  • The Avengers (2012)
  • Iron Man 3 (2013)
  • Thor – The Dark Kingdom (2013)
  • The Return of the First Avenger (2014)
  • Guardians of the Galaxy (2014)
  • Avengers: Age of Ultron (2015)
  • Ant-Man (2015)
  • The First Avenger: Civil War (2016)
  • Doctor Strange (2016)
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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Luziferian sagt:

    mir gefiel der film auch sehr gut. man könnte vllt noch den humor erwähnen, den fand ich nämlich deutlich gelungener als in so manch anderem mcu-film. habe ihn auch letztes wochenende gesehen und reviewt 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Shalima Moon sagt:

    Mir gefiel der Film auch sehr gut. Mich hat Mikkelsen als „schwacher“ Bösewicht weniger gestört, als die dunkle Ebene als „Überbösewicht“, der dann aber auf einmal viel leichter zu besiegen war, als der „schwache“ Bösewicht.
    Oh und in eurer Liste vom MCU fehlt Deadpool 😉

    Gefällt 2 Personen

    1. Stimmt, der „Oberbösewicht“ hat sehr schnell darum gebettelt, der Dauerschleife entfliehen zu dürfen.

      Gefällt 1 Person

    2. Staffmann sagt:

      Naja, man weiß ja nicht, wie lang der in der Schleife war^^ Fand das aber kreativer als einfach nur b Kampf. Und Deadpool ist nicht im MCU^^ der gehört ja zu den X-Men

      Gefällt mir

      1. Shalima Moon sagt:

        Ich finde man hätte diesen Überbösewicht einfach nicht auftreten lassen müssen, sondern Mikkelsen einfach stärker gestalten

        Gefällt mir

  3. Ja, das stimmt, die Marvel-Filme folgen immer einer gewissen Schablone und die Bösewichter stellen sich trotz furchteinflößendem Aufbau schließlich als relativ leicht bezwingbare Gegner heraus. Doch im Gegensatz zu manch anderem Film des Marvel-Universums hat Doctor Strange zumindest Erstes sehr gekonnt, kurzweilig und unterhaltsam bedient. Letztes ist angesichts einer Schauspielgröße wie Mikkelsen allerdings wieder sehr ärgerlich.

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  4. Ist halt vergleichbar mit Iron Man 1. Dort stimmen Humor und der Schauspieler, aber der Bösewicht gerät dort sogar noch mehr in Vergessenheit.
    Das Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Finale muss auch nicht jedem gefallen, ist aber wenigstens mal was neues.

    Marvel / Disney solltn sich trotzdem mehr trauen und aus bekannten Gewässern heraustreten. Captain America 2 ging mit der Spionage-Geschichte schonmal in die richtige Richtung.

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  5. xsehu sagt:

    “ Von Anfang an ist zwar klar, warum der Bösewicht so agiert, wie er es tut, aber die genaue Motivation ist für mich noch immer unverständlich.“

    was genau meinst du damit? Seine Motivation – das Streben nach Unsterblichkeit, sowie die Enttäuschung über die Älteste, welche sich selber bei der dunklen Dimension bedient – ist an und für sich wird doch relativ klar

    ich fand aber auch, dass Mikkelsens Charakter unter seinen Möglichkeiten blieb, v.a. die Gemeinsamkeiten zwischen ihm und Strange hätte man gern auführlicher darstellen können

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  6. Horus sagt:

    Hi,

    ich bin etwas enttäuscht von dem Film (unabhängig von den Darstellern, Effekten oder Witzen)
    Das Thema (Physikalisch relative Realitäten – Quantenphysik in Ergänzung zu buddhistischer Weisheit) ist so allumfassend und tiefgründig, dass es natürlich extrem schwer ist normalen Menschen in einem Film zu vermitteln. Vor allem in der Kürze der Zeit. ABER es hätte etwas mehr „geistigen“ Tiefgang geben können. Es fing wirklich sehr gut an und wandelte sich innerhalb kurzer Zeit in einen reinen „Actionfilm“ mit teilweise reiner Effektpräsentation. In dieser Hinsicht war Matrix etwas besser. Nun ja somit blieb es am Ende ein Heldenfilm von Marvel. Und warum muss es die angelsächsische Achse diejenige sein, welche die Welt beschützt? ^^ (London, NewYork, HongKong)

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    1. Staffmann sagt:

      Na gut, wenn man von Marvel den geistigen Tiefgang erwartet, dann wäre ich wohl auch enttäuscht^^ Ich habe mir davon halt gar nichts erwartet, insofern ging das sehr gut. Was mich allerdings auch gestört hat, war die angesprochene Achse. Auch gut, dass man so wieder den chinesischen Markt ansprechen konnte^^

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