Kritik: The Jungle Book

Spricht man über die Filme seiner Kindheit, landet man unweigerlich bei den guten alten Disney-Klassikern. Egal, wie alt man ist, einen Zeichentrickfilm aus dieser Produktionsschmiede hat mindestens gesehen und lieben gelernt. Für mich waren das damals „Peter Pan“ und „Der Glöckner von Notre Dame“. Doch auch „Der König der Löwen“ und „Das Dschungelbuch“ liefen bei mir auf und ab. Letzterer kommt nun erneut ins Kino, allerdings nicht als Zeichentrick-, sondern als Realfilm. Ob sich das gelohnt hat oder ob die so beliebte Geschichte dadurch ihren Charme verloren hat, versuche ich in meiner Kritik von The Jungle Book zu klären.


Handlung

Aufgenommen von einem Wolfsrudel, wächst der Menschenjunge Mogli behütet im Dschungel auf. Doch Mogli fühlt sich nicht länger willkommen, als er von dem Versprechen des mächtigen und furchterregenden Tigers Shir Khan erfährt, der jegliche menschliche Bedrohung vernichten wird, um die Gesetze des Dschungels zu wahren. Nun muss Mogli das einzige Zuhause, das er je kannte, verlassen und sich auf ein gefahrenvolles Abenteuer begeben. In Begleitung seines weisen aber strengen Mentors Baghira und des lebensfrohen Bären Balu macht Mogli sich auf seine schwerste Reise, auf der er auch Dschungel-Bewohner trifft, die es nicht unbedingt gut mit ihm meinen. So wie Kaa, eine Python, deren verführerische Stimme und hypnotisierender Blick den Menschenjungen in den Bann ziehen. Oder der hinterlistige König Louie, der Mogli dazu bringen will, ihm das Geheimnis der mysteriösen tödlichen roten Blume, genannt „Feuer“, zu verraten. Als Mogli erkennt, dass seine Stärke nicht nur in ihm selbst, sondern auch in seiner Verbundenheit mit dem Dschungel liegt, trifft er eine folgenschwere Entscheidung…


Kritik

Ich denke mal, die Handlung hat jeder überflogen, immerhin wird es nicht wenige geben, die den Zeichentrickfilm schon einige Male gesehen haben. Ich muss aber gestehen, dass ich trotz mehrerer Sichtungen des Films die Handlung nicht exakt im Kopf hatte. Viele Szenen, die ich jetzt nicht wiederholen möchte, konnten mich überraschen und faszinieren, obwohl ich die Vorlage schon kannte. Ob das nun an Änderungen zum Original oder an meinem schwachen Gedächtnis liegt, sei dahingestellt. Hauptsache ist doch, dass mich die Neuauflage von Jon Favreau nicht ein einziges mal gelangweilt hat. Vielmehr war ich zwei Stunden an den Kinositz gefesselt und das hatte mehrere Gründe.

Der offensichtlichste, im Trailer schon deutlich sichtbare, Grund ist die Optik. Nie wurde das Leben im Dschungel so beeindruckend und lebensnah dargestellt wie hier. Seien es die animierten Tiere oder die abgefilmten (?) Landschaftsaufnahmen, alles sieht spektakulär aus und lässt in einem dem Wunsch wachsen, selbst dort zu leben. Sowohl bei Nacht, als auch am Tag bietet Favreau dem Zuschauer genügend Kleinigkeiten zu sehen, die für mehrere Filme gereicht hätten. Dazu kommt dann noch das Zusammenspiel des Hauptdarstellers Neel Sethi, der mit den animierten Tieren spricht und interagiert, als wären sie direkt neben ihm gewesen.

