Kritik: La la land

Gut einen Monat ist es schon wieder her, dass ich La La Land gesehen habe. Bereits da war das Interesse an der Pressevorführung so groß, dass nachträglich noch ein zweiter Kinosaal gemietet werden musste. Nun startete der Film gestern auch hier in Deutschland, der Film hat bei den Golden Globes mächtig abgeräumt und im Gegensatz zu vielen anderen Filmen der letzten Zeit (z.B. Arrival) ist auch ein viel höheres Werbeaufgebot spürbar. Mir ist der momentane Hype viel zu hoch. Doch ist er gerechtfertigt? Ich denke schon.


Handlung

Los Angeles – Mia (Emma Stone) verfolgt ihren großen Traum von der Schauspielerei, nur leider läuft das alles nicht so, wie sie es sich erhofft hatte. Die spärlich gesäten Castings sind niederschmetternd und zehren an Mias Mut und ihrer Zuversicht. Jazzmusiker und Pianist Sebastian (Ryan Gosling) ergeht es ähnlich, statt seines eigenen Jazzclubs, wo er Legenden von früher ehren würde, spielt er in einem Restaurant billige Weihnachtslieder. Die beiden treffen sich mehrfach scheinbar zufällig und Mia versucht, den anfangs abweisenden Sebastian aus der Reserve zu locken – hat sie doch schließlich erkannt, dass es ihm nicht anders ergeht als ihr, und ihm das was er tut keine Freude bereitet. Sebastian erkennt nach einiger Zeit, dass er Mia möglicherweise falsch eingeschätzt hat und er verliebt sich in sie – obwohl diese keine Jazzmusik mag. Die Leidenschaft der beiden für ihre Passionen schmiedet sie zusammen und sorgt für Romantik, treibt letztendlich aber  auch einen Keil zwischen sie. Der innere Zwiespalt zwischen der Erfüllung ihrer Träume und einer gewissen Stabilität stellt die Beziehung auf eine harte Probe.


Kritik

Ich hatte keinen Schimmer, was mich wohl erwarten würde, schließlich wusste ich nur, dass der Film Musicalelemente beinhalten würde, was meine Skepsis zuerst ein wenig gesteigert hat. Da Regisseur Damien Chazelle jedoch mit Whiplash einen der meiner Meinung nach besten Filme der letzten Jahre auf die Leinwand gezaubert hatte, wandelte sich meine Skepsis in Neugier. In den ersten 10 Minuten des Films war ich mir dann sicher, ich würde mich wohl mit 128 Min. durchchoreographierten, kitschigen und typischen Musicalsequenzen arrangieren müssen. Glücklicherweise war dem nicht so. Zwar wird den Liedern in La La Land ein hohes Gewicht zu teil, sie fügen sich aber nahtlos in die Handlung ein und bestimmen sie oftmals auch maßgeblich.  Damien Chazelle hat es sich dankenswerterweise nicht nehmen lassen, erneut seine Liebe zur Jazzmusik einfließen zu lassen, in diesem Fall ist Ryan Gosling ihr Bewahrer in Zeiten, wo das Interesse an Swing und Jazz stark nachgelassen hat. Die Missionierung glückt, auch ich war wenige Tage nach der Vorführung von La La Land in einem Jazz-Club in Berlin und habe mir eine offene Jamsession angesehen/angehört – kann ich wirklich nur empfehlen.

Als sehr gelungen dargestellt empfand ich auch den Konflikt, mit denen sich die Charaktere dieses Films konfrontiert sehen, auch wenn dieser schon in einigen Filmen als thematischer Überbau gedient hat. Dennoch wird La La Land nicht zu einem Ratgeber, der dem Zuschauer vermitteln möchte, welcher Weg der richtige ist. Welche Entscheidungen Mia und Sebastian auch treffen – alle haben ihre positiven und negativen Facetten. Im Endeffekt geht es um Prioritäten und die Ausschöpfung von Potenzial.

Neben einer stimmigen und schönen Handlung bieten uns La La Land und Komponist Justin Hurwitz außerdem einen Originalsoundtrack, der dieses Jahr vermutlich auf wenig Konkurrenz stoßen wird – zumindest wenn es einen Preis für den eingängigsten Song (man könnte auch sagen Ohrwurm) geben würde, wäre „City of Stars“ garantiert unangefochten.


Die Liebe zur Musik und zum Jazz sowohl des Komponisten als auch des zu verkörpernden Protagonisten Sebastian haben Ryan Gosling herausgefordert, seine gesamte Kraft auf diese Rolle zu konzentrieren und ein halbes Jahr lang jeden Tag stundenlang Klavierunterricht zu nehmen. Es ist immer wieder erstaunlich, was mit viel Hingabe (und der Zeit und Möglichkeit) machbar ist. Justin Hurwitz zu Ryan Gosling: „Wie Ryan das Piano meistert ist fast schon absurd großartig. Ich kann es immer noch nicht fassen. Sein unerschöpfliches Engagement am Klavier […] war spektakulär.“ Und Regisseur Chazell hat folgendes zu Goslings Klavierspiel angefügt: „Es gibt keine Nahaufnahme von Sebastians Händen im ganzen Film, die wir gedoubelt haben. Es ist immer Ryan. […]“ Im


Fazit

Viele weitere Punkte könnte man noch anführen, die La La Land tatsächlich zu einem großartigen Film machen – mich hat vor allem gefreut, dass es Damien Chazelle derart gelungen ist, sein geliebtes Genre des Musicals mit einer Hommage an die Musik und die Schauspielkunst zu verknüpfen ohne in bekannte Strukturen dieses Genres zu verfallen und „Nichtmusical-Liebhaber“ abzuschrecken“. Dass dieser Film bei den großen Hollywoodpreisen mächtig abräumt und abräumen wird, war abzusehen. Schließlich feiert sich die Filmbranche auch mal ganz gern selbst und das ist auch ok. Schließlich kann auch ich mich der Lobpreisung für diesen Film einfach nicht entziehen. Unbedingt ansehen!

9


Cast

  • Regisseur: Damien Chazelle
  • Drehbuch: Damien Chazelle

Hauptdarsteller

Darsteller Figur
 Ryan Gosling Sebastian
Betty Buckley Dr. Fletcher

Nebendarsteller

  • Haley Lu Richardson
  • Jessica Sula

Weitere Meinungen

  • Schnitt: 8,0/10

8


Die Filme von Damien Chazelle

  • Guy and Madeline on a Park Bench (2009)
  • Whiplash (2014)
  • La La Land (2016)
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13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Danke für die Aufnahme in eure Liste, obwohl euer Artikel ja bereits vor meinem erschien.

    Übrigens: heute Abend beginnt bei mir eine neue Filmquiz-Runde und da ihr so viele seid, müsst ihr mal abliefern 😉

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    1. JOHN sagt:

      Wird gemacht, ich schick die Info rum! 😀

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      1. Sehr schön, ich drück euch die Daumen.

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    1. JOHN sagt:

      Danke! 🙂

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  2. ohmyalexblog sagt:

    So ein wunderschöner Film! Ich liebe Jazz und Singing in the Rain… hätte kaum besser werden können.

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  3. sa1zi sagt:

    Sehr schön! War ein geiler Film !

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  4. Die Poe sagt:

    Das mit dem Ohrwurm stimmt im übrigen! Auch wenn ich mich nicht so in den Film verliebt habe, wie Du, summe ich automatisch auch noch 2 Stunden nachdem ich es gehört habe City of Stars 🙂

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