Das führt mich direkt zum zweiten Punkt. Denn Sethi hat die große Aufgabe, den ganzen Film zu tragen. Er ist die zentrale Figur und in so gut wie jeder Szene zu sehen. Nicht jeder Jungdarsteller hätte das so gekonnt geschafft, wie es Sethi nun einmal tut. Eigentlich ist es unfassbar, dass es sein erster Spielfilm ist. Doch nicht nur die Rolle des Mowgli wurde perfekt besetzt, auch alle anderen Figuren haben den passenden Darsteller bzw. Synchronsprecher gefunden. Seien es nun Bill Murray, Ben Kingsley oder der herausragende Idris Elba, jeder spricht die Tiere so, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Deshalb muss ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, den Film unbedingt auf Englisch zu schauen, erst dann kann man die grandiose Synchronarbeit wirklich wertschätzen.

An der Handlung hat sich nicht vieles im Vergleich zum Zeichentrick-Vorbild getan. Auf den ersten Blick ist die Handlung auch nicht wirklich spannend oder tiefgründig, umso überraschender ist es, dass sie einen trotzdem über fast zwei Stunden lang fesseln konnte. Keine Szene wirkt überflüssig oder gezwungen, dabei stolpert Mowgli von einer Situation in die nächste, die alle so gekonnt miteinander verbunden sind, dass man es auch gar nicht hinterfragt. Vielmehr lässt man sich zusammen mit Mowgli durch die Ereignisse treiben und ist fasziniert von der nächsten Begegnung. Zusammen mit den oben genannten Gründen ist das aber auch nicht so schwierig.

Dennoch ist „The Jungle Book“ nicht frei von Fehlern. Auch wenn es das beste Kinoerlebnis dieses Jahres für mich war, kann ich den Film nicht als Meisterwerk bezeichnen. Trotzdem sich Humor und Ernsthaftigkeit die Waage halten, hätte ich mir doch etwas mehr düstere Szenen gewünscht. Es wird immer kritisiert, dass der Film nicht so locker leicht wie das Original ist, dabei hätte mir diese Abgrenzung doch etwas mehr gefallen. Etwas mehr von der angedeuteten Ernsthaftigkeit hätten den Film dann noch einmal auf ein anderes Niveau gehoben.


Fazit

Ich habe es ja schon durchklingen lassen, Stand jetzt ist The Jungle Book der meiner Meinung nach beste Film des Jahres. Ich war nahezu perfekt unterhalten dank Humor, Spannung und einer unfassbar schönen Optik des Films. Zusammen mit der Synchronisation und dem Schauspiel des jungen Neel Sethi kann ich fast gar nichts beanstanden. Mit Blick auf die noch kommenden Realverfilmungen von Disney kann man sich nur darauf freuen. Schaffen diese es, „The Jungle Book“ nur annähernd nahe zu kommen, erwarten uns noch viele sehenswerte Filme.

9


Cast

  • Regisseur: Jon Favreau
  • Drehbuch: Justin Marks

Hauptdarsteller

Darsteller Rolle
 Neel Sethi Mowgli
Bil Murray Baloo (Stimme)
Ben Kingsley Bagheera (Stimme)
 Idris Elba Shere Khan (Stimme)
Lupita Nyong’o  Raksha (Stimme)

Nebendarsteller

  • Scarlett Johansson
  • Giancarlo Esposito
  • Christopher Walken

Links


Weitere Meinungen

 

  • Schnitt: 7,3/10

7

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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. shalimamoon sagt:

    Der beste Film würde ich nicht sagen, da haben für mich ganz andere Filme die Nase vorne, aber auf jeden Fall ein sehr guter.
    Und Handlungstechnisch wurde nicht viel, aber doch einiges geändert 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Staffmann sagt:

      Wie gesagt, ich kann mich nur noch an einzelne Szenen erinnern, aber ein paar Sachen sind mir schon aufgefallen 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Der Song von King Louie war für mich ein unfassbar fremdschämiger Moment – und das obwohl ich ihn mir zu Hause angesehen habe ^^
    Funktioniert das im O-Ton besser? Für mich hat sich das (genau wie die gesamte Szene sowie die mit Kaa) ganz nach „Muss rein, weils drin sein muss“ angefühlt

    Gefällt 1 Person

    1. Staffmann sagt:

      Ach nee, ich fand, dass das super reingepasst hat.

      Gefällt 1 Person

